ADB:Riesenthal, Julius Adolf Oskar

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Artikel „Riesenthal, Julius Adolf Oskar“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 383–384, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Riesenthal,_Julius_Adolf_Oskar&oldid=- (Version vom 13. August 2020, 18:35 Uhr UTC)
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Riesenthal: Julius Adolf Oskar R., ein hervorragender Ornithologe, wurde am 18. September 1830 zu Breslau geboren. Nach dem frühen Tode seines Vaters siedelte seine Mutter mit ihm nach Oels über, wo er das Gymnasium besuchte. Nach Absolvirung desselben wurde er 1848 Forsteleve auf der Oberförsterei Poppelau, da er sich dem höheren Forstdienst zu widmen beabsichtigte. Nachdem er seiner Militärpflicht bei den Jägern in Breslau genügt hatte, besuchte er die Forstakademie in Neustadt-Eberswalde. Nach bestandenem Examen erhielt er die Stelle eines Revierförsters im Bechsteinwalde in der Tucheler Heide. Die polnische Bevölkerung machte ihm viel Schwierigkeit. Dazu kam, daß in den Jahren 1868–71 die Ernte total vernichtet wurde, so daß er in pekuniäre Verlegenheit gerieth, was um so empfindlicher war, weil er sich bereits verheirathet hatte. Das Verhältniß mit der Bevölkerung wurde immer schwieriger. Man stellte ihm überall nach und schoß sogar in sein Arbeitszimmer. Er schildert diese Zustände in den „Bildern aus der Tucheler Heide“, Trier 1871. Seine freie Zeit benutzte R. zu ornithologischen Studien und veröffentlichte schon damals ornithologische Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften. Da die Verhältnisse ganz unhaltbar wurden, so nahm er im November 1871 die Stelle eines Communal-Oberförsters in Altenkirchen (Westerwald) an. Hier begann er sein Hauptwerk über die Raubvögel Deutschlands. Da es ihm jedoch nicht möglich war, bei dem anstrengenden Dienst dieses Werk zu vollenden, so nahm er längeren [384] Urlaub und zog mit seiner Familie nach Neuwied a. Rh. Hier beendigte er das Werk, welches ihm für alle Zeit einen ehrenvollen Platz unter den Ornithologen sichert: „Die Raubvögel Deutschlands und des angrenzenden Mitteleuropas“, Castel 1876–1879. Der bei diesem Werke befindliche Atlas von 60 Tafeln enthält die Abbildungen sämmtlicher Raubvögel, die von ihm selbst gemalt sind. Bald darauf erschien noch ein interessantes Werk: „Aus Wald und Welt. Bilder aus meines Freundes Skizzenbuch“, 1879.

Nachdem R. eine Anstellung als königl. Oberförster im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten gefunden hatte, siedelte er nach Charlottenburg über. Auch in dieser Stellung setzte er seine litterarische Thätigkeit fort. Es erschien: „Das Waidwerk, Handbuch der Naturgeschichte, Jagd und Hege aller in Mitteleuropa jagdbaren Thiere“, Berlin 1880, und „Jagdlexikon“, Leipzig 1882. Besonders wichtig aber war sein Werk: „Die Kennzeichen der Raubvögel nebst kurzer Anleitung zur Jagd und zum Fange“, Berlin 1844. Bis kurz vor seinem Tode arbeitete er an dem jetzt im Erscheinen begriffenen Werke: Naumann’s „Vögel Europa’s“, dessen Abschnitt „Raubvögel“ er übernommen hatte. R. starb am 22. Januar 1898.

Nekrolog in: Das Waidwerk in Wort und Bild, Nr. 11, 1898.