ADB:Zeller, Johannes

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Artikel „Zeller, Johannes“ von Hermann Wartmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 45 (1900), S. 27–28, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Zeller,_Johannes&oldid=- (Version vom 17. Januar 2021, 19:47 Uhr UTC)
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Zeller: Johannes Z., Seidenfärber in Zürich, geboren am 27. Septbr. 1777, † am 9. April 1866. – Eine der wichtigsten Hülfsindustrien für die zürcherische Seidenweberei war von jeher die Seidenfärberei und eine der ältesten zürcherischen Seidenfärberfamilien war die Familie Zeller. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts erscheinen Mitglieder dieser Familie als Färber in Zürich. Die ca. 1670 von Jakob Christoph Z. gegründete, um 1760 erweiterte und wenigstens von da an nachweisbar ausschließlich für die Seidenindustrie arbeitende Färberei „zum Bierhaus“ war schon durch vier Generationen direct vom Vater auf den Sohn übergegangen, als sie Johannes Z. im Frühjahr 1798 übernahm. Seine Mutter hatte seit dem drei Jahre vorher erfolgten Tode des Vaters das Geschäft betrieben und berief nun beim Einrücken der Franzosen in die Schweiz den Sohn nach kaum zweijährigem Aufenthalt in der Fremde – an verschiedenen Plätzen Südfrankreichs – nach Hause, um in der aufgeregten Zeit einen männlichen Schutz an ihrer Seite zu haben. 1802 übernahm Z. bei seiner Verheirathung die „Seidenfarb“, während die Mutter und sein Bruder Heinrich die erste türkischroth Färberei in Zürich, wenn nicht in der Schweiz, einrichteten. Rastlos arbeitete der junge Seidenfärber in seinem Beruf und an seiner weiteren Ausbildung in den damit zusammenhängenden Wissenschaften der Physik, Chemie und Technologie, und was er hier an neuen Ideen fand, suchte er sofort auch praktisch zu verwerthen. Er ließ einen der ersten Dampfkessel in der Schweiz nach seinen eigenen Angaben von einem Kupferschmied anfertigen; er legte schon im J. 1814 gemeinschaftlich mit seinem Bruder eine Dampfeinrichtung für die Rothfärberei an und machte in den zwanziger Jahren unermüdlich Versuche in der Herstellung von Leuchtgas, die schon 1844 zur Einrichtung der Gasbeleuchtung für seine Färberei führten, als sonst in der Schweiz von dieser Beleuchtungsart noch kaum die Rede war. Seine Idee, aus dem bei der Färberei verbrauchten Seifenwasser wieder einen festen Stoff zu gewinnen, sah er später durch seinen Sohn Heinrich verwirklicht, dem es gelang, aus den aufgelösten Seifenbestandtheilen den unter dem Namen Swinter bekannt gewordenen, vielfach angewandten Stoff herzustellen. Die eifrigste Förderung der technischen Wissenschaften war ihrem Verehrer Herzenssache. Er betheiligte sich daher im Winter 1825 freudig an der Gründung der sogenannten „technischen Gesellschaft“, die sofort mit aller Energie die Errichtung des „technischen Instituts“ an die Hand nahm, einer bald als ganz vorzüglich anerkannten Lehranstalt, des Vorläufers der öffentlichen obern Industrieschule, in der sie nach etwa fünfjährigem Bestande aufgegangen ist.

Als langjähriger Vertreter seiner Vaterstadt im Großen Rathe des Kantons Zürich hielt Z. zur conservativen Partei, da ihn die paar Jahre seines Aufenthaltes in dem noch revolutionär aufgeregten Frankreich schon in seiner Jugend [28] gründlich gegen alles eingenommen hatten, was die Gefahr bürgerlicher Unordnung und Anarchie auch nur von weitem in sich zu tragen schien.

27. Uebersicht d. Verhdlgn. d. techn. Gesellsch. in Zürich. Zürich 1868.