ADB:Wolff, Nicolaus

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Artikel „Wolff, Nicolaus“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 44 (1898), S. 43–44, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wolff,_Nicolaus&oldid=- (Version vom 25. September 2022, 14:00 Uhr UTC)
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Wolff: Nicolaus W. (auch Wolf, Lupi, Luppi), ein Lyoner Buchdrucker um die Wende des 15. Jahrhunderts, der sich Alemannus nennt, genauer Lutriensis oder de Lutrea. Man pflegt diese letztere Bezeichnung auf Lutter zu deuten. Allein von diesem Namen heißen die entsprechenden Bildungen Luttera (Lutterum), Lutterensis, während Lutrea wenigstens als Nebenform neben Lutra für Lautern vorkommt. Und an einen der Orte dieses Namens (insbesondere etwa an Kaiserslautern) zu denken, liegt um so näher, als dieselben nicht wie die Orte des Namens Lutter dem ersten Verbreitungsgebiete der Buchdruckerkunst fern gelegen sind, in Norddeutschland, sondern mitten darin in Süd- und Westdeutschland. Von dieser unbestimmten Andeutung über seine Herkunft abgesehen, weiß man über die Persönlichkeit des Mannes lediglich nichts; denn das Magister, das er außerdem noch seinem Namen beisetzt, ist, da es mit artis impressorie magister wechselt, nicht von dem akademischen Grad sondern nur von seiner Stellung als Meister zu verstehen. In Lyon kommt W. nach Claudin in den Registern des städtischen Archivs zum ersten Mal beim Jahr 1493 vor, und zwar als fondeur des lettres pour imprimer, der in der Grande-Rue-Neuve wohnte. Als Schriftgießer wird er auch bei der letzten Erwähnung in den Registern, unter dem Jahr 1512 bezeichnet. Man wird hieraus wol schließen dürfen, daß die Schriftgießerei der wichtigere Theil seines Geschäftes war. Bekannt ist er aber in der Geschichte nur als Buchdrucker geworden und auch als solcher hat er eine nicht geringe Thätigkeit entfaltet. Wir haben bis jetzt 27 Drucke von ihm festgestellt, die sämmtlich in die Jahre 1498–1512 fallen. Wenn Péricaud a. u. a. Orte partie 2 p. 34 und nach ihm Andere 1492 als Anfangsjahr von Wolff’s Druckerthätigkeit nennen, so entbehrt dies der Begründung und beruht wol nur auf einem Druckfehler bei Péricaud (vgl. ebendort partie 3 p. 2: 1498!). Auch Panzer’s Angabe, der a. u. a. O. t. IX p. 514 noch einen Druck aus dem Jahr 1515 anführt, aber nur auf Grund einer einzigen Quelle, ist wol als irrig zu bezeichnen. Wenigstens ist bei der letztmaligen Erwähnung Wolff’s in den Acten von 1512 am Rande bemerkt: Recessit (d. h. ist fortgezogen). Ihrem Inhalt nach gehören die Drucke dieses Meisters den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft an, doch sind Classikerausgaben darunter am zahlreichsten vertreten. Recht einfach ist sein Druckerzeichen: es ist ein kleines Rechteck mit schwarzem Grund, in welchem die Buchstaben N W stehen, das W von dem kleineren N überragt, aus welch letzterem wieder das bekannte viererähnliche Zeichen aufsteigt (abgebildet u. a. bei Vingtrinier, [44] Histoire de l’imprimerie à Lyon, 1894, p. 134). Außer in Lyon und gleichzeitig mit seiner dortigen Thätigkeit soll W. nun aber auch in Paris eine Druckerei gehabt haben. So berichten alle, die von ihm handeln und die Bibliographen zählen im besonderen 5 Pariser Drucke aus den Jahren 1499 bis 1512 von ihm auf. Geht man aber der Sache auf den Grund, so zeigt sich, daß in vier von diesen fünf Fällen keineswegs Paris als Druckort genannt ist und dasselbe trifft sicher auch im fünften Falle zu, in welchem es uns nur nicht gelungen ist, ein Exemplar des betreffenden Druckes, der Regulae cancellariae apostolicae von 1501, oder eine genaue Beschreibung desselben aufzufinden. Die irrige Angabe ist dadurch entstanden, daß W. jenen Drucken nur seine Firma und nicht auch den Druckort beigefügt und daß man bei Ergänzung des letzteren unsern Drucker mit seinem Pariser Berufsgenossen Georg W. verwechselt hat. So wird denn N. W. künftig aus der Zahl der Buchdrucker von Paris zu streichen sein.

Vgl. Hain, Repertorium bibliogr. (s. Burger’s Register, auch Nr. 15336 gehört hierher). – Panzer, Annales typogr. t. VII, p. 277 sqq., 501, 548. t. X, p. 2. – Reichhart in: Beihefte zum Centralblatt für Bibliothekswesen Bd. 5, 1895, S. 258 ff. – Claudin, Antiquités typogr. de la France I, 1880, p. 66 note 1. – Péricaud, Bibliographie Lyonnaise du XVe siècle, partie 2, 1852, p. 34, partie 3, 1853, p. 2.