Textdaten
Autor: Auguste Pattberg
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Titel: Als es war am Abend spath
Untertitel:
aus: Frau Auguste Pattberg geb. von Kettner. In: Neue Heidelberger Jahrbücher, Band 6, Seite 117–118
Herausgeber: Reinhold Steig
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Koester
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Erscheinungsort: Heidelberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
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Quelle: Internet Archive, Commons
Kurzbeschreibung:
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[117]

Als es war am Abend spath,
Der Junggesell tratt auf die Gassen,
     ja Gassen,
Er geht vor ’s Lieb Schlafkämmerlein:

5
„Schönster Schaz steh mir auf

Und lass mich ’nein,
Ich will heut bei dir schlafen,
     ja schlafen.“

„Was wärs, wenn ich dich auch ’rein lass –

10
Bei mir sollst du nicht schlafen,

     ja schlafen,
Es mögten eins oder zwei im Winkel stehn,
Möchten mir oder dir auf Unglück sehn,
Möchten mich oder dich verrathen,

15
     ja rathen.“


Und als es war um Mitternacht,
Der Wächter tratt auf die Gassen,
     ja Gassen:
„Steht auf, steht auf, ihr junge Leut,

20
Wo eins oder zwei beisamm leit,

Der Tag kommt schon zu schleichen,
     ja schleichen.“

Das Mädlein das war nicht zu faul,
Sie springt zum Kammerladen,

25
     ja Laden:

„Bleib liegen mein Herztausender Schaz,
Sind noch drei Stündlein bis an Tag,
Der Wächter hat uns betrogen,
     betrogen.“

30
Als es war am Morgen früh,

Das Mädlein hohlt ein Wasser,
     ja Wasser,
Begegnet ihr derselbige Knab
Der heut bei ihr gelegen hat,

35
Und wünscht ihr ein Gutmorgen,

     ja morgen:

„Guten Tag du mein Herztausender Schaz,
Wie hast heut Nacht geschlafen?
     ja schlafen?“

40
„Ich hab geschlafen in deinem Arm,

Jetzt bin ich weder kalt noch warm,
Mein Ehr hab ich verschlafen,
     ja schlafen.“

[118]

„Wenn du dein Ehr verschlafen hast,

45
Ich will dir sie bezahlen

     ja zahlen
Mit lauter Silber und lauter Gold
Mit lauter harten Thaler,
     ja Thaler.“

50
„Mein Ehr ist mir um Gold nicht feil,

Kannst mir sie auch nicht zahlen,
     ja zahlen.“
„Gehst du mit einem Kindelein,
Schweig still, ich will der Vatter sein,

55
Ich will es helfen nähren,

     ja nähren.“

Er kauft ihr eine güldne Schnuhr
Bringt sie wiedrum zu Ehren,
     ja Ehren;

60
Damit schnührt sie ihr Kläblein zu,

Er thut es helfen schnühren,
Und thut es helfen zieren,
     ja zieren.[1]


  1. Aus der eigenhändigen Niederschrift der Frau Auguste Pattberg; Anklänge in Des Knaben Wunderhorn 1, 317.