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Textdaten
Autor: Ludwig Thoma
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Titel: An einen Schwabinger Bürger
Untertitel:
aus: Zeitschrift „Simplicissimus“
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 19. September 1916
Verlag: Albert Langen
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: „Simplicissimus“
Jg. 21, 1916, H. 25 (PDF), S. 314
Kurzbeschreibung:
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An einen Schwabinger Buerger.jpg
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[314]
An einen Schwabinger Bürger


Denkst du daran?
Denkst du noch rückerinnernd jener
Verfloss’nen Zeit,
Wo dir die adligsten Rumäner

5
In Geldverlegenheit,

Wo dir Fürst Ghika als Bojar,
Der immer abgebronnen war,
Mit Ehrenwort den Schwur getan.
Sie wollten dir ein andermalen

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Und morgen schon die Wurst bezahlen?

Du weißt, wie deine Frau sich sorgte,
Wenn das Gesindel immer borgte,
Und du – na ja, in Gottes Namen,
Gabst ihnen wieder, wenn sie kamen

15
Nun aber bist du tief verletzt.

Ist das der Dank,
Wie gegen uns die Bande hetzt?
Der Ärger macht dich krank –
Du meinst als schlichtes Publikum,

20
Du warst zu gut – und warst zu dumm.

Sei ruhig! Schau die andern an,
Die haben Schlimmeres getan.
Die Herren, die die Kunstwelt lenken
Und in der Zeitung für uns denken,

25
Und die mit hohem Selbstvertrauen

Uns täglich deutsche Kunst versauen,
Wie fanden sie Geschmack
An dem Schlawinerpack!
An Burschen, die den Kniff verstanden,

30
Bald die, bald jene Richtung fanden,

In der man ohne Kunst und Fleiß
Sich als Genie zu geben weiß!
Wie das die Zeilenschreiber fraßen!
Wie sie auf ihren Hosen saßen

35
Die Kritici,

Daß das Genie,
Das sich so frech und ungebärdig,
So unverschämt und zukunftwerdig,
So seltsam gab und laut rumorte,

40
Sich endlich ins Verständnis bohrte!

Du wardst sie los mit einem Fluch,
Strichst ihren Namen aus dem Buch –
Doch das, was sie als Kunst betrieben,
Verehrter Freund, das ist geblieben.

45
Den Dreck, den sie uns hinterließen,

Den müssen wir noch fort genießen
Als „Expression“,
Und uns zum Hohn
Grinst er uns aus den Fenstern an,

50
So frech, wie er’s von je getan.

Die Wunde schwärt. Da hilft kein Pflaster,
Die Kunst ist krank
Und siecht nun dank
Dem gottverdammten Kritikaster.

 Ludwig Thoma