Allgemeines Deutsches Kommersbuch:279

Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 556, 557
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ein - sei des Trin=kens Lob ge=sun=gen, sei ge=
prie=sen uns der Wein! Hol=la=he! mit Feu=er
zun=gen stim=met all ihr Freun=de ein - sei des
Trinkens Lob ge=sun=gen, sei ge=prie=sen uns der Wein!
 
     2. Alles, was da lebt, soll leben, leben jeder wackre Mann, leben
soll der Saft der Reben, leben, der ihn schlürfen kann, |: leben alle
großen Geister, alle Schönen weit und breit, leben der Herr Bürger=
meister, leben alt und neue Zeit! :|

     3. Leben alle, die da wandern, leben, wer zu Hause blieb, leben
schließlich alle andern, leben alles, was uns lieb! Leben Stadt und
Markt und Gassen … fällt noch einem sonst was ein, das man könnte
leben lassen, flugs soll drauf getrunken sein!

     4. Kranke trinken und Gesunde, Blonde, Schwarze, alles zecht,
Groß und Kleine, Schlank und Runde, Herr und Frau und Magd
und Knecht; Väter trinken, Onkels, Tanten, Großpapa und Enkelkind,
alle sonstgen Anverwandten und auch die, die keine sind.

     5. Arm und reich und hoch und nieder, schön und häßlich,
klug und dumm, Könge trinken, Seifensieder, Adel trinkt und Pu=
blikum; alle Länder, alle Zonen, Männlich=, Weiblich=, Sächliches,
Tausend trinken, Millionen, ich, du, er, wir, ihr, sie es …

Erwin Bormann. Nach dem: In taberna quando sumus.


[557]           619.     Wer niemals einen Rausch gehabt.     (III. 119.)

     Lustig. Wenzel Müller. 1794.

     1. Wer nie=mals ei=nen Rausch ge=habt, der
     Wer sei=nen Durst mit Ach=teln labt, fang

ist kein bra=ver Mann, juch=he! der ist kein bra=ver Mann.
lie=ber gar nicht an, juch=he, fang lie=ber gar nicht an.

Da dreht sich al=les um und um in un=serm Ka=pi=
to=li=um, in un=serm Ka=pi=to=li=um.

     2. Doch zu viel trinken ist nicht gut, drei Quart sind eben recht,
juchhe! drei Quart sind eben recht. Da steht auf einem Ohr der Hut,
ist nur der Wein auch echt, juchhe! ist nur der Wein auch echt. Trinkt
unsereiner zu viel Wein, |: findt er sich nicht zum Haus hinein. :|

     3. Ich sag halt allweil modice! ich steh noch allweil grad. Doch
liegt man auf dem podice, ist's um den Wein nur schad. Das ist ein
Weinchen wie ein Rack! hübsch grad, hübsch grad und nicht zickzack.

     4. Wenn rein wie Gold das Rebenblut in unsern Gläsern blinkt,
sich jeder Zecher wohlgemut ein kleines Räuschchen trinkt: dann scheint
die Welt in ihrer Pracht für muntre Trinker nur gemacht.

     5. Ein jeder Trinker lebe hoch, der bei dem vollen Glas schon oft
der Arbeit hartes Joch, des Lebens Müh vergaß! Wer dich verschmäht,
du edler Wein, der ist nicht wert, ein Mensch zu sein.

     6. Drum trink ich, weil ich trinken kann und mir das Weinchen
schmeckt, so lange bis der Sensenmann ins kühle Grab mich streckt.
Dann endet sich mein Lebenslauf, dann hört mit mir der Durst auch auf.

nach J. Perinet. 1794.