ADB:Kyeser, Conrad

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kyeser, Conrad“ von Franz Maria Feldhaus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 768–769, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kyeser,_Conrad&oldid=- (Version vom 23. Januar 2021, 21:58 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Krèn, Adele
Band 52 (1906), S. 768–769 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Konrad Kyeser in der Wikipedia
GND-Nummer 119310872
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|52|768|769|Kyeser, Conrad|Franz Maria Feldhaus|ADB:Kyeser, Conrad}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119310872}}    

Kyeser *): Konrad K. von Eichstädt wurde nach seiner eigenen Aufzeichnung am 25. August 1366 aus einem fränkischen Adelsgeschlecht in Eichstädt geboren. Nachdem er in vieler Herren Kriegsdiensten gestanden, schrieb er seine Erfahrungen im Ingenieurfach – „encignerii“ kommen seit 1196 [769] vor – in einem umfangreichen Werk nieder, dem er den Titel „Bellifortis“ gab. Es sollte den Besitzer „kampfstark“ machen. Wann er starb, wissen wir nicht, 1405 lebte er noch als Verbannter in den Wäldern Böhmens.

Der „Bellifortis“ eröffnet die Reihe der illuminirten Encyklopädien der Kriegswissenschaften, die der militärischen Litteratur des ausgehenden Mittelalters einen so eigenartigen Charakter verleihen. Der Verfasser muß ein umfangreiches Wissen besessen haben, denn neben dem Artilleriewesen werden auch andere Künste behandelt, z. B. Taucherapparate, Feuerdrachen, Sprengminen, Fahrstühle, die Seilschifffahrt u. s. w. Am Ende des Bandes gibt K. sein eignes Brustbild in ganzseitiger Malerei, das älteste männliche Porträtgemälde das wir kennen.

Das Originalmanuscript besitzt Göttingen (cod. phil. 63), es besteht aus 140 Pergamentblättern mit mehreren hundert Malereien. Darunter sind die Darstellungen der Planetengötter in Turnierkostüm von besonderer Pracht. Datirt ist der Codex von 1405 mit der Widmung für König Rupprecht von der Pfalz.

In den Werken von Alwin Schultz und von Moritz Heyne sind einzelne Bilder des Bellifortis zu finden. Jähns (Geschichte der Kriegswissenschaften S. 249–256) und v. Romocki (Geschichte der Explosivstoffe I, Berlin 1895) haben bisher am meisten über das Werk veröffentlicht. Eine Faksimilewiedergabe mit übersetztem und erläutertem Text steht von mir zu erwarten.


[768] *) Zu Bd. LI, S. 461.