Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Dioszéghi, Samuel
Band: 3 (1858), ab Seite: 310. (Quelle)
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Diotti, Joseph (Maler, geb. zu Casalmaggiore in der Provinz Cremona 1779, gest. zu Bergamo 30. Jänner 1846). Stammt von guter aber armer Familie; früh schon zeigte sich des Knaben Talent für die Kunst; er erhielt den ersten Unterricht von Paul Araldi; später schickte ihn ein edler Mäcen Joseph [311] Vincenz Ponzone an die Akademie der schönen Künste nach Parma, wo er schöne Fortschritte machte. Als in Folge der politischen Wirren die Unterstützung seines Mäcens aufhörte und er, erst 15 Jahre alt, in seine Heimat zurückkehrte, malte er, um sich Geld zu verdienen, Porträte, Prospecte, Decorationen u. dgl. m. Im Jahre 1804 folgte er einer Einladung seines Landsmannes Paul Fadigati nach Reggio, welcher damals die Stelle eines Präfecten daselbst bekleidete, um den Unterricht im Zeichnen bei der berühmten Künstlerin Barbara Vimercati zu Ende zu führen. Ueber Fadigati’s Empfehlung erhielt D. viele Bestellungen und endlich wurde er von der italienischen Regierung auf Staatskosten nach Rom gesendet, um seine Studien zu beenden. Nach zurückgelegtem vierjährigem Curse malte er das vorgeschriebene Preisgemälde, „Die Geburt Christi“. welches allgemein großen Beifall erhielt. Als er heimgekehrt war, ernannte ihn das Ministerium des Unterrichtes auf Wunsch der Commission der Akademie Carrara zum Professor dieses Institutes (1811), in welcher Stelle D. bis wenige Jahre vor seinem Tode verblieb und manche ausgezeichnete Schüler und Schülerinnen, darunter die Geschwister Pauline und Isabella Pagnoncelli heranbildete. D. besaß auch wissenschaftliche, insbesondere historische Kenntnisse; die Wahl der in seinen Gemälden und Fresken behandelten Stoffe geben Zeugniß für seine Bildung und Geistesrichtung. Viele gelehrte Vereine Italiens haben D. zum Mitgliede gewählt. In den letzten Jahren seines Lebens ward er von physischen Leiden heimgesucht, welche öfter auf längere Zeit seine künstlerische Thätigkeit unterbrachen und ihn nöthigten, um Enthebung von seinem Posten zu bitten, welche ihm auch gewährt wurde. D. zählt zu den hervorragendsten Künstlern seiner Zeit. Die Zahl seiner Gemälde ist nicht sehr groß, doch befinden sich darunter Arbeiten von hohem künstlerischen Werthe. Er malte historische Bilder und Porträte in Oel und Fresken. Seine bedeutendsten Schöpfungen sind: Oel-Gemälde: „Die Geburt Christi und die Anbetung der Hirten“. jetzt in der Sammlung der Mailänder Akademie der Künste. Dies ist D.’s erstes Gemälde, mit welchem er vor die Oeffentlichkeit trat und welches großen Beifall fand. Merkwürdigerweise schloß D. mit einem Gemälde desselben Gegenstandes seine künstlerische Laufbahn; dieses letztere malte er im Auftrage des Grafen Ludwig Petrobelli in Bergamo – „S. Peter“, ganze Figur natürlicher Größe, für die Pfarrkirche von Iseo; – „Der Tod des Socrates“, im Besitze des Herrn Manini zu Cremona; – „Das Urtheil der neugebornen Spartaner“ (il giudizio dei Neonati Spartani), ein Drittheil der natürlichen Größe; – „Die Schlange von Bronce“, im Besitze von Com. Guelfi in Cremona; – „Der Tod des Cato“, beide ein Drittheil der natürlichen Größe; – „Die heilige Jungfrau“; „Der heilige Johann der Täufer“ und „Der heil. Stephan“, natürliche Größe, für die Abteikirche zu Casalmaggiore; – „Die Madonna auf dem Throne, zu ihren Füssen der heil. Karl und der heil. Franciscus“, zwei Drittheile der natürlichen Größe. Der Carton dieses Gemäldes ist im Besitze der Gebr. Tréconet; – „Der Heimgang des heil. Joseph“, für die Gräfin Verri-Confalonieri; zwei Drittheile der natürl. Größe; – „Die Enthauptung des heil. Johannes des Täufers“, für die Pfarrkirche zu Stezzano; großes Gemälde, die Figuren über die natürliche Größe; – „Die Heilung der Blindheit des alten Tobias“, für die Capelle Colleoni zu Bergamo; – „Die Gesellschaft des Ludovico Moro, Herzogs von Mailand“, im Auftrag des Grafen Mellerio, großes Gemälde. Dieses schöne historische Bild enthält die [312] lebensgroßen Porträte in ganzer Figur des Herzogs, seiner Gemalin Beatrice, des Cardinals von Este, der Künstler: Leonardo da Vinci, Bramante, Fra Lucca Paccioli, Franchino Gaffurio, Morone, Tristan Calco u. A. Für jene Figuren der Gemälde, zu welchen die Original-Porträte fehlten, substituirte D. sinnig Porträte neuerer hervorragender Personen, z. B. eines Monti und Mayr; – „Die Mutter Gottes mit dem schlafenden Christuskinde“, im Auftrage des Herrn Gaetano Melzi; außer diesem Madonnenbilde hatte D. noch mehrere andere für die Familie Borromeo, die Gräfin Antonie Castelbarco u. A. gemalt; – „Die Segnung Jakobs“, für die Kirche in Alzano maggiore; – „Der Kuss des Judas“, im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand; Kniestück, neun Figuren; gegenwärtig in der kaiserl. Gallerie des Belvedere; – „Die Flucht der heil. Familie nach Egypten“, im Auftrage des Ministeriums des königl. Hauses und Hofes von Neapel; die Figuren zwei Drittheile der natürlichen Größe; – „Der Tod des Grafen Ugolino und seiner Söhne im Thurm von Pisa“, im Auftrag des Grafen Tosi zu Brescia. Großes Gemälde, die Figuren fast Lebensgröße; – „Antigone wird auf Befehl des Creon zum Tode geführt“, im Auftrage der Akademie Carrara zu Bergamo, großes Gemälde. Die Figuren zwei Drittheil natürlicher Größe. [Aus Anlaß dieses Kunstwerkes erschienen zwei Schriften: „Dell’ Antigone. Dipinto del Prof. Giuseppe Diotti“ (Cremona 1845); – „L’Antigone dell’ Alfieri. Quadro di Gius. Diotti“ (Bergamo 1845); – „Der Congress der italienischen Städte im Kloster Pontita“. im Auftrage des Herrn Chioggi. Kleines Gemälde mit vielen Figuren. Im großen Maßstabe es auszuführen, erhielt er Bestellung von H. Scotti in Calcio. Er hatte auch schon die Arbeit begonnen und die Zeichnung bereits vollendet, als ihn der Tod ereilte. Groß ist die Menge der Porträte, welche D. gemalt; unter den durch ihre Ausführung besonders hervorragenden sind zu nennen: Francesca Turrina in Casalbuttano – Gräfin Marianna Berizzi in Bergamo, beide: ganze Figur in Lebensgröße; – ferner: Graf Johann Baptist Maffei; – Graf Pietro Moroni; – Dr. Picinelli; – Professor Baizini und Mayr, letzterer im Momente musikalischer Begeisterung. Unter den von D. vollendeten Fresken sind zu nennen, im Hause des Gaetano Bolzesi zu Cremona: „Die von Diomedes verwundete Venus wird von Iris vor Jupiter und die Götter des Olymps geführt“; – „Der weinende Ulysses, als er von Demodokos sein eigenes Missgeschick am Hofe des Alcinons, König der Phäaken, singen hört“; – „Der Reigen der Jahreszeiten“; – „Antigone von Creon zum Tode verurtheilt“. – Im Hause des Grafen Locatelli in Bergamo: „Die Toilette der Venus“, die Göttin von den Grazien und den lieblichsten Genien umgeben, ist eben im Begriffe, sich die Krone auf’s Haupt zu setzen. – Im Hause Manera zu Cremona: „Venus befiehlt dem Vulcan die Anfertigung der Waffen des Aeneas“. – In der Pfarrk. zu Sorresina: „Der h. Petrus erweckt die[WS 1] Tabita zum Leben“. – Für die Cathedralkirche zu Cremona: „Der heil. Petrus empfängt die Schlüssel; – „Der ungläubige Thomas“; – „Die Himmelfahrt Christi“; – „Jesus lässt die Kleinen zu sich kommen“. – Für die Pfarrkirche zu Rudiano in der Provinz Brescia: „Die Anbetung der heil. drei Könige“ und im Oratorium der Casa Camozzi zu Ronica: „Maria Empfängniss“. Man rühmt an Diotti’s Gemälden die correcte Zeichnung, das Colorit, die treffliche Vertheilung des Lichtes; aber in der Wahl des Momentes, den er mit Farben fesselt, ist er nicht immer glücklich; daher es kommt, daß seine sonst [313] tadellosen Bilder den Beschauer öfter kalt lassen.

Salvioni (Agostino), Di Giuseppe Diotti e delle sue dipinture. Memorie di ... (Bergamo 1846, Mazzoleni, gr. 8°.). – Krafft (Albrecht), Die moderne Schule der k. k. Gemälde-Gallerie (Wien 1854, Pichlers Witwe u. S., 8°.) S. 9 [gibt irrig das Jahr 1773 als D.’s Geburtsjahr an]. – Revue encyclopédique (Paris 1825) XXVI. Bd.. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) III. Bd. S. 417. – Müller (Fr.), Die Künstler aller Zeiten und Völker (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) I. Bd. S. 473. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 848. – Porträt. Unterschrift: Giuseppe Diotti. Professore di Pittura nell’ Accademia Carrara di Bergamo (Lit. Mazzocchi). Trefflich gezeichnetes aber schlecht lithogr. Porträt. Befindet sich auch bei Salvioni’s obiger Schrift.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: den.