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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Albertus Magnus und Kaiser Wilhelm
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 189-191
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 209.jpg
Bearbeitungsstand
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[189]
489.
Albertus Magnus und Kaiser Wilhelm.
Trithemii chronicon monast. Spanheim.

Lehmann Speier. Chronik. V. cap. 90. S. 534.


Albertus Magnus, ein sehr berühmter und gelehrter Mönch, hat den Kaiser Wilhelm von Holland, als er im Jahr 1245 zu Cöln auf den Tag der drei Könige angelangt, in einen Garten beim Prediger-Kloster gelegen, mit seinem ganzen Hof zu Gast gebeten, dem der Kaiser gern willfahrt. Es ist aber auf berührten Tag nicht allein große, unleidliche Kälte, sondern auch ein tiefer Schnee gefallen; deßhalb die kaiserlichen Räthe und Diener beschwerliches Mißfallen an des Mönchs unordentlicher Ladung getragen, und dem Kaiser, außer dem Kloster zu so strenger winterlicher Zeit Mahl zu halten, widerrathen; haben aber doch denselben von seiner Zusag nicht wenden können, sondern hat sich sammt den Seinen zu rechter Zeit eingestellt. Albert der Mönch hat etliche Tafeln sammt aller Bereitschaft in den Kloster-Garten, darin Bäume, Laub und Gras alles mit Schnee bedeckt gewesen, mit großem Befremden eines Jeden über die seltsame und widersinnige Anstalt, lassen stellen, und zum Aufwarten eine gute Anzahl, von Gestalt des [190] Leibes überaus schöne, ansehnliche Gesellen zur Hand bracht. Indem nun der Kaiser sammt Fürsten und Herren zur Tafel gesessen und die Speisen vorgetragen und aufgestellt sind, ist der Tag obenrab unversehens heiter und schön worden, aller Schnee zusehens abgangen und gleich in einem Augenblick ein lustiger, lieblicher Sommer-Tag erschienen. Laub und Gras sind augenscheinlich, deßgleichen allerhand schöne Blumen aus dem Boden hervor gebrochen, die Bäume haben anfahen zu blühen, und gleich nach der Blüt ein jeder seine Frucht zu tragen; darauf allerhand Gevögel nieder gefallen und den ganzen Ort mit lieblichem Gesang erfüllet; und hat die Hitze des Tages der Maßen überhand genommen, daß fast männiglich der winterlichen Kleider zum Theil sich entblößen müssen. Es hat aber niemand gesehen, wo die Speisen gekocht und zubereitet worden; auch niemand die zierlichen und willfährigen Diener gekannt, oder Wissenschaft gehabt, wer und wannen sie seyen, und jedermann voll großer Verwunderung über all die Anstellung und Bereitschaft gewesen. Demnach aber die Zeit des Mahls herum, sind erstlich die wunderbar köstliche Diener des Mönchs, bald die lieblichen Vögel sammt Laub und Gras auf Bäumen und Boden verschwunden, und ist alles wieder mit Schnee und Kälte dem anfänglichen Winter ähnlich worden: also daß man die abgelegten Kleider wieder angelegt, und die strenge Kälte der Maßen empfunden, daß männiglich davon und zum Feuer und warmen Stube geeilet. [191] Um solcher abentheuerlichen Kurzweil halben hat Kaiser Wilhelm den Albertus Magnus und sein Convent, Prediger-Ordens, mit etlichen Gütern reichlich begabt, und denselben wegen seiner großen Geschicklichkeit in großem Ansehen und Werth gehalten.