ADB:Philicinus, Petrus

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Philicinus, Petrus“ von Hugo Holstein in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 742, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Philicinus,_Petrus&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2021, 17:22 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 25 (1887), S. 742 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Mai 2011, suchen)
GND-Nummer 119636131
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|742|742|Philicinus, Petrus|Hugo Holstein|ADB:Philicinus, Petrus}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119636131}}    

Philicinus: Petrus P., lat. Dramatiker. Geb. 1515 zu Arras, seit 1544 Lehrer zu Binche im Hennegau, wurde daselbst Dechant und starb 1568. Die Comoedia tragica von der „Magdalena evangelica“, die er bereits früher in jambischen Dimetern verfaßt hatte und die nachher von Levin Brecht in die Form einer Komödie gebracht war, erschien 1544 zu Antwerpen, nachdem er durch die Pest aus Binche vertrieben, zu Ham in der Picardie Muße gefunden hatte, sie umzuarbeiten. In fünf Acten schildert er im Charakter des Passionals das Erscheinen der Maria Magdalena mit Maria Salome und Maria Jacobi am Grabe Jesu, ihre Trauer um den Verlust des Herrn, ihre Freude über das Wiedersehen des geliebten Meisters, der ihr in der Gestalt eines Gärtners begegnet. Warme Empfindung, tiefsinniges Gefühl zeichnen den Charakter der Frauen, besonders der Magdalena, aus. Ihre Klagen sind so eindringend, daß sogar die Wächter des Grabes davon ergriffen und in Mitleidenschaft gezogen werden. Dem gegenüber erscheint die Kälte und die Hartherzigkeit, Furcht und Kleinmüthigkeit der Hohenpriester Kaiphas und Hanna sehr wirkungsvoll. Auch Petrus und Johannes sind mit liebevoller Theilnahme für das Schicksal ihres Herrn erfüllt. Christus selbst erscheint in der Glorie des Auferstandenen, mild und sanft, tröstend und stärkend. Am Schluß fügt Levin Brecht ein Jubellied der Magdalena, nachdem den Weinenden Christus am Grabe erschienen ist. P. schrieb ferner einen „Dialogus de immolatione Isaaci“ (Antw. 1544), sowie eine Tragödie von der Esther (Antw. 1564) und gab seines Freundes, des Abtes Ludw. Blosius (Abbas Laubiensis et Broniensis) Werke heraus. Die Quellen nennen ihn einen Mann von großer Heiligkeit des Lebens, gastlichem Sinn, Lauterkeit des Charakters, allen, hoch und niedrig, gleichmäßig theuer.

Andreä, Bibl. Belg. 756. – Foppens, Bibl. Belg. 1002. – Jöcher 3, 1516. – Rotermund 6, 65. – Goedeke 2, 137.