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Artikel „Boetticher, Johannes“ von Hermann Müller (Bibliothekar) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 35–36, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:B%C3%B6tticher,_Johann&oldid=- (Version vom 17. Oktober 2019, 16:36 Uhr UTC)
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Band 3 (1876), S. 35–36 (Quelle).
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Boetticher: Johannes B., pommerscher Schulmann, geb. in dem zur Synode Demmin gehörigen Kirchdorfe Völschow, † 1748. Er empfing den ersten Unterricht in den Elementarwissenschaften in der Stadtschule zu Friedland, seine gelehrte Bildung auf den Gymnasien zu Stralsund und Stettin. Von hier bezog er 1711 die Universität Greifswald, woselbst seine Studien durch den nordischen Krieg bald eine Unterbrechung erlitten. Von da an ward sein fernerer Aufenthalt zwischen Stettin, Friedland und Rostock getheilt. Nachdem er beim Regierungsrath v. Olthof und dem Oberstlieutenant v. Schevenbach als Erzieher gewesen, erhielt er 1724 das Rectorat der Stadtschule zu Wolgast, nachdem er vorher vor dem Magistrat die Verpflichtung hatte übernehmen müssen, eine auf die Dauer von zwei Jahren veranschlagte Reise durch ganz Deutschland zum Zweck einer Collecte für die niedergebrannten Kirchen und Schulen in Wolgast zu machen. Für die Mühen der Reise, für seine Versäumnisse etc. hoffte er durch Kenntnisse, Erfahrungen und Bekanntschaften, welche er auf dieser Reise erwarb, entschädigt zu werden. Von der Regierung in Stralsund erhielt er Legitimation, Empfehlungsbriefe an die Behörden anderer Städte und ein Immediat-Gesuch an den König von Schweden, eine Empfehlung dieser Collecte durch seinen Ministerresidenten an die deutschen Höfe gelangen zu lassen. Bei seiner Abreise am 15. April 1724 erhielt B. 64 Briefe an Herrschaften, Reichs- und andere Städte. Die Reise, auf welcher er über fünfhundert Meilen zurücklegte, beendete er am 7. Mai 1725 und sie hatte einen Ertrag von mehr als [36] achtzehnhundert Thalern geliefert. Die von ihm selbst zur Erinnerung aufgesetzten Reiseprotokolle machen zwei Folianten aus und sind an vielen Stellen mit versificirten Klagen über schnöde Abweisung des Bittstellers, ausgestandene Mühseligkeiten und erlittene Verlegenheiten untermischt. Die zum größten Theil aus den von ihm colligirten Geldmitteln neu erbaute Stadtschule in Wolgast ward 1727 eingeweiht und er selbst bei dieser Gelegenheit feierlich in sein Rectoramt eingeführt. Noch neunzehn Jahre stand er mit Treue, Gewissenhaftigkeit und bestem Erfolg seiner Stelle vor. Er war ein Mann von vielseitiger und umfassendster Gelehrsamkeit und einer ganz ungemeinen Arbeitsamkeit, welche sich mit besonderer Vorliebe auf dem Feld der Geschichte Pommerns, und zwar nach allen nur möglichen Seiten hin, entfaltete. Seine mit großer Liebe und vielen Kosten gesammelte höchst beträchtliche Bibliothek (3333 Bände) sowie seine sämmtlichen Manuscripte, darunter höchst kostbare Pergamenthandschriften des Hegesippus, Seneca Philosophus, Eutropius, Florus, Festus Rufus, Bocatius de claris mulieribus, Petrarca und Aegidius Romanus, kamen nach seinem Tode an die Greifswalder Universitäts-Bibliothek. Aus seiner Feder ist zwar nichts an die Oeffentlichkeit gelangt, aber ein ehrendes Zeugniß seiner Thätigkeit sind die ebenfalls in der Greifswalder Bibliothek handschriftlich aufbewahrten, zum Theil sehr umständlichen und höchst werthvollen Resultate seiner gelehrten Studien, welche 79 Nummern umfassen.