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Artikel „Berger, Johann Erich von“ von Henning Ratjen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 376–377, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Berger,_Johann_Erich_von&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 22:56 Uhr UTC)
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Band 2 (1875), S. 376–377 (Quelle).
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Berger: Johann Erich von B., Professor der Philosophie in Kiel, geb. zu Faaborg auf Fühnen 1. September 1772, † in Kiel 22. Febr. 1833. Der Vater war vom hannöverschen in den dänischen Militärdienst getreten. J. Er. [377] v. B. studirte in Kopenhagen die Rechtswissenschaft. Nach bestandener juristischer Prüfung machte er 1791 eine Reise nach Hamburg, lernte die mütterlichen Verwandten, die Mutter war eine geborene von Schilden, kennen, und studirte dann in Göttingen, Kiel, Jena und wieder in Kiel Geschichte, Staatswissenschaft, Naturwissenschaft, Mathematik und Philosophie. In Jena war B. Mitglied der litterarischen Gesellschaft der freien Männer. Einen Theil der Jahre 1796 und 1797 lebte er mit dem Brandenburger Hülsen und dem Bremenser Smidt in der Schweiz, 1799 verlobte er sich mit der Comtesse Anna von Holk in Bordesholm in Holstein, 1800 zum Vater nach Kopenhagen zurückgekehrt, trat er als Auscultant in die Rentekammer, führte aber dann bald den in der Schweiz gefaßten Plan, ein stilles Landleben zu führen, aus; er kaufte das Gut Seekamp nahe bei Kiel; in der Nähe lebten auch die Freunde Hülsen und Tilemann Müller aus Franken in ländlicher Zurückgezogenheit. Während der Studien- und Reisejahre schrieb B. 1794 eine Abhandlung über das Gesindewesen besonders in sittlicher Rücksicht; er drang auf Verbesserung des Schulunterrichts; durch die Schrift: „Die Angelegenheiten des Tages“, 1795, wollte er auf Verbesserung der kirchlichen und bürgerlichen Verfassung Dänemarks hinwirken; in demselben Jahre erschien in dänischer Sprache seine Schrift über eine verbesserte Nationalerziehung. Der Vater hatte den Sohn während dessen Studien und Wanderungen gebeten, sich einer bestimmten Thätigkeit zu widmen. In etwas milderer Weise erging auch jetzt an den jungen idealen Mann diese Mahnung: „Der Knabe hatte einen Vater, der Vater schnitt ihm Brod, der Mann sollte es wieder, aber noch schneidet er nur Federn und schreibt blos über das Alles“. Auf dem Gute Seekamp lebte B. in glücklicher, wenn auch kinderloser Ehe den Wissenschaften, er ließ 1808 die etwas poetisch gehaltene „Philosophische Darstellung der Harmonien des Weltalls“, Th. 1 drucken. Im Jahre 1814 ward er auf seinen Wunsch zum Professor der Astronomie und dann die Philosophie in Kiel ernannt. Hier gewann B., wenn auch nicht gleich in der ersten Zeit, durch seine philosophischen Vorlesungen großen Einfluß; er regte seine Zuhörer zum Selbstdenken und Selbstforschen an. In den Jahren 1817 bis 1827 erschienen seine „Allgemeinen Grundzüge zur Wissenschaft“ in vier Theilen. Leider vollendete er seine „Geschichte der Philosophie“, für welche er seit mehreren Jahren viele Zuhörer gewann, nicht bis zum Druck. B. verwaltete 1832–33 das wegen Untersuchungen gegen Studirende sehr mühsame Rectorat der Universität. Trotz seiner angegriffenen Gesundheit erschien er, drei Wochen vor seinem Tode, noch am 28. Januar bei der Geburtstagsfeier des Königs. Zu allen seinen Collegen stand der milde, jede Persönlichkeit achtende B. im besten Verhältniß. Professor Nitzsch erließ, namens des akademischen Consistoriums oder Senats, nach Berger’s Tode an die Studirenden einige den Verstorbenen charakterisirede Worte: „Geht Ihr“, sagt N. unter anderm, „auf die früheren Wochen zurück, als stünde er noch vor Euch, so müßt Ihr jene Vorträge zu vernehmen glauben, die bei einem so tiefen Wahrheitssinne, durch eine geistesanregende Kraft so geeignet waren, Euch für philosophisches Forschen zu gewinnen und zu bilden“.

H. Ratjen, Johann Erich von Berger’s Leben mit Darstellung der philosophischen Ansicht Berger’s von Prof. Thomsen und mit Andeutungen und Erinnerungen zu Berger’s Leben von J. R(ist). Altona 1835. Nachrichten über B. gibt auch die Schrift: Aus dem Leben von Joh. D. Gries (von Campe). Leipzig 1855. S. 40. 75. 137. 170.