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Strasse bildet die Signatur der ersten in Capua gegossenen Schwergeldreihe. Eine solche Reform aber, wie sie hier geschaffen wurde, entspricht in ihrer erschöpfenden Berücksichtigung sowohl der allgemeinen Reichsinteressen wie der Bedürfnisse der einzelnen Landesteile durchaus dem weiten Blicke wie ihn dieser hervorragende Mann auf den verschiedensten Gebieten betätigte, und die Annahme dürfte daher begründet sein, dass auch diesem System der Stempel seines Geistes aufgeprägt ist.

Und dieses System war fortbildungsfähig. Der Kern der Fortbildung lag in der neuen Silbereinheit des Scriptulums. Als das seinem tiefsten Grunde nach doch immer auf dem aes rude beruhende Schwergeld der reicher und mächtiger werdenden Stadt nicht mehr genügen konnte, da bedurfte es nur eines Wechsels beider Einheiten in Bezug auf die führende Stellung um den As in seinem nunmehr auf die Hälfte herabgesetzten Gewicht der Silbereinheit völlig unterzuordnen und zu bewirken, dass die Bronze der Hauptstadt schliesslich in der Form blossen Creditgelds auf die Bedeutung eines Lokalcourants herabsank, während die grossen Zahlungen nicht wie noch jüngst vermeint wurde, mit Barren, sondern mit Roms eigenem campanischem Silber und Golde geleistet wurden. Dies ist die Zeit, dies die Bedeutung der Reduktion, die weit entfernt Rom im Zustande des Verfalls zu zeigen, vielmehr bekundet wie es veralteten Normen entwachsend im Aufblühen zu steigendem Wohlstande begriffen ist. Nicht wie bisher geglaubt ist Rom im Jahre 268 zum ersten Male zum Silber übergegangen; seine Silbermünzung in Capua datiert nahezu 70, seine Goldmünzung nahezu 40 Jahre früher.

Das Jahr 268 aber bedeutet die Umgestaltung des ganzen bisherigen Systems durch Schaffung einer allgemeinen Reichsmünze in Form des Silberdenars. Zunächst für Italien bestimmt wird diese neue Münze mit der Zeit zum weltbeherrschenden System, das seine Kraft durch ein halbes Jahrtausend hindurch bewährte.


Die Abbildungen meines Werkes werden in vielfacher Beziehung das Verständnis erleichtern. Einstweilen soll die folgende synchronistische Tabelle eine leichtere Erfassung des historischen Zusammenhangs vermitteln.

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Justus Haeberlin: Zum Corpus numorum aeris gravis. Verlag der „Berliner Münzblätter“, Berlin 1905, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Systematik_des_%C3%A4ltesten_R%C3%B6mischen_M%C3%BCnzwesen.djvu/67&oldid=- (Version vom 31.7.2018)