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ADB:Jacquin, Nikolaus Joseph Freiherr von

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Jacquin, Nikolaus Joseph Freiherr von“ von Heinrich Wilhelm Reichardt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 631–632, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Jacquin,_Nikolaus_Joseph_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 13. Dezember 2019, 16:32 Uhr UTC)
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Jacquin: Nikolaus Joseph Freiherr v. J., Botaniker, geb. den 16. Febr. 1727 zu Leyden, † den 26. Oct. 1817 zu Wien. J. stammte aus einer französischen Familie, welche im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts nach Holland übersiedelte. Sein Vater war anfangs wohlhabend und besaß zu Leyden eine bedeutende Tuch- und Sammtfabrik, verlor aber durch ungünstige Handelsverhältnisse den größten Theil seines Vermögens. Trotzdem erhielt J. eine sorgfältige Erziehung, absolvirte das Gymnasium in seiner Vaterstadt und studirte an den Universitäten von Leyden, Löwen und Paris Medicin. Theodor Gronovius, ein Schüler Linné’s, weckte Jacquin’s Interesse für Botanik und derselbe beschloß, sich dieser Wissenschaft zu widmen. In Paris hörte J. die Vorlesungen Anton Jussieu’s, ohne daß dieselben einen besonderen Einfluß auf die Richtung seiner botanischen Studien gehabt hätten. Der Aufforderung Gerhard van Swieten’s, eines Freundes seiner Eltern, folgend, kam J. 1752 nach Wien, um daselbst seine Studien zu vollenden. In dem von Kaiser Franz I. neu angelegten holländischen Garten zu Schönbrunn bestimmte J. die vorhandenen Pflanzen nach Linné’s Werken. Bei dieser Gelegenheit lernte ihn der Kaiser als einen jungen strebsamen Botaniker kennen, und übertrug ihm die Leitung einer wissenschaftlichen Expedition, welche nach Westindien entsendet wurde, um den kaiserl. Hofpflanzengarten und die Menagerie von Schönbrunn, ferner die Sammlungen des Hofnaturaliencabinets in Wien zu bereichern. Im Januar 1755 schiffte sich J. zu Livorno ein, besuchte die westindischen Inseln, sowie die benachbarte Küste von Carthagena und kehrte 1759 mit einer sehr reichen Ausbeute nach Wien zurück. Er beschrieb die auf dieser Reise beobachteten Pflanzen namentlich in dem berühmten Werke: „Selectarum stirpium americanarum historia“ (1763). Auch gab er 1762 die „Enumeratio stirpium agri Vindobonensis“ heraus. 1763 wurde J. zum Bergrathe und Professor der Chemie in Schemnitz ernannt, wo er fünf Jahre lang blieb. 1768 wurde J. nach Wien berufen, um an der Universität die Professuren der Botanik und Chemie, sowie die Direction des kurz vorher angelegten botanischen Gartens der Universität zu übernehmen; auch die Oberaufsicht über den Hofpflanzengarten in Schönbrunn wurde ihm übertragen. In dieser Stellung entfaltete sich Jacquin’s [632] wissenschaftliche Thätigkeit auf eine wahrhaft glänzende Weise, so daß sich sein Ruhm bald über ganz Europa verbreitete. Er stand mit den berühmtesten Botanikern seiner Zeit, namentlich aber mit Linné in regem Verkehr. Bis zum J. 1811 veröffentlichte J. folgende Werke: „Observationes botanicae“, „Flora austriaca“, „Hortus botanicus Vindobonensis“, „Miscellanea austriaca“, „Icones plantarum rariorum“, „Hortus botanicus Schönbrunnensis“, „Collectanea“, die Monographien der Gattungen Oxalis und Stapelia u. m. a. Jacquin’s Publicationen füllen mehr als 30 Bände in Folio oder Quart und sind mit tausenden von schönen Tafeln geschmückt. Durch seine Schriften brach er dem Studium der Botanik auf Grundlage des Linné’schen Systemes in Oesterreich Bahn, so daß man ihn mit Recht den Linné dieses Kaiserstaates nennen kann. 1797 trat J. die Professur an seinen Sohn ab, und verlebte den Rest seines Lebens im Ruhestande. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er 1774 geadelt, 1806 mit dem Stephansorden geschmückt und in den Freiherrnstand erhoben.

Raimann, Rede zur Gedächtnißfeier Nikolaus Jos. Frhrn. v. Jacquin’s. – Oesterr. Nationalencyklopädie von Gräffer und Czikann, III. S. 5. – Neilreich, Geschichte d. Botan. in Niederösterr. in Verhandl. d. zool.-botan. Verein. V (1855), S. 30. – Wurzbach, Lexikon, X. S. 26 (wo sich eine Uebersicht über die übrigen biographischen Quellen findet).