Allgemeines Deutsches Kommersbuch:134

Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 266, 267
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[266]

     2. Ich kam als krasser Fuchs hierher und spähte in den Gassen,
wo mir ein Bett und Zimmer wär, den langen Leib zu fassen. Fand
Sofa nicht, noch Stiefelknecht, und doch war mir die Bude recht, |: denn
keine ist aequalis der filia hospitalis. :|

     3. Sie ist ein gar zu herzig Kind mit ihren blonden Zöpfen, die
Füßchen laufen wie der Wind im Schuh mit Quast und Knöpfen; die
Schürze bauscht sich auf der Brust, allwo ich schau, ist eitel Lust, und
keine ist aequalis der filia hospitalis.

     4. Im Haus herrscht sie als guter Geist und zeigt’s an jedem
ersten: Der einzge Schüler war verreist, die Kasse mir am leersten.
Da wurd ihr Wort mir Schutz und Schild und stimmte den Philister
mild, drum ist auch nichts aequalis der filia hospitalis.

     5. Vier Mieter hat sie: der Jurist besucht nur feine Kreise, der
Mediziner ist kein Christ, der Theolog — zu weise. — Doch mir, mir,
dem Philologus, gab sie in Züchten einen Kuß, und keine ist aequalis
der filia hospitalis.

     6. Auf eines hält sie scharfe Acht und läßt nicht mit sich spaßen:
wer je der Magd den Hof gemacht, würd nimmer ihr mehr passen.
Zwar das Mamsellchen am Büffett ist höchst pikant und äußert nett —
und dennoch nicht aequalis der filia hospitalis.

     7. Du rheinisch Mädchen, wüßt ich doch, was Gott mit uns be=
schlossen? — Ich schanz mir in den Kopf ein Loch und ochse unver=
drossen. Und wärst du mir auch nie beschert, zeitlebens bleibst du hoch=
geehrt, weil keine dir aequalis, dir, filia hospitalis.

Preisgedicht von Otto Kamp. 1885.



          297.     Rückkehr des alten Studenten.     (I. 116.)

     Mäßig. Vinz. Lachner.

     1. Reicht mir das al=te Burschenband und reicht die al=te
Klin=ge, daß ich zum Ritt gen Heidelberg mich jetzt aufs
Röß=lein schwinge. Heut fühl ich heiß Stu=den=ten=blut durchs
[267] Herz noch ein=mal wal=len, mir ist, als hört ich
Be=cher=klang und Schläger=klir=ren schal=len, mir
ist, als hört ich Becherklang und Schlägerklir=ren schallen.

Schluß der 3. Strophe
zu Ehr und Preis von Heidel=berg, dem al=ten e=wig jungen,
zu Ehr und Preis von Heidelberg, dem alten ewig jungen.

     2. Mir ist, als säh ich jugendfrisch die alten Freunde wieder, als
hörte ich von Lieb und Wein die alten frohen Lieder. Und wie von
jungem Liebestraum die alten Lieder tönen, |: mir ist, als säh ich
wieder sie, die Schönste aller Schönen. :|

     3. Da streut noch einmal auf die Welt der Frühling seine Blüten,
wie damals als in Lieb und Lust die jungen Herzen glühten. Füllt
mir den Becher bis zum Rand, und hell sei angeklungen, zu Ehr und
Preis von Heidelberg, dem alten ewig jungen!

Friedr. Percy Weber.



          298.     Hoch das Burschenleben!     (I. 36.)

     Mäßig bewegt, aber kräftig. V. E. Becker.

     1. Rings im Krei=se Mann an Mann, lustdurch=weh=te Ze=cher,