ADB:Eigner, Gebhard Friedrich

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Eigner, Gebhard Friedrich“ von Ferdinand Spehr in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 750–751, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eigner,_Gebhard_Friedrich&oldid=- (Version vom 8. August 2020, 10:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Eigil
Nächster>>>
Eike von Repkow
Band 5 (1877), S. 750–751 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gebhard Friedrich Eigner in der Wikipedia
GND-Nummer 116418850
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|5|750|751|Eigner, Gebhard Friedrich|Ferdinand Spehr|ADB:Eigner, Gebhard Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116418850}}    

Eigner: Gebhard Friedrich E., bekannt als Erzieher der Prinzen Karl und Wilhelm von Braunschweig, ist geboren 21. Octbr. 1776 zu Vorsfelde im Herzogthum Braunschweig, studirte auf dem Collegium Carolinum in Braunschweig, dann auf der Universität Helmstädt Philologie, wurde Erzieher des jungen Grafen v. Veltheim und im September 1801 Subconrector an der großen Schule zu Wolfenbüttel, im October 1803 Informator am Pageninstitute zu Braunschweig. Bei Errichtung des Königreichs Westfalen führte er die Pagen nach Paris zum Dienste des Königs Jérôme, war während der westfälischen Zeit Professor der Mathematik am Pageninstitute zu Cassel, trat nach Auflösung der Fremdherrschaft zunächst als Hauptmann in das zweite braunschweigische Reserve-Bataillon ein und wurde nach dem ersten Pariser Frieden im Juli 1814 als Lehrer der Mathematik am Katharinen-Gymnasium und am Collegium Carolinum angestellt, zu Anfang des J. 1815 aber vom Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig, der seinen beiden, von England nach Braunschweig zurückgekehrten Söhnen neben einer wissenschaftlichen zugleich eine militärische Ausbildung zu Theil werden lassen wollte, zum Erzieher derselben ernannt, indem er diese beiden Ziele durch E. am leichtesten in einer Person erreichen zu können glaubte. Diese Stellung war für E. verhängnißvoll. Pedantisch, steif, wenig geschmeidig und zum Erzieher eines künftigen Landesfürsten nicht geeignet, verstand er es nicht [751] in seinen Zöglingen die einem Regenten so nöthigen erforderlichen Eigenschaften zu wecken und auszubilden. Wenn der Haß und die Verfolgungssucht des Herzogs Karl später vorzugsweise seinen früheren Erzieher traf und der Herzog denselben beschuldigte, daß er ein fügsames, willenloses und bereites Werkzeug des Königs Georg IV. von England gewesen, der darauf ausgegangen sei, den Herzog durch mangelhafte verkehrte Erziehung regierungsunfähig zu machen, so ist das eine durch nichts begründete Behauptung. E. war ein durchaus rechtlicher, gewissenhafter, sein wichtiges Amt nach bestem Willen, aber in verkehrter Weise ausführender Erzieher. Seine Wahl war eine verfehlte, aber nicht in der Absicht geschehen, die Prinzen systematisch zu verderben. Nach Beendigung der Erziehung wurde E., welcher im J. 1818 zum Hofrath ernannt war, im October 1828 zum Director des herzoglichen Museums und zum Mitdirector des Collegium Carolinum in Braunschweig, im Mai 1827 aber zum Oberbibliothekar in Wolfenbüttel ernannt. Nach der Vertreibung des Herzogs Karl rief Herzog Wilhelm ihn im November 1830 nach Braunschweig zurück, wo er in seine frühere Stellung wieder eintrat und vom Herzoge Wilhelm in jeder Weise geehrt ward (er erhielt den Charakter geheimer Hofrath). Er starb am 5. April 1866 unverheirathet, fast 90 Jahre alt. Auch in seinen letzten Aemtern hat E. wenig genützt. Die Bibliothek zu Wolfenbüttel betrat er nur, wenn amtliche Verpflichtungen ihn dazu veranlaßten, die bedeutenderen Schätze des herzoglichen Museums in Braunschweig hütete er dem Publicum gegenüber mit größter Engherzigkeit und machte sie Kennern und Kunstliebhabern schwer zugänglich, ohne daß er dadurch verhinderte, daß gerade während seiner Verwaltung die Sammlungen, namentlich die bedeutende Kupferstich- und Münzen-Sammlung, durch erst nach seinem Tode entdeckte Veruntreuungen nicht zu ersetzende, auf hunderttausende von Thalern geschätzte Verluste erlitten haben.