ADB:Ziegesar, August Friedrich Karl Freiherr von

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ziegesar, August Friedrich Karl Freiherr von“ von Max Berbig in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 160–162, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ziegesar,_August_Friedrich_Karl_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 9. Dezember 2022, 05:28 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 45 (1900), S. 160–162 (Quelle).
Wikisource-logo.svg [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg August Friedrich Karl von Ziegesar in der Wikipedia
Wikidata-logo.svg August Friedrich Karl Freiherr von Ziegesar in Wikidata
GND-Nummer 102507007
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|45|160|162|Ziegesar, August Friedrich Karl Freiherr von|Max Berbig|ADB:Ziegesar, August Friedrich Karl Freiherr von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=102507007}}    

Ziegesar: August Friedrich Karl Freiherr von Z., herzogl. sachsen-gothaischer Geheimer Rath und Kanzler, später herzoglich sachsen-weimarischer General-Landschaftsdirector, Erb-Lehn- und Gerichtsherr auf Drackendorf, Zöllnitz, Laasdorf, Ilmnitz, Wöllnitz und Rutha, geboren zu Drackendorf am 5. April 1746, † zu Weimar am 19. December 1813. Z. war der Sohn des sachsen-weimarischen Wirklichen Geheimen Rathes und Ministers Karl Siegmund v. Z. Schon im J. 1747 verlor er seine Mutter, Christiane Sophie geb. v. Griesheim, und am 22. Mai 1754 auch den Vater. Aber der achtjährige Knabe, welchem schon bisher die zarte Sorge einer treuen, sehr gebildeten Stiefmutter, Frau Sophie Luise geb. v. Butler, zu Theil geworden war, hatte jetzt das Glück, unter die Vormundschaft des berühmten Rechtslehrers zu Jena, des Geheimen Regierungsrathes v. Hellfeld zu kommen, welcher ihn sogleich nach des Vaters Tode in sein Haus aufnahm und für seine Ausbildung, sowie für die Ordnung seiner Familienangelegenheiten väterlich sorgte. Schon mit 15 Jahren begann er in Jena seine akademischen Studien, welche sich auf Jurisprudenz und Philosophie erstreckten. Im J. 1765 promovirte er mit der Dissertation „De visitatione judicii cameralis imperialis“ und am 3. März 1766 wurde er von dem Herzog Friedrich III. als Regierungsrath nach Gotha berufen. Ehren und Würden wurden ihm in seinem neuen Dienstverhältniß bald im reichsten Maaße zu Theil. Bereits am 30. December 1768 wurde er Hofrath, am 29. Januar 1771 Kammerherr, am 4. October 1782 Ober-Consistorial-Vicepräsident und Geh. Regierungsrath, am 23. December 1785 Vicekanzler mit dem Directorium bei der Regierung, am 29. November 1790 Geheimer Rath und Kanzler, am 7. Mai 1804 endlich Wirklicher Geheimer Rath. Eine erfolgreiche Thätigkeit entwickelte er als Vorsitzender der Waisen- und Zuchthauscommission, der Wittwensocietätscommission, der Almosen- und Baucommission. Seit 1780 war er Beisitzer des herzoglichen Obersteuercollegiums zu Altenburg [161] und Deputirter beim landschaftlichen Ausschuß daselbst; seit dem 12. März 1774 Beisitzer bei dem gemeinschaftlichen Hofgericht zu Jena, bei welchem er am 6. März 1792 als Hofrichter installirt wurde. Als Vicepräsident des Oberconsistoriums von 1782–85 bewirkte er eine vollständige Reorganisation dieser Behörde, bewerkstelligte unter wenig günstigen Verhältnissen die Einrichtung des Lehrerseminars und einer damit verbundenen Uebungsschule, steuerte der Willkür und dem Nepotismus bei Besetzung von Stellen und der Vertheilung von Stipendien u. dgl. m. Nachdem er 1785 Chef der Landesregierung geworden war, bewirkte er eine Verbesserung des Geschäftsganges im Justizwesen durch Einführung der Controllen und zweckmäßige Einrichtung der Depositenbücher. Er rettete die dem Verfall nahe Wittwensocietät durch eine ganz umgebildete, auf sicheren Fuß gesetzte Verfassung derselben. Eine noch heute im Herzogthume Gotha gültige Gesindeordnung hat ebenfalls Z. zum Verfasser. Aus Anlaß eines Rechtsstreites gab er 1794 ein umfangreiches Buch: „Darstellung der vor dem herzoglich-sächsischen Justizamte zu Gotha wider den Schwertfeger Johann Gotthard Sartorius anhängig gewesenen Untersuchung wegen eines demselben angeschuldigten doppelten Ehebruchs u. s. w.“ heraus, ein Werk, welches wegen der darin niedergelegten außerordentlichen Gelehrsamkeit und Geistesschärfe in Fachkreisen damals berechtigtes Aufsehen erregte. Die Stadt Gotha verdankt Z. hauptsächlich eine gründliche Verbesserung des Polizei- und Kämmereiwesens, auch machte er seinen ganzen Einfluß geltend, um durch Hebung des Obstbaues den Wohlstand zu fördern. Schwere Krankheiten, von denen Z. in den Jahren 1805 und 1807 heimgesucht wurde, schwächten seine Gesundheit so, daß er im J. 1808 um seine Pensionirung nachsuchen mußte. Dieselbe wurde ihm in huldvollster Weise und unter Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen ertheilt und er zog sich nun auf sein Gut Drackendorf zurück, das er zu einer Art Musterwirthschaft gestaltete. Häufig verkehrte er von hier aus in Weimarischen Gesellschaftskreisen; mit Goethe war er eng befreundet. Da sich Z. schon früher als Deputirter der Landschaft das Vertrauen des Herzogs Karl August in hohem Grade erworben hatte, so ernannte ihn dieser schon im J. 1809 zum Generallandschaftsdirector und betraute ihn mit der schwierigen Aufgabe, eine Vereinigung der bis dahin noch getrennt bestehenden weimarischen, eisenachischen und jenaischen Landschaft herbeizuführen. Die Lösung gelang Z. zur größten Zufriedenheit des Herzogs und nunmehr beauftragte er ihn mit der Regelung einiger Angelegenheiten, die Universität Jena betreffend. Der Entwurf eines neuen, den Zeitumständen angemesseneren Etats für jene Hochschule sollte sein letztes Werk sein. Im Winter des Jahres 1813 hielt er sich in Weimar auf, wo eine Landescommission unter seinem Vorsitze berufen worden war, um über die durch den Krieg hervorgerufenen nothwendigsten Bedürfnisse des Landes zu berathen. Am 19. December wohnte Z. noch einer dreistündigen Sitzung jener Commission bei und begab sich dann zum Vortrage zum Herzog. Nach Beendigung desselben, noch ehe er das herzogliche Schloß verlassen konnte, überraschte ihn der Tod: er starb ohne Leiden an einem plötzlichen Schlagflusse. Neben seiner ihm im J. 1809 im Tode vorausgegangenen Gattin, Magdalene Auguste geb. v. Wangenheim, mit welcher er in einer vierzigjährigen glücklichen Ehe gelebt hatte, ward er in Drackendorf beigesetzt. Zwei Söhne, welche Z. hinterließ und welche beide auch im Staatsdienst thätig waren, zeichneten sich durch gleiche Tüchtigkeit wie der Vater aus.

Vgl. Intelligenzblatt d. Jenaischen Allg. Litteratur-Zeitung Jhrg. 1814, Nr. 1. – Acten des Goth. Geheimen Haus- u. Staatsarchivs. – Eichstädt, Progr. Paneg. honori et memoriae Aug. Fr. Carol. L. B. de Ziegesar. Jena 1844. – Schott, Predigt bei der Gedächtnisfeier des Herrn Barons [162] von Ziegesar. Jena 1814. – Zeitgenossen II. Reihe, Heft 22, S. 67 bis 120.