Allgemeine Musikalische Zeitung (23/1841): Literarisches

Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Literarisches
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aus: Allgemeine musikalische Zeitung. 43. Jahrgang 1841; Nr. 23, Spalte 459–461
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 9. Juni 1841
Verlag: Breitkopf & Härtel
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Besprechung des Monatsblatts Euterpe
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[459–460]

Literarisches.
Euterpe. Ein musikalisches Monatsblatt für Deutschlands Volksschullehrer, herausgegeben in Gemeinschaft mit Bogenhardt, Seminarlehrer in Hildburghausen, Erk, Seminarlehrer in Berlin und Jacob, Cantor in Conradsdorf in Schlesien, von Ernst Hentschel, königl. Musikdirector und Seminarlehrer in Weissenfels. 1r Jahrg. 1841. Erfurt, bei Wilh. Körner

Von diesem neuen musikalischen Monatsblatte, das sich streng auf den Stand der Volksschullehrer beschränken und monatlich einen Bogen bringen will, deren 12 den Pränumeranten um ¾ Thlr., auf Schreibpapier für 1 Thlr. abgelassen werden, liegt der erste Bogen vor uns. Der Prospekt eröffnet es. Vorzugsweise soll in’s Auge gefasst werden 1) des Volksschullehrers musikalische Bildung in ihren Grundlagen und ihrem steten Fortschreiten; 2) seine öffentliche musikalische Wirksamkeit, als Gesanglehrer, Kantor und Organist; 3) seine [460] musikalische Thätigkeit in Privatverhältnissen, und 4)seine Erquickung durch die Tonkunst in Fest- und Feierstunden. – Hauptgegenstände der Besprechung sollen sein: Theorie und Geschichte der Musik; das Gesangwesen in Kirchen und Schulen, wie im häuslichen Kreise; Orgelspiel und Orgelbau; Klavier- und Violinspiel; Methodik des Unterrichts sammt den Hilfsmitteln. – Das ist viel. Wenn sich die Herren Herausgeber nicht ausserordentlich beschränken, begreifen wir in der That nicht, wie sie mit 12 Bogen jährlich auskommen wollen, besonders da noch dazu das Neueste schnell, so schnell es nämlich ein Monatsbogen möglich macht, berichtet, Kritiken, Bücherblicke, Journalberichte und vermischte Mittheilungen gegeben werden sollen. Wenn nun dazu endlich noch der Widerspruch der Meinungen, so weit er begründet ist, beachtet werden soll: so scheint uns der Raum für dies Alles doch zu enge; wenigstens getrauten wir uns nicht, damit fertig zu werden. Die grösste Oekonomie wird das erste Gesetz sein müssen, was sich die achtbaren Herren Herausgeber gewiss selbst schon vorgeschrieben haben werden.

Die erste Abhandlung ist: „Der Gesangunterricht und das formale Prinzip,“ von S. 3–10, von E. Hentschel. Das formale Prinzip, der Kraftentwickelung, bewusstvoller Thätigkeit, also nicht des Abrichtens, sondern des Unterrichtens, scheint dem Verfasser jetzt verletzt zu werden, so sicher es auch der Kern und Stern der ganzen neuen Unterrichtskunst ist. Dieses Erkennen der Verhältnisse gegebener Töne wurde seit etwa 30 Jahren vielfach angestrebt: jetzt ist es anders! – Nur können wir nicht damit übereinstimmen, dass jetzt zu wenig Anleitungen zum Gesangunterricht erscheinen. – Richtig dagegen ist: „Man opfere nicht die Liederübung (nach dem Gehör) der Tonanschauung, aber auch diese nicht jener, sondern treibe Eins neben dem Andern.“ – Es geht sehr gut. „Hauptsache ist, dass der Schüler stets die Noten ansehe und ununterbrochen fest den Takt schlage, wo möglich nicht in der Luft, sondern auf dem Tische.“ Nebenhin laufen auch in der Mittelklasse leichte Gehörübungen, vorzugsweise zum Unterscheiden der einfachsten Intervalle. Die Oberklasse setzt die Liederübung nach Noten fort; was nicht gehen will, wird vorgespielt. Das Taktschlagen beibehalten. Endlich treten auch gleichzeitig die strengen Uebungen der Tonanschauung in ihre Rechte, etwa nach Karow´s Gesanglehre, die so weit durchgenommen wird, als es ohne Uebereilung geschehen kann. – S. 10–12. Ansichten und Grillen eines alten Kantors. Hier wird zugestanden, dass die Lehrer jetzt auch in der Musik viel mehr leisten, als vor 20 Jahren. Gesangfeste und Veredlung des Kirchengesanges seien Zeugen dafür. Aber die innere Befreundung der Einzelnen mit der Tonkunst durch Studium und Kraftübung in der Stunde der Musse ist nicht gewachsen, auch in den Lehrern nicht. Man treibt Modesachen, nichts Tieferes und Ernsteres. Einen Theil der Schuld trügen die Seminarien durch Vorherrschenlassen des Chorgesanges und durch zu wenig Berücksichtigung des Solovortrages. – Darauf wird S. 12 folgendes Werkchen empfohlen:

[461] 100 drei- und vierstimmige Begräbnissarien, auch Gesänge für’s Todtenfest, für Männerstimmen und den gemischten Chor. Herausgegeben von F. A. L. Jacob. Essen, bei G. D. Bädecker. Preis 20 Ggr.

Die Sammlung wird als die reichhaltigste, gesichtetste und zweckmässigste gepriesen, allgemeine und spezielle Fälle berücksichtigend; neue und ältere Texte gut gewählt, die meisten Komposizionen würdig, mehrere vom Herausgeber selbst; alle für mässige Chorkräfte, was nicht das kleinste Verdienst einer solchen Ausgabe ist.

Frdr. Schneider’s 6 Volkslieder für Männerstimmen, bei Breitkopf und Härtel in Leipzig, kennen unsere Leser schon; sie werden auch hier nach Verdienst für gesellige Feierstunden gepriesen und empfohlen.

S. 14 und 15. Bücherblicke. Sehr Bekanntes über Choräle und Choralgesang (Kreuzzüge von Karl v. Raumer. 1r Theil. 1840). Zu Allgemeines hilft wenig. – Den Schluss machen drei Sätzchen Mannichfaltiges, worunter der Erfahrungssatz, dass musikalisch vernachlässigte Jünglinge von siebenzehn und mehr Jahren trotz aller Anstrengung im Klavier- und Orgelspiel sich nicht mehr so viel aneignen können, als ein zehnjähriger Knabe ohne Mühe erlernt.

Dies der Inhalt der Probenummer einer Monatsschrift, auf die wir aufmerksam zu machen verpflichtet sind.