BLKÖ:Lußberger, Jacob

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 168. (Quelle)
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Lußberger, Jacob (Hofschauspieler, geb. zu Frankfurt a. M. 9. [nach Anderen 13.] März 1813, gest. zu Puchberg am Schneeberg bei Wien 16. [nach Anderen 15.] Juli 1857). Sohn eines [169] Zimmermanns, der als Theatermeister bei dem Theater der Stadt Frankfurt a. M. bedienstet war. Der Vater hatte ihn frühzeitig zu dem Stande eines Mechanikers bestimmt, aber L. war als Knabe schon für Malen und Musik begeistert. Ein Zufall brachte ihn mit dem zu jener Zeit an dem Frankfurter Theater angestellten Schauspieler Julius Weidner zusammen. Weidner bemerkte in dem damals 16jährigen Jünglinge ein unzweideutiges Talent für das Theater. Er nahm sich des jungen L. an, und schon nach kurzer Zeit ward derselbe im Chore des Frankfurter Theaters angestellt und bald darauf als Schauspieler engagirt. Er blieb in der Stellung bis 1843, wo er ein Engagement mit dem königlichen Hoftheater zu Stuttgart abschloß. Im Jahre 1846 folgte er einem Rufe an die königliche Hofbühne nach München und wurde im Herbste des Jahres 1846 auf ein Jahr im k. k. Hofburg-Theater in Wien engagirt. Nach Ablauf des Jahres trat Lußberger an dem k. k. priv. Theater an der Wien als Regisseur des Schauspiels ein und blieb hier bis zum Jahre 1850, wo er zum k. k. Hofburg-Theater zurückkehrte und noch im December 1853 das Decret erhielt. In unausgesetztem Fortschritte begriffen, stieg L. fast mit jeder bedeutenderen neuen Rolle in der Gunst des Publicums; aber auch die kleinste ihm zugefallene Aufgabe zeigte den hohen künstlerischen Ernst, der ihn beseelte, die strenge Gewissenhaftigkeit, mit der er seinem Berufe im Allgemeinen angehörte und in jeder Leistung durch eine Fülle fein ausgearbeiteter Nuancen ein Charakterbild zu componiren wußte. Noch in jüngster Zeit hat er in einer Reihe der glücklichsten humoristischen Rollen eine ungetheilte Anerkennung sich erworben. Sein Frankfurter Accent wirkte lange Zeit störend und verdarb vieles, was sein feiner Darstellungssinn so glücklich erfaßt und wiederzugeben verstand. Als aber seine Mutter, die seit Jahren bei ihm lebte, starb und der tägliche Verkehr im heimatlichen Sprachtone aufhörte, entwöhnte sich sein Organ von da an des, dem Frankfurter Accente eigenen singenden Gaumentons und damit war das letzte Hinderniß gewichen, das seiner künstlerischen Bedeutenheit bisher störend im Wege gestanden. L. zählte nunmehr – leider nur für kurze Zeit – zu den ersten Mitgliedern des Burgtheaters. Behagliches Alter, gutmüthige Poltrone spielte er mit bestem Erfolge; für das Fach der Tartüffe’s in allen Schattirungen war er aber, wie ein wohl glaubwürdiger Gewährsmann, Director Laube es ausspricht, eine Specialität geworden, wie sie äußerst selten auf der deutschen Bühne zu finden ist. Auch besaß L. ein ausgesprochenes Zeichnentalent und entwarf für jede Rolle von einiger Wichtigkeit ein Porträt, welches er an seinem Kopfe trefflich zu reproduciren verstand. Noch im letzten Jahre seines Lebens war er jeden Morgen in einem Saale der Akademie der Künste zu finden, mit sorgfältiger Zeichnung und Modellirung menschlicher Gliedmaßen beschäftigt. Wenige Tage vor seinem, in Folge eines Herzleidens, eingetretenen plötzlichen Tode war er auf’s Land gegangen, in eine reizende Gebirgsgegend Oesterreichs u. d. Enns, in das herrliche, in der Nähe des Schneeberges gelegene Puchbergerthal, um dort in ländlicher Zurückgezogenheit die Burgtheaterferien zu verleben und nebenbei mit dem Pinsel sich zu beschäftigen. Wenige Tage darauf war er, erst 44 Jahre alt, eine Leiche. Sein Platz ist heute, nach zehn [170] Jahren, durch keinen Ebenbürtigen ersetzt. Es war aber auch, wie Laube schreibt, nichts vom Dutzendschauspieler an ihm. Er dachte eigen und hatte seine wohlausgeführte Lebensphilosophie. Der künstlerische Gesichtspunct war in ihm herrschend für alles, was er sah, was er erlebte, was er dachte. Darstellung, sei’s im Bilde, sei’s auf der Scene, war sein Element und eine solche tüchtige Kraft, die mit ihm frühzeitig zu Grabe gegangen, ist nicht so bald ersetzt.

Der Zwischen-Akt (Wiener Theaterblatt 1859, Nr. 74 u. 75; „Drei Lustspiel-Väter“. Von Heinrich Laube. – Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1857, Nr. 176 u. 177. – Heinrich (A.), Deutscher Bühnen-Almanach (Berlin 1858, 8°.) XXII. Jahrgang, S. 113. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1857, Nr. 329. – Frankfurter Konversationsblatt 1857, Nr. 175. – Iris (Gratzer Muster- und Modeblatt, 4°.) 1857, III. Bd. 6. Lfg. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1857. Abendblatt Nr. 164. – Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 52. Jahrgang (1858), Nr. 164. – Wiener Neuigkeitsblatt 1857, Nr. 165. – Wiener Zeitung 1857, Nr. 164, S. 2105.