Angriff von Kormoranen auf Reihernester

Textdaten
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Titel: Angriff von Kormoranen auf Reihernester
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 9, 20
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1896) b 0009.jpg

Angriff von Kormoranen auf Reihernester.
Nach einer Originalzeichnung von F. Specht.

[20] Angriff von Kormoranen auf Reihernester. (Zu dem Bilde S. 9.) Unter den verschiedenen Arten des Kampfes ums Dasein, der in der Vogelwelt tobt, kann als der hartnäckigste der Kampf um die Stand- und Brutquartiere gelten, der mit großer Regelmäßigkeit jahraus jahrein geführt wird. Der Naturfreund ist alljährlich der Zeuge vieler derartiger Tragödien, in denen glückliche Paare von Haus und Hof vertrieben werden! Zumeist handelt es sich dabei um Einzelkämpfe der Paare. Wo aber die Vögel in Gesellschaften nisten, wo ganze Ansiedlungen von Nestern einer und derselben Art einander nahe gerückt sind, dort werden die Kämpfe zu regelrechten Luftschlachten, in denen die eine Art die andere zu verdrängen sucht. Namentlich die Wasservögel pflegen in Gesellschaften zu nisten, und so bauen auch die Reiher, wo sie häufiger vorkommen, ihre Horste dicht aneinander, sei es in Rohrwaldungen, sei es auf Bruchweiden und anderen an Ufern der Gewässer stehenden Bäumen. An großen Flüssen haben solche Ansiedlungen oft die Ausdehnung von tausend und mehr Schritten und auf jedem Baume erblickt man eine ganze Anzahl von Horsten, die aus starkem Reisig gebaut sind. Hier an ihren Brutplätzen sind die Vögel nicht so scheu wie in ihren weiter entfernten Jagdbezirken; man kann dicht bis an die Bäume heranrudern und das Thun und Treiben in der Kolonie beobachten. Die Bilder, die wir da erblicken, sind nicht gerade schön; der Reiher ist ein an und für sich häßlicher Vogel und auch sein Charakter ist wenig anziehend – er ist schlau und heimtückisch, aber dabei feig. Das zeigt sich hier, wo er seine Brut groß zieht. Habichte, Elstern und Krähen schleichen heran und stehlen die Jungen aus den Nestern; es würde ein einziger Stoß des mächtigen Reiherschnabels genügen, um den Räubern das Handwerk zu legen; aber der Reiher benutzt diese furchtbare Waffe nur, wenn er sich in Verzweiflung oder der größten Lebensgefahr befindet, hier schreit er ein wenig, schlägt matt mit den Flügeln, nimmt eine drohende Haltung ein, läßt aber die Räuber gewähren. Es fehlt ihm an Mut, sein Nest mit Nachdruck zu verteidigen. Und so geschieht es, daß mitunter andere Vögel, die gleichfalls von der Fischbeute leben, an die Gewässer kommen und kurz entschlossen zum Sturm auf die neugebauten Reiherhorste fliegen. Das naturgetreue Bild von F. Specht zeigt uns einen derartigen Angriff der Kormorane oder Eisscharben, die öfters in großen Scharen von den Seeufern ins Binnenland kommen, um hier zu fischen und zu brüten. Der Lärm, der bei solchen Kämpfen entsteht, ist ein großer, aber Heldenthaten werden von den Reihern nicht verrichtet; ein Nest nach dem anderen wird geräumt und die Eindringlinge richten sich in den eroberten Horsten heimisch ein.
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