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Auslegung des Propheten Joel von Johann Fabri (Nikolaus Paulus)

Textdaten
Autor: Nikolaus Paulus
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Titel: Auslegung des Propheten Joel von Johann Fabri (WS)
Untertitel:
aus: Johann Fabri von Heilbronn. In: Der Katholik 72 (1892), S. 17-35 (Teil 1) und S. 108-127 (Teil 2), hier S. 117-120
Herausgeber:
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Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Franz Kirchheim
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Erscheinungsort: Mainz
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons (ganzer Aufsatz liegt vor)
Kurzbeschreibung: Beschreibung und Auszüge in Übersetzung des Joel-Kommentars von Johann Fabri, 1557 an Bürgermeister und Rat der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd gewidmet
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
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[117] Ein treffliches homiletisches Werk ist die Auslegung des Propheten Joel1). Nachdem Fabri über diesen Propheten zu Augsburg eine Reihe von Vorträgen gehalten, veröffentlichte er dieselben im Jahre 1557. Es sind ernste Bußpredigten, wie sie damals [118] in Deutschland nur allzu nothwendig geworden. Der Verfasser mag wohl die damaligen Zustände in allzu düstern Farben schildern; doch wissen wir aus den verschiedenartigsten Quellen, daß in der That in Folge der religiösen Wirren das allgemeine Verderben immer weiter um sich gegriffen hatte.

Vor allem beklagt der Prediger die religiös-sittliche Anarchie, die durch die Neuerer in Deutschland heraufbeschworen worden: „Etlich nennen sich evangelisch, etlich lutherisch, etlich zwinglisch, etlich osiandrisch, etlich sarcerisch, etlich flacisch, etlich schwenkfelderisch, etlich brenzerisch, etlich schnepfisch, etlich wiedertäuferisch, u. s. w.; etlich sind gar verirrt, daß sie nicht wissen, was sie glauben, ja glauben gar nichts, weder Belohnung noch Straf nach diesem Leben, sind gar epicurisch, ja viel mehr als heidnisch.“ „Unter den Heiden wird nicht gefunden solcher Ehebruch, Gotteslästerung, Rauberei, Wucherei, Neid, Haß, Ungehorsam u. s. w., als jetzund bei der neuen Lehre. Denn etliche unter ihnen haben geschrieben: Nichts verdammt, als allein der Unglaube, und nichts macht selig, als allein der Glaube. Was nun für ein Muthwillen aus diesen Worten unter dem Volke erwachsen, ist der ganzen Welt bekannt.“

Auch die Katholiken, klagt Fabri, seien in Folge der neuen Grundsätze viel schlechter geworden: „Die Altgläubigen werden faul und welk im Guten, sie lassen hinschleichen, was sie zuvor für Sünd geachtet; Fasten, Beten, Beichten u. s. w. wird nicht hoch geachtet. Sie trösten sich also göttlicher Barmherzigkeit, daß sie Gott nicht fürchten in Meidung des Bösen. Es will sich Niemand halten nach der Regel, der Mönch mag nicht leiden das Capitel, der Geistliche mag nicht dulden das Concil, der Adel mag nichts sehen, als Turniere.“

Um das entartete Volk zu bessern Gesinnungen zurückzuführen, wären tüchtige Geistliche vonnöthen gewesen. Aber leider „es wird jetzund von den Gutherzigen der große Mangel an Seelenhirten gar trauriglich beklagt, daß so große Ernte und so wenig Schnitter. O wie viele Städte, Dörfer, Flecken sind, wo kein Seelenhirt ist, gehen wie das Vieh, die keinen Hirten haben, hören kein Wort Gottes. Die Kinder begehren Brod und ist Niemand, der ihnen das breche. O, wohl ein großer Hunger, zu hören das göttliche Wort.“ „Der gemeine Mann hilft auch zu diesem Mangel; er läßt seine Kinder nicht mehr studiren zum Priester- oder Predigtamt; [119] sie müssen alle Kaufleut werden, lernen Sprachen zu ihrem Eigennutz und Gewinn; sie lernen rechnen, ehe sie beten können. Es ist alles auf Reichthum und weltliche Pracht gerichtet.“

Trotzdem nehme der Reichthum in Deutschland immer mehr ab: „Die trutzliche Zwietracht im Glauben frißt allen Reichthum, Freud und Frieden, allen Gehorsam, alle Liebe, und Treue, und macht, daß wir verdorren an Leib und Gut; ist zu besorgen, wo diese freventliche, trutzliche Lehre bleiben sollte, daß unser edel Deutschland durch ein fremdes Volk zur Wüstniß gemacht werde.“

Die Befürchtungen des katholischen Mönches waren keineswegs übertrieben: im dreißigjährigen Krieg wurde in der That „das edel Deutschland durch ein fremdes Volk zu einer Wüstniß gemacht.“

Ein wohlthuendes Gegenstück zu diesen düstern Schilderungen bietet uns die kleine Reichsstadt Schwäbisch-Gmünd, der Fabri sein Predigtwerk widmen wollte. In Gmünd hatte der Magistrat das Aufkommen des Protestantismus mit allen Kräften hintanzuhalten gesucht; ja der Bürgermeister Rauchbein soll sogar um die Mitte des 16. Jahrhunderts seine Rathsgenossen zum Beschluß veranlaßt haben, daß in Zukunft jeder Rathsherr zum Beweise seines katholischen Glaubens mit dem Rosenkranz in der Hand auf dem Rathhause erscheinen müsse2). Fabri lobt denn nicht mit Unrecht die schwäbische Reichsstadt wegen ihres treuen Festhaltens am alten Glauben. Durch solch „christliche Beständigkeit“ sei sie „andern Landen und Städten zum Exempel geworden.“ Auch die innern Zustände der Stadt werden vom Augsburger Prediger auf’s höchste gerühmt: „Ihr habt bei euch gelehrte, fromme Prediger des göttlichen Wortes und fleißige Ausspender der heiligen Sacramente; ihr befleißet euch, aus dem göttlichen Worte zu lernen, überflüssig zu sein in den Werken des Herrn. Es ist lieblich und fröhlich, bei euch zu sehen die friedliche, ehrliche, einhellige Beiwohnung der Bürger. Ein jeglicher ist fleißig, sich und die Seinen mit seinem ehrlichen Gewerb und Handarbeit ehrlich zu ernähren. Niemand sucht unnütze Pracht, sondern allein was menschliche Nothdurft, und das ohne alle Bevortheilung, erfordert. Wie eure Fürsichtigkeit und Weisheit gegen die hohe Obrigkeit, die Röm. kais. Majestät [120] sich allwegen gutwillig und gehorsam erzeigt und bewiesen, also sind eure Unterthanen, eure liebe getreue Bürgerschaft, Gott, seiner heiligen Kirche und euch zu gehorsamen ganz willig und bereit. Solch ehrlich, redlich, christlich Gemüth habe ich nicht können ungelobt lassen.“


1) [117] Johel der Prophet, christenlich und trewlich zu besserung der glaubigen außgelegt und geprediget. Durch D. Johann Fabri von Hailbrunn. Dilingen 1557. X und 239 Bl. 4°. Dem Bürgermeister und Rath der Reichsstadt Schwäbisch-Gmünd gewidmet. Augsburg, 26. Februar 1557. — In’s Lateinische übersetzt von Tilmann Bredembach. Löwen 1563. 8°. Mit Widmungsschreiben des Uebersetzers an Erzbischof Daniel von Mainz. Spätere lateinische Ausgaben: Paris 1578; Antwerpen 1582. 1589.

2) [119] K. Eubel, Geschichte der oberdeutschen Minoriten-Provinz. Würzburg 1886. S. 109.


Anmerkungen (Wikisource)

Der deutschsprachige Dillinger Druck (1557) des Werks des Augsburger Dompredigers Johann Fabri (1504-1558) ist im VD 16 registriert unter F 155 (mehrere Digitalisate) und ZV 24405. Zu Fabri siehe die ADB und die Wikipedia.