ADB:Nellessen, Leonhard Aloys Joseph

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Artikel „Nellessen, Leonhard Aloys Joseph“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 423–424, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nellessen,_Leonhard_Aloys_Joseph&oldid=- (Version vom 7. August 2020, 12:53 Uhr UTC)
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Nellessen: Leonhard Aloys Joseph N., katholischer Geistlicher, geb. am 1. Januar 1783 zu Aachen, † daselbst am 18. Mai 1859. Er stammte aus einer wohlhabenden Aachener Familie, entschloß sich früh, sich dem geistlichen Stande zu widmen, studierte Humaniora bei den Exjesuiten, Philosophie und Theologie bei den Franciscanern in seiner Vaterstadt und suchte die Mängel dieses Unterrichts durch Privatstudium zu ersetzen; bei einem Rabbiner lernte er Hebräisch. Im Herbst 1808 wurde er von dem Bischof Berdolet von Aachen [424] zum Priester geweiht, nahm aber zunächst, theils wegen Kränklichkeit, theils weil er den nach dem Tode Berdolet’s (1809) von Napoleon zum Bischof und Capitularvicar ernannten Le Camus nicht anerkennen wollte, keine Anstellung an. Fast zehn Jahre ertheilte er in seinem elterlichen Hause jungen Leuten. die sich dem geistlichen Stande widmen wollten Unterricht, und half gleichzeitig in seiner Pfarrei in der Seelsorge aus. Im J. 1817 wurde er von dem Generalvicar Fonck zum Pfarrer von St. Nicolaus ernannt. In dieser Stellung blieb er bis zu seinem Tode. Die letzten zwölf Jahre war er erblindet. Bei Gelegenheit seines Priesterjubiläums am 3. October 1858 wurde er von der theologischen Facultät zu Löwen honoris causa zum Doctor ernannt. Im J. 1848 wirkte er für die Gründung eines Hauses der Frauen vom guten Hirten, später für die Errichtung eines Collegiums der Jesuiten in Aachen, die anfangs in seinem Hause wohnten und denen er einen Theil seines nicht unbedeutenden Vermögens hinterließ. – N. war ein persönlich hochachtbarer Geistlicher der strengsten ultramontanen Richtung und bekundete sich als solchen auch in seinen Predigten (wegen mehrerer derselben wurde er verklagt) und Schriften. Gedruckt sind von ihm Predigten, u. a. Trauerreden auf Pius VII. und VIII., und kleine Streitschriften, u. a. „Was ist Katholicismus? veranlaßt durch den ungenannten katholischen Geistlichen in seiner Rechtfertigung der gemischen Ehen“ (Multer, s. A. D. B. XXII, 711), 1822; die „Monita secreta Societatis Jesu ein Lügenmachwerk“, 1825. Im J. 1844 entspann sich zwischen N. und einem anderen Aachener Pfarrer, Dr. G. Kloth, einerseits und dem Prof. Elvenich in Breslau und dem Advocatanwalt (dem späteren Oberbürgermeister) H. J. Stupp zu Köln anderseits in der Aachener und der Kölnischen Zeitung ein Federkrieg über den Hermesianismus, in welchem N. namentlich die Infallibilität des Papstes eifrig vertheidigte. Die Artikel sind abgedruckt in der Schrift von Stupp „Anti-Nellessen, oder fünfzehn Artikel gegen und für die letzten Hermesianer“, 1845. Ein Ausfall gegen die Hermesianer in Nellessen’s „Trauerrede auf den Erzbischof von Droste-Vischering“, 1845, gab Stupp dann noch Anlaß zu dem „Sendschreiben an den Pfarrer N.“, 1846.

Felder-Waitzenegger, Lexikon III, 339. – Fr. Neu, Zur Geschichte des Franziskanerklosters, der Kirche und Pfarre zum h. Nikolaus in Aachen, 1881, S. 80–87.