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Artikel „Heger, Ignaz Jacob“ von Emil Bauer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 275–276, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heger,_Ignaz_Jacob&oldid=- (Version vom 17. November 2019, 10:59 Uhr UTC)
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Heger: Ignaz Jacob H., der „Apostel der Stenographie in Oesterreich“ und erster Uebertrager des Gabelsberger’schen Stenographiesystems auf die slavischen Sprachen, wurde am 5. Juli 1808 zu Poličzka bei Leitomischl in Böhmen als Sohn armer Bürgersleute geboren. Durch Freunde der Familie wurde ihm nach Absolvirung des Gymnasiums der Besuch der Universität ermöglicht. Er studirte zuerst in Olmütz, dann in Wien die Rechte und wurde 1838 in letzterer Stadt als Rechtspraktikant angestellt. Als fleißiger Arbeiter frühzeitig auf die Stenographie gelenkt, schuf sich H. ein eigenes Schnellschriftsystem unter Anlehnung an die verschiedenen Bearbeiter der englisch-französischen Methode von Taylor-Bertin und an Nowak. Ohne von seiner Arbeit besonders befriedigt zu sein, war er doch so von der Wichtigkeit der Stenographie für das öffentliche Leben durchdrungen, daß er den Gedanken faßte und durchführte, die juristische Laufbahn aufzugeben und sich ausschließlich der liebgewordenen Kunst zu widmen. Im Jahre [276] 1838 erhielt er die staatliche Genehmigung, in Wien öffentlichen Unterricht zu ertheilen. Er hatte kaum mit seinen Lectionen begonnen, als ihm das kürzlich veröffentlichte Werk Gabelsberger’s (s. d.) in die Hände kam. Von dem Werthe der neuen Schrift nach eingehender Prüfung überzeugt, gab er sein System auf, trat mit Gabelsberger in Verbindung und unterrichtete nun nach dessen Methode. Nachdem er im J. 1841 in Brünn auf einer Versammlung von Land- und Forstwirthen die erste Probe seiner praktischen Fertigkeit abgelegt, widmete er sich neben ferneren praktischen Arbeiten mit solchem Eifer der Ausbreitung der Gabelsberger’schen Schrift, daß er 1842 zum außerordentlichen Professor der Stenographie an der Wiener polytechnischen Akademie ernannt und im folgenden Jahre auch zu Vorlesungen an der Universität ermächtigt wurde. Schon 1841 war ihm die Einrichtung einer stenographischen Lehranstalt für Wien übertragen worden. In jene Zeit fällt auch Heger’s litterarische Thätigkeit. Sein Werk: „Bemerkenswerthes über die Stenographie oder Geschwindschrift“, sollte das Publikum für die neue Schrift empfänglich machen. Es folgten 1845 das „System der böhmischen Stenographie“ und 1849 die „Kurze Anleitung zur Steno-Tachygraphie für die 4 slavischen Hauptsprachen“ (böhmisch, illyrisch, russisch, polnisch). Die Vollendung eines umgearbeiteten ausführlichen Lehrganges der böhmischen Stenographie sollte der Verfasser nicht erleben; er starb mitten in der Arbeit zu Wien am 11. Mai 1854. – Die Gabelsberger’sche Schule der Stenographie hat alle Ursache, dem unermüdlichen Manne dankbar zu sein, der es zu seiner Lebensaufgabe machte, die Redezeichenkunst in Oesterreich zur Geltung zu bringen. Sie mag ihn auch als einen der Ersten feiern, die es unternahmen, die Gabelsberger’sche Schrift auf eine fremde Sprache zu übertragen. Jene oben erwähnten Arbeiten haben freilich nur einen geringen Werth, da H. sich zu streng an den Aufbau des Originals gehalten und die Lautverhältnisse des fremden Idioms zu wenig berücksichtigt hatte. Der „Erste Prager Stenographen-Verein“ gab Anfang der sechziger Jahre mit Benutzung der Heger’schen Vorarbeiten ein Lehrbuch der böhmischen Stenographie (Těsnopis český) heraus, welches seitdem dem Unterrichte in Böhmen zu Grunde gelegt wird. – Böhmische und deutsche Stenographen haben im J. 1876 dem verstorbenen Lehrer den Zoll der Dankbarkeit entrichtet. Am 14. Mai des genannten Jahres wurde unter entsprechenden Feierlichkeiten am Geburtshause Heger’s zu Poličzka eine Gedenktafel angebracht und die zu dem Hause führende Straße nach ihm benannt.

Fischer, Journ. für Stenographie 1854. Oesterreichische Blätter für Stenographie 1876. Engelhard, Gabelsberger und Heger (Tiroler Stenogr. Kalender 1876).