ADB:Meyer, Julius

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Artikel „Meyer, Julius“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 339–340, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meyer,_Julius&oldid=- (Version vom 8. April 2020, 21:57 Uhr UTC)
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Meyer: Julius M., Kunsthistoriker, wurde am 26. Mai 1830 zu Aachen als Sohn eines ehemaligen hannoverschen Officiers, der sich in das Privatleben zurückgezogen hatte, geboren. Nachdem er das Gymnasium in Mannheim durchgemacht hatte, bezog er die Universität Göttingen, um an ihr die Rechte zu studiren. Im J. 1850 unterbrach er sein Studium, um sich nach Paris zu begeben, wo er sich im Hause eines dort als Bankier angesessenen Onkels ein Jahr lang aufhielt. Als er im J. 1851 nach Deutschland zurückkehrte, wandte er sich nach Heidelberg und beschäftigte sich nunmehr mit philosophischen und ästhetischen Studien, als deren Frucht seine Dissertation, welche „Die Geschichte der deutschen Aesthetik seit Kant“ behandelte, anzusehen ist (1852). Von Heidelberg aus trat er auch mit David Friedrich Strauß in Tübingen in Beziehungen. Im J. 1865 legte er Rechenschaft über sein Verhältniß zu dem vielfach angefeindeten Mann ab, indem er eine kleine Schrift herausgab, die den Titel führte „Das Leben Jesu für das deutsche Volk, bearbeitet von D. Fr. Strauß, und die Stellung der Gegenwart zum Christenthum“ (Leipzig 1865). Nach seiner Verheirathung siedelte er nach München über, wohin ihn die Kunstsammlungen und der Wunsch, mit den dortigen Künstlern und Gelehrten zu verkehren, zogen. Mehr und mehr gewann die Beschäftigung mit der Kunst und ihrer Geschichte die Oberhand in seinen Neigungen. Er machte häufige Reisen und nahm wiederholt längeren Aufenthalt in Paris. Auch fing er an, seine Ansichten über die damals in dem Vordergrund des Interesses stehenden Kunstfragen schriftlich zu vertreten. In den Jahren 1861 bis 1865 erschienen unter einem Pseudonym in den [340] „Grenzboten“ eine Reihe ungewöhnliches Aufsehen erregender Aufsätze, die Meyer’s litterarischen Ruf begründeten. Sie sind in verkürzter Form nach seinem Tode von Conrad Fiedler unter dem Titel: „Zur Geschichte der modernen deutschen Kunst“ neu herausgegeben worden (Leipzig 1895). Als seit dem Jahre 1866 in Leipzig die von Lützow begründete „Zeitschrift für bildende Kunst“ erschien, wurde M. Mitarbeiter an derselben. Im gleichen Jahre veröffentlichte er den ersten Band seiner für die damalige Zeit höchst anerkennenswerthen „Geschichte der modernen französischen Malerei seit 1789 zugleich in ihrem Verhältniß zum politischen Leben, zur Gesittung und Litteratur“, deren zweiten Band er im J. 1867 zum Abschluß brachte. Doch genügte M. die Beschäftigung mit der neueren Kunst keineswegs. Er vertiefte sich auch in das Studium der älteren italienischen Malerei. Sein Lieblingskünstler war Correggio, dessen Leben und Wirken er im J. 1871 in einer von der Kritik allgemein anerkannten Monographie behandelte. Auch plante er damals eine vollständige Neubearbeitung des Nagler’schen Künstlerlexikons, an der sich eine große Anzahl namhafter Schriftsteller des In- und Auslandes betheiligen sollten. Indessen kam das gut angelegte Unternehmen aus verschiedenen Gründen nicht über die ersten zwei Bände hinaus (1872 u. 1885). Der Hauptgrund war jedenfalls der, daß sich M. durch den Grafen Usedom hatte bestimmen lassen, bei der Neuorganisation der Berliner Museen als Nachfolger Waagen’s die Leitung der Berliner Gemäldegalerie zu übernehmen, der er fast achtzehn Jahre lang seine besten Kräfte gewidmet hat. Es gelang ihm, den Bestand der Galerie bedeutend zu vermehren und auch die Einrichtungen des Schinkel’schen Baues durch Einführung des Oberlichtes und durch verschiedene Umbauten wesentlich zu verbessern. Gleich im Anfange seiner Verwaltung wußte er den Ankauf der Suermondt’schen Sammlung durchzusetzen. Auch bei den späteren Einzelerwerbungen, z. B. bei der des Dürer’schen Holzschuher-Porträts, bewies er eine überaus glückliche Hand. Die Berliner Galerie wurde durch ihn auf ein ganz anderes künstlerisches Niveau gebracht als früher. Dazu diente auch die Bearbeitung und Herausgabe eines kritischen Verzeichnisses, an dessen Herstellung Bode, Scheibler und Tschudi mitwirkten. Sein letztes Ziel, für das er von Anfang seiner Amtsführung eingetreten war, die Ausstellung der Sammlung in einem Neubau, sollte er jedoch nicht mehr verwirklicht sehen. Ein schweres, nervöses Leiden nöthigte ihn, am 1. October 1890 seine Thätigkeit aufzugeben. Er zog sich nach München zurück, behielt aber dort noch die Leitung des „Berliner Galeriewerks“, das er ins Leben gerufen hatte, bei. Er starb in München am 16. December 1893.

Repertorium für Kunstwissenschaft, XVII. Band. Berlin und Stuttgart 1891, S. 87–89. – Jahrbuch der kgl. preußischen Kunstsammlungen, XV. Bd. Berlin 1894, S. 61–64.