ADB:Dormus von Kilianshausen, Josef Freiherr

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Artikel „Dormus von Kilianshausen, Joseph Freiherr“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 34–35, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dormus_von_Kilianshausen,_Josef_Freiherr&oldid=- (Version vom 19. April 2024, 10:19 Uhr UTC)
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Dormus: Joseph Freiherr D. von Kilianshausen, k. k. Feldzeugmeister, geboren im J. 1811 zu Drohobycz in Galizien, trat am 20. November 1826 als Cadett in das 27. Infanterieregiment, wurde am 1. April 1831 Fähnrich, am 17. Juni 1833 Unterlieutenant, am 1. Januar 1841 Oberlieutenant und am 11. April 1848 Capitänlieutenant. Als solcher nahm er Theil an der Beschießung der Barrikaden und an den Straßenkämpfen des 1. und 2. November in Lemberg, wurde, am 1. März 1849 zum Hauptmann befördert, dem Generalcommando in Lemberg und am 14. November desselben Jahres als Flügeladjutant dem IV. Armeecommando zugetheilt. Nachdem D. am 26. December 1849 zum Major befördert worden war, wurde er ein Jahr darauf zum Corpsadjutanten beim XIV. Armeecorps ernannt, am 3. Mai 1854 zum Oberstlieutenant befördert und am 14. Februar 1856 in das Adjutantencorps eingereiht, in welcher Verwendung er noch ein Jahr verblieb. Am 28. Februar 1857 zum Obersten vorgerückt, erhielt er das Commando des 31. Infanterieregiments, an dessen Spitze er den Krieg gegen Frankreich und Piemont mitmachte. Schon in dem Gefechte bei Montebello, 20. Mai, zeichnete sich D. aus, ganz hervorragendes aber leistete er in der Schlacht bei Magenta, 4. Juni. Um ½ Uhr Nachmittags erhielt er den Befehl mit einer Brigade nach Abbiategrasso vorzurücken und nördlich des Ortes Stellung zu nehmen. Auf dem Marsche dahin vernahm er Kanonendonner und bog deshalb in der Richtung desselben auf Robecco ein. Nach Ueberwindung von Schwierigkeiten aller Art gelangte D. über Robecco hinaus und ließ seine Truppen aufmarschieren. Noch während des Aufmarsches vernahm er sowol in seiner rechten, als in seiner linken Flanke Kanonendonner; es trat damit für ihn die Entscheidung heran, ob er sich nach rechts oder nach links halten solle. Das heftigere Geschützfeuer war in seiner linken Flanke und näherte sich immer mehr an Peralza. Das weitere Vordringen der Gegner auf diesem Punkte mußte nicht nur den Verlust von Robecco und der gesammten dort arg verfahrenen Geschütz- und Munitionsreserve, sondern auch den Durchbruch der eigenen Schlachtlinie zwischen dem linken Flügel und dem Centrum oder in letzterem selbst nach sich ziehen. Von diesen Erwägungen geleitet entschloß sich D., die größere Gefahr aufzusuchen und mit aller Energie gegen Ponte Vecchio di Magenta vorzustoßen. In der Höhe von Peralza angelangt, wurde seine Brigade von heftigem Geschützfeuer der Franzosen empfangen; aber ohne lange zu überlegen warf D. sich auf die feindliche Batterie, die jedoch den Anlauf nicht mehr abwartete, sondern davonfuhr. Trotz des energischen Feuers dieser Batterie, die sich weiter rückwärts von neuem placirt hatte, setzte D. seine Offensive fort und vertrieb die Batterie abermals. Dieses resolute und rasche Vorgehen Dormus’ machte der Brigade Ramming bei Peralza alsbald Luft. Nicht zufrieden mit diesem Erfolg setzte D. seine Offensive mit ununterbrochener Bedrohung der linken Flanke und der Rückzugslinie des Feindes fort. Vor Cà Limido, woselbst die Franzosen eine feste Stellung genommen, gelangte D. in feindliches Kreuzfeuer; dessenungeachtet stürmte er abermals vor und so ungestüm geschah dies, daß der Gegner nach Abgabe von zwei Dechargen die Stellung in fluchtartiger Eile räumte. D. besetzte Cà Limido sofort mit einer Division, ordnete dann seine Abtheilungen und sendete – es war mittlerweile ½9 Uhr Abends geworden – Patrouillen nach rechts und links, um die Verbindung mit den übrigen kaiserlichen Truppen herzustellen. Trotz der hereingebrochenen Nacht versuchten die Franzosen noch zwei Mal die verlorene Position wieder zu erobern; sie wurden jedoch beide Male mit harten Verlusten zurückgeworfen. Durch die selbständige Gefechtsleitung und die hervorragende Entschlossenheit Dormus’ wurde nicht nur die hart bedrängte [35] Brigade Ramming degagirt, sondern auch das Festhalten des höchst-wichtigen Punktes Robecco erleichtert, überdies von den in diesem Orte verfahrenen und angehäuften Geschütz- und Munitionsreserven die sonst unvermeidliche Katastrophe ferngehalten, überdies aber dem Vordringen des siegreichen Gegners auf dem Schlachtfelde selbst Halt geboten. Nachdem D. bereits am 27. Juni 1859 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone ausgezeichnet worden war, wurde ihm am 17. October desselben Jahres das Ritterkreuz des Maria Theresienordens und am 2. Januar 1860 die Freiherrnwürde verliehen. Am 27. December 1859 erhielt D. das Commando des neuerrichteten Infanterieregiments Nr. 73, am 14. Juni 1863 wurde er Generalmajor und Brigadier. Als solcher machte er den Krieg gegen Dänemark mit, ohne jedoch in das Feuer zu kommen. Am 26. Juli 1864 trat D. in Disponibilität, ein Jahr darauf wurde er wieder mit dem Commando einer Brigade in Lemberg betraut und am 3. Januar 1869 wurde er Commandant der 12. Infanterietruppendivision und Militärcommandant in Krakau. Am 1. September 1869 trat D. in den Ruhestand, doch wurde er ein Jahr darauf wieder in den Activstand übersetzt und dem Generalcommando in Lemberg zugetheilt, auf welchem Dienstposten er am 29. Januar 1871 zum Feldmarschalllieutenant vorrückte. Bei seiner am 1. April 1879 erfolgten Uebernahme in den Pensionsstand wurde D. der Titel eines Feldzeugmeisters und die Geheimrathswürde verliehen. D. starb am 17. Juni 1890.

Acten des k. u. k. Kriegs-Archivs. – Lukeš, Militär. Maria Theresien-Orden. Wien 1890.