Allgemeines Deutsches Kommersbuch:333

Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 664, 665
<< Zurück Vorwärts >>
De Schauenburg Allgemeines Deutsches Kommersbuch 330.jpg
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

[664]

Wis=senschaft: Mein Durst kommt vom Ge=stei=ne, mein Durst kommt
vom Ge=stei=ne!

     2. Ihr staunt! das wär ein neues Licht! Davon weiß Plato frei=
lich nicht, der Heidelberg nicht kannte; hier kann, auch wer nicht weise,
sehn, daß Schloß und Stadt auf „Zechstein“*)[1] stehn, so vor wie nach
dem Brande.

     3. Als eins Porphyr in Drang und Glut durch den Granit brach
in der Flut, schuf er des Zechsteins Schichten; dem ward, weil er in
Glut erzeugt und sich gebildet einst noch feucht, ein heiß und durstig
Tichten.

     4. Und wer auf solchem Boden lebt, Luft atmet, die darüber
schwebt, dem trocknen die Gebeine! Drum folgt dem Rat der Wissen=
schaft: „Anfeuchtet euch mit kühlem Saft im Thal der Zechgesteine!

Adam Eisenlohr.


          742.     Der Krähwinkler Landsturm.

     Sehr gemessen. Volksweise.

     1. (Nur) Im=mer lang=sam vor=an, im=mer lang=sam vor=
an, daß der Krähwink=ler Land=sturm nach=kommen kann!
Hätt der Feind uns=re Stär=ke schon früher so gekennt, wär er
[665] wahrlich schon frü=her zum Teu=fel ge=rennt.

     2. Nun marschieren wir gerade nach Paris hinein, dort, Kinder,
soll das Rauchen nicht verboten sein.

     3. Unser Hauptmann ist ein kreuzbraver Mann, nur schade,
dass er’s Schießen nicht vertragen kann.

     4. Unser Lieutenant, der ist von Dinkelsbühl, Courage hat er wohl,
aber nicht sehr viel.

     5. Nun sind wir schon fünfzig Meilen weit marschiert, und dreißig=
tausend Mann sein erst krepiert.

     6. Das Marschieren, das nimmt heut gar kein End, das macht,
weil der Lieutenant die Landkart nicht kennt.

     7. Hat denn keiner den Fähnrich mit Fahne gesehn? Man
weiß ja gar nicht, wie der Wind thut wehn.

     8. Unser Fähnrich steht mit der Fahn auf der Bruck, wenn es
kracht, läuft er immer geschwinde zuruck.

     9. Sein Fähnerl hält drei Ellen Tafft, so ’n Ding is jo bald
wieder angeschafft.

     10. Tambour, strapezier er doch die Trommel nicht so sehr, alle=
weil sind die Kalbfell so wohlfeil nicht mehr.

     11. Doch der Oberst, das ist ein Mann von Courage, der beschützt
unser Brot und unsere Bagage.

     12. Herr Hauptmann, mein Hintermann geht immer trippe=trapp,
er tritt mir noch die Hinterhacken ab.

     13. Herr Hauptmann, ich bitt um gnädigsten Permiß zu etwas,
das erlauben sie gewiß.

     14. Wird, Kinder, allweil euch zu schwer das Gepäck, schmeißt
vorderhand die Gewehre weg!

     15. In der Festung war’s doch gar zu schön, dort konnt man den
Feind durch die Gucklöcher sehn.

     16. Und schlich sich einmal ein Feind herein, so konnt man doch
um Hülfe schrein.

     17. Ach Gotte, wie wird’s erst in Frankreich ergehn! Dort kann
ja kein Mensch das Deutsche verstehn.

     18. Du, gieb mir einmal den Schnapskolben her! Im Kriege, da
durstet einen alleweil gar sehr!

     19. Am Ende gehn wir noch nach Spanien hinein, da soll der
Schnaps ganz bitter sein.

     20. Von Spanien geht’s gleich nach Afrika hinab, dort schneiden
uns die Mohren die Eselsohren ab.

     21. Drum tragen wir keinen Säbel an der Seit, weil’s gefährlich
wär für so hitzge Leut.



  1. *) Beim Tunnelbau fand man unter dem Bremeneck und Faulen Pelz Zechstein.