BLKÖ:Froloff-Bagréeff-Speransky, Elisabeth Gräfin von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 4 (1858), ab Seite: 382. (Quelle)
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Froloff-Bagréeff-Speransky, Elisabeth Gräfin von (Schriftstellerin, geb. 1799, gest. zu Wien 4. April 1857). Sie ist die Tochter des durch seine denkwürdigen Schicksale bekannten russischen Grafen Michael Speransky, der sich aus niederem Stande zu den höchsten Aemtern emporgeschwungen hatte, durch eine falsche Anklage in Verbannung gerieth, in die ihm seine Tochter Elisabeth folgte, und später, als seine Unschuld zu Tage kam, General-Gouverneur von Penso wurde. Um diese Zeit vermälte sich Elisabeth mit Herrn von Froloff-Bagréeff, aus welcher Ehe ein Sohn und eine Tochter hervorgingen. Später übersiedelte sie nach Petersburg, wohin ihr Vater berufen worden war, und lebte da im Kreise der bedeutendsten Staatsmänner, Schriftsteller und Künstler und schloß mit Puschkin eine Freundschaft, die erst der Tod löste. Als 1839 Graf Speransky starb, begab sich Elisabeth nach Deutschland, von wo sie auf ihre Güter in die Ukraine zurückkehrte und sich der Erziehung ihrer Kinder widmete. Auf die schmerzlichste Weise verlor sie ihren Sohn, der Militär geworden und als er das Leben eines Freundes vertheidigte, von der Hand eines betrunkenen Cameraden fiel. In der Religion fand die tief erschütterte Frau Trost und in dieser Stimmung führte sie die Wallfahrt zum heil. Grabe aus, indem sie zuvor ihre Tochter Maria mit dem Fürsten Kantakuzeno vermält hatte. Anderthalb Jahre brachte sie auf ihrer Pilgerfahrt zu, kehrte dann auf ihre Güter nach Rußland zurück, wo sie durch Verbesserungen mannigfacher Act und durch Errichtung wohlthätiger Anstalten vielen Segen stiftete. Im J. 1850 verließ sie aber ihre Heimat, übersiedelte nach Wien und schlug daselbst ihren bleibenden Wohnsitz auf. In diese Zeit ihres Aufenthaltes in Wien und also schon in höheren Jahren, fällt ihr [383] Auftreten als Schriftstellerin. Sie schrieb während eines Landaufenthaltes in der Nähe Wiens das Werk: „Les pèlerins Russes“, worin sie ihre Wallfahrt in’s heil. Land erzählt. Das Werk, welches Aufsehen erregte, erschien anonym. Fallmerayer berichtete darüber in der Allgemeinen Zeitung. Noch schrieb sie: „Méditations chretiennes“; – den Roman: „La Vie de chateau en Ukraine“ – einen Band Briefe über Kiew, ein Trauerspiel, das Pugatschew zum Helden hat und mehrere größere und kleinere Erzählungen, von denen die Wiener Zeitung im Feuilleton des Abendblattes 1857 die eine: „Pokritka“, d. i. Die Verstoßene, und aus ihrem Nachlasse: „Die Alte und ihr Rabe“, eine Erinnerung aus der Kinderzeit, ferner der „Krippen-Kalender für das J. 1858“ (Wien, VI. Jhrg. S. 100) die Erzählung: „Wo die Noth am grössten, dort ist die Hilfe am nächsten“ brachten. Frau Froloff-Bagréeff versammelte seit ihrem Aufenthalt in Wien einen Kreis geistig bedeutender Menschen um sich. Der Verkehr mit Künstlern und Schriftstellern war ihr Bedürfniß. Grillparzer war ein oft und gerngesehener Gast in ihrem Salon. Ein unvorgesehenes Leiden überfiel sie und raffte sie nach vier Tagen dahin. Sie wurde auf dem St. Marxer Friedhofe bestartet. Ihr Tod ließ in den sparsam gesäten Kreisen der socialen und geistigen Aristokratie Wiens eine bisher unersetzte Lücke zurück. Einer ihrer Biographen sagt: „Güte, Geist, Talent sind so edle Gaben, daß, wer auch nur Eine davon besitzt, als ein Begnadeter betrachtet werden muß. Elisabeth F.-B. besaß sie vereint. Mit ihr ging ein edles Menschenbild zu Grabe.“ Es blieb ein nicht unbedeutender literarischer Nachlaß zurück; was aus demselben geworden, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt.

Allgem. (Augsburger) Zeitung 1857, Beilage zu Nr. 103, S. 1644. – Revue de deux mondes 1857 April, in den Artikeln über ihren Vater, den Grafen Speransky, von St. René Taillandier. – Oestr. Zeitung (vormals Wiener Lloyd) 1857 im April. – Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle 1857, Nr. 83. – Wiener Zeitung 1857 (9. April) Nr. 81, S. 1012.