ADB:Smidt, Heinrich

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Artikel „Smidt, Heinrich“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 487–488, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Smidt,_Heinrich&oldid=- (Version vom 29. September 2020, 17:52 Uhr UTC)
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Smidt: Heinrich S., Dichter, 1798 in Altona geboren, genoß bis zur Confirmation den Unterricht der Stadtschule und ging dann zur See. Er hat vom Kajütenjungen auf gedient und bestand das Examen als Steuermann erster Classe. Zehn Jahre hat er in diesem praktischen Seemannsdienst zugebracht, bis 1823, in demselben ist er auf allen Meeren gefahren und hat die Küsten dreier Welttheile kennen gelernt. Die Erfahrungen und Beobachtungen, die er hier sammelte, hat er verstanden später in seinen Schriften zu verwerthen. 1823 gab er das Seeleben auf, besuchte eine Zeitlang das Altonaer Gymnasium und studirte dann von Ostern 1824 auf den Universitäten Kiel und Berlin die Rechte und die schönen Wissenschaften, welchen letztern er sich vorzugsweise widmete. Seine schriftstellerische Thätigkeit begann er 1825 mit den „Poetischen Versuchen“, denen noch in demselben Jahr das Trauerspiel „Vergeltung“ folgte und dann Erzählungen, herausgegeben von Dannenberg, 1826–1828. 3 Bde. Nachdem er seine akademischen Studien vollendet, blieb er privatisirend in Berlin, wo er zunächst eine Anstellung fand bei der Redaction der Staatszeitung und dem Magazin für die Literatur des Auslandes. 1848 ward er Mitglied der Marinecommission und der Marineabtheilung des Kriegsministeriums, zuletzt war er Archivar und Bibliothekar daselbst. Vom König der Niederlande erhielt er das Ritterkreuz der Eichenkrone. Er starb in Berlin am 3. September 1867. S. war ein äußerst productiver Schriftsteller. Besonders hat er sich verdient gemacht durch seine Seeromane, die er als der Ersten einer mit viel Glück zu behandeln verstanden hat. Dadurch hat er auch zunächst den Blick der Binnenländer hinaus auf den Ocean gerichtet, und wiederum war er einer der Ersten, der an die unserem Vaterlande aus seinen Küsten erwachsenen seemännischen Aufgaben mahnte. Wir nennen von denselben: „Seegemälde“ 1828. „Mittheilungen aus dem Tagebuch eines nordischen Seemanns“ 1830. „Seemannssagen und -Märchen“ 1835. 2 Bde. „Mein Seeleben“ 1837. „Seenovellen“ 1838. 2 Bde. „Eine Fahrt nach Helgoland“ [488] 1839. „Steuermann Johann Smidt’s Memoiren“ 1840. 3 Bde. „Heinrich Flaggentrost“ 1842. „Das Loggbuch“ 1844. 3 Bde. „Michael de Ruiter“ 1846. 4 Bde. „Berlin und Westafrika“ 1846. 6 Bde. (Behandelt den Versuch des großen Kurfürsten brandenburgische Colonien in Afrika zu gründen.) „Der Glücksschiffer“ 1848. „Seegeschichten“ 1855. 2 Bde. „Grünes Land und blaue Wellen“ 1853. 2 Bde. „Seegeschichten und Marinebilder“ 1855. 2 Bde. „Zu Wasser und zu Land“ 1856. „Marinebilder“ 1859. „Meeresstille und hohe See“ 1861. „Onkel Heinrich“ 1861. „Saat und Frucht“ 1862. „Jan Blaufink“ 1864. 2 Bde. (vielleicht der beste). „Deutsche Schiffe und dänische Kaper“ 1864. „Ein Berliner Matrose“ 1866. 2 Bde. Auch gab er heraus: „Liederbuch für Preußens Marine zu Orlog und Kauffahrtei“ 1853. – Außerdem hat er auch mehrfach sich als dramatischer Dichter versucht und nicht ohne Glück. Er ist in der Regel glücklich in der Wahl des Stoffs, und seine Dramen sind meist gern gesehen. Wir nennen: „Juan Maiquez, Schauspiel“ 1843. „Kaufmann und Seefahrer, Schauspiel“ 1844. „Frau Schwiegermutter, Lustspiel“ 1850. „Bruder Kain, Schauspiel“ 1852. „Der Verstoßene, Schauspiel“ 1852. „Wo ist mein Lustspiel? Posse“ 1848. „Alles Maske, Schwank“ 1864. „Heiter und gefällig. Der letzte König, politisches Drama“ 1842. – Auch hat er eine ganze Reihe historischer Romane geschrieben: „Burggraf Friedrich von Hohenzollern“ 1831. „Der Dominikaner“ 1831. „Schleswig-Holstein. Romantische Skizzen und Sagen“ 1847. 3 Bde. „Der Kornzehnte. Erzählung aus der Dithmarsischen Geschichte“ 1849. 3 Bde. „Schleswig-Holsteins Freiheitskampf im 13. Jahrh.“ 1851. 3 Bde. „Aus Schwedens Vorzeit“ 1855. „Skandinaviens Fürsten und Völker“ 1858. 3 Bde. „Theodor Körner“ 1866. – Viel Beifall fand sein komischer Roman: „Herr Rentier Rosentipfel und seine beiden Neffen. Aus den goldenen Tagen des harmlosen Berlin“ 1859. Ein eigenthümlicher Versuch sind seine „Devrient-Novellen“, 2. Aufl. 1851, in denen Geist, Gefühl und Humor zu Tage treten. Ferner hat er eine ganze Reihe von Jugendschriften verfaßt, die Beachtung verdienen.

Altonaer Nachrichten 1867, Nr. 210. – Lübker-Schröder, S.-H. Schriftstellerlexicon II, 568. – Alberti II, 400. – R. Gottschall, Die deutsche Nationalliteratur III, 652. – K. Goedeke III, 383 u. 743. – Kurz, Gesch. d. deutsch. Lit. IV, 520. 692. – R. König, Deutsch. Lit.-Gesch. 780.