ADB:Oeynhausen, Ferdinand Ludwig Graf von

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Artikel „Oeynhausen, Ferdinand Ludwig Graf von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 28–30, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oeynhausen,_Ferdinand_Ludwig_Graf_von&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 11:18 Uhr UTC)
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Oeynhausen: Ferdinand Ludwig Graf O., häufig „Schulenburg-Oeynhausen“, oder auch nur „Schulenburg“ genannt, österreichischer General-Feldzeugmeister, wurde 1699 als der Sohn des hannoverschen Oberjägermeisters Graf O. geboren. Durch seinen mütterlichen Oheim, den Grafen Johann [29] Mathias von der Schulenburg, kam er ganz jung in venetianische Dienste; er nahm unter diesem 1716 an der Vertheidigung von Corfu gegen die Türken theil und wurde durch ihn dem Prinzen Eugen von Savoyen empfohlen, welcher O. ein Officierspatent im Infanterieregimente Graf Traun verschaffte; in diesem machte er den Feldzug des Jahres 1719 in Sicilien gegen die Spanier mit. Schulenburg sowol wie Traun liebten und schätzten O., einen gewandten und unterrichteten jungen Mann, sehr; ersterer gestattete ihm den Namen Schulenburg dem eigenen hinzuzufügen, ein Vorgang, über welchen amtlich nichts bekannt ist, und bedachte ihn in seinem Testamente mit einer jährlichen Rente von 3500 Gulden Conventionsmünze. Bei solchen Gönnern konnte rasche Beförderung nicht ausbleiben. Bereits 1733 commandirte O. als Oberst das Regiment Traun. Mit diesem zog er in den polnischen Erbfolgekrieg, welcher zum Theil auf italienischem Boden ausgefochten wurde. In der Schlacht bei Bitonto am 25. Mai 1734 wurde er gefangen genommen, muß aber sehr bald ausgewechselt worden sein, denn schon am 29. Juni desselben Jahres nahm er an der Schlacht bei Parma Theil, wurde 1735 Generalwachtmeister und erhielt ein eigenes Infanterieregiment. In dem unglücklichen Türkenkriege der Jahre 1737–39 focht er an der Spitze einer Brigade, wurde Feldmarschall-Lieutenant, ging dann nach Wien und verheirathete sich mit einer geborenen Gräfin Kottulinsky, Wittwe des Fürsten Josef Johann Adam von Liechtenstein, mißfiel dadurch den beiderseitigen Verwandten, namentlich seinem alten Gönner Schulenburg, und kehrte daher nach Italien zurück. Im österreichischen Erbfolgekriege machten es die Verhältnisse Maria Theresia sehr wünschenswerth, den König von Sardinien als Bundesgenossen zu gewinnen. Sie betraute O. mit dieser Aufgabe, indem sie ihn als ihren Repräsentanten nach Turin sandte. Er brachte den sogenannten Provisional-Tractat zu Stande, welchen er mit dem sardinischen Minister, dem Marquis d’Ormea, am 1. Februar 1742 unterzeichnete; derselbe stellte vorläufig die beiderseitigen militärischen Leistungen fest; Sardinien erklärte infolge dessen an Spanien den Krieg. In dem bald darauf eröffneten Feldzuge stand O., „zu dessen Tüchtigkeit man besonderes Vertrauen hatte“, zuerst unter Traun im Modenesischen, am 8. Februar 1743 befehligte er in dem siegreichen Treffen bei Campo Santo gegen den Marquis de Gages den rechten Flügel. Im Schlachtberichte wird sein Name mit Auszeichnung genannt. Als Traun dann nach Deutschland berufen ward, zog O. mit diesem über die Alpen, zuerst nach dem Elsaß gegen die Franzosen, im Herbst aber nach Böhmen gegen die Preußen. Diese traten jetzt den Rückzug an; hinter der Elbe machten sie Halt. O. erhielt den Auftrag, den Uebergang über dieselbe zu eröffnen; die sämmtlichen Grenadiere (17 Compagnien), 2000 Füsiliere und 800 Reiter wurden ihm unterstellt. Der erste Versuch, welchen er am 15. November bei Przelantsch machte, schlug fehl; am 19. aber gelang derselbe bei Teltschitz trotz Wedells, „des preußischen Leonidas, heldenmüthigen Widerstandes. Die Räumung Böhmens war die Folge. Im J. 1745 war er wieder in Italien und übernahm hier an des abberufenen Fürsten Lobkowitz Stelle vorläufig das Commando der österreichischen Truppen, welche, mit den sardinischen unter König Karl Emanuel III. vereint, gegen die Spanier, Franzosen und bald auch Genuesen im Felde standen. Seine Kriegführung war aber nicht glücklicher als die seines Vorgängers. O. und der König wurden Schritt für Schritt zurückgedrängt und auf den Besitz von Theilen Piemonts und der Lombardei beschränkt. Im September trennte sich O. vom Könige, um die letztere zu decken; der König hatte es ihm unter der Bedingung zugestanden, daß er wieder zu ihm stieße, sobald er seiner bedürfte. Diese Trennung war es, worauf ihre Gegner gewartet hatten. Sobald sie geschehen [30] war, griffen sie den König an und schlugen ihn am 27. September bei Bassignano, O. kam zu seinem Beistande zu spät. Mitte October übernahm Fürst Wenzel Liechtenstein das Commando. O. gelang es, sich in Wien zu rechtfertigen und im folgenden Jahre, 1746, erhielt er von neuem ein Commando in Italien. Es handelte sich darum, Genua wiederzugewinnen, von wo die Einwohner die Oesterreicher unter Botta vertrieben hatten. Vier Monate verstrichen unter den Vorbereitungen. Als O. endlich mit 24,000 Mann von Novi aufbrach, hätte ein Handstreich ihn möglicherweise noch in den Besitz setzen können, aber eine solche Kriegführung lag nicht im Geiste der Zeit. O. schritt zu einer Belagerung, zu[WS 1] welcher ihm die Mittel fehlten, zumal da die englische Flotte die Verbindung mit der Stadt von der Seeseite nicht genügend absperrte. Daß O. auf dem Marsche dahin einen gefährlichen Sturz mit dem Pferde that, beeinträchtigte außerdem seine Wirksamkeit. Die Genuesen, durch des Herzogs von Boufflers Mitte Mai erfolgte Ankunft noch mehr ermuthigt, lehnten alle Anträge auf Unterwerfung, zu welcher man österreichischerseits gern die Hand geboten hätte, ab. O. mußte, wohl oder übel, zur Belagerung schreiten. Am 21. Juni war er endlich dabei, Ernst zu machen, als die Nachricht kam, daß die Franzosen, nachdem die Friedensunterhandlungen in Breda fehlgeschlagen waren, durch die Riviera, wo die Sarden standen, vordrängen. O. brach nun eilfertig die Belagerung ab. Ein Kriegsrath, den er überhaupt gern berief, hatte zugestimmt. Die Einwendungen des Königs veranlaßten ihn freilich gleich darauf, den voreiligen Schritt theilweise rückgängig zu machen; als dieser dann aber seine Truppen abberief, führte er ihn ganz aus. In der Nacht zum 19. Juli zog er nach Novi ab. Wiederum ward er nach dem Mißlingen dieses Unternehmens abberufen und wiederum ging er nach Wien, um sich zu rechtfertigen. Er ward nun aber nicht mehr im Felde verwendet, zog sich nach Graz zurück und starb am 16. Februar 1754 zu Wien infolge jenes Sturzes mit dem Pferde. Ein Jahr vor seinem Tode war er zur römisch-katholischen Kirche übergetreten.

Leben des Grafen J. M. von der Schulenburg, Leipzig 1834. – Graf Thürheim, Feldmarschall Graf Abensberg-Traun, Wien 1877. – v. Arneth, Maria Theresia’s erste Regierungsjahre, II. III, Wien 1864, 1865.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zn