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habe. Es ist charakteristisch für Rom, dass es die Embleme seines Schwerkupfers mit Vorliebe von der See entlehnt, so bereits bei der Prora der ursprünglichen Libralserie, so hier bei dem Tridens, so bei den Rostren des folgenden Barren VII.

Nun aber tritt zu Dreizack und Caduceus noch ein wichtiges Moment hinzu, welches keine andere Deutung gestattet als dass in beiden die Herrschaft Roms zum Ausdruck gebracht sein soll. Dies sind die Siegesbänder, womit sowohl Dreizack als Caduceus geschmückt erscheinen. Auf der Romadidrachme befestigt Victoria die gleichen Siegesbänder an den Palmzweig. Diese „lemnisci“ sind kein zufälliger Schmuck. Es wohnt ihnen eine tiefere Bedeutung inne. Keine andere Macht als die siegreiche römische konnte zu jener Zeit durch die Anbringung der lemnisci an den Symbolen der Land- und Seeherrschaft bezeichnet werden. Der dem Barren zu Grunde liegende Gedanke ist somit eminent römisch und an der Seite der einzigen von Rom in der Hauptstadt selbst für die Latiner gegossenen Schwergeldreihe steht daher der Barren an seinem richtigen Platz. Die Reihe ist eine der beiden häufigsten; in der Zahl von fünf bisher bekannt gewordenen ganzen Exemplaren steht auch der Barren, was die relative Häufigkeit betrifft, an der Spitze sämtlicher Barrensorten.

Zu VII. Barren: Hühner )( rostra. Nachdem sich in der capuanischen Münzstätte der Brauch ausgebildet hatte jeder Schwergeldreihe einen Barren beizufügen, auch die hauptstädtische Offizin anlässlich des Gusses der schweren Janus )( Merkurreihe diesem Brauche gefolgt war, von diesem Zeitpunkte an – nicht früher – ging Rom dazu über auch zur urbanen Serie einen Barren zu emittiren. Damals aber befand sich diese Serie im Stadium der Reduktion. Der urbane Barren gehört daher zur reducirten Reihe, nicht zur Libralserie. Rom schloss sich mit der Ausgabe dieses Barren einer Sitte an, die sich durch den Umlauf seiner capuanischen Schwergeldreihen und der zu ihnen gehörigen Barren schon seit längerer Zeit rings um die Hauptstadt und in deren unmittelbarer Nähe eingebürgert hatte. Nach dieser Sitte galt die Zugehörigkeit eines Barren zum Schwergeld als etwas gewissermassen Selbstverständliches. Hierzu kommt, dass der gleiche Bedarf nach Schwerkupfer, das nicht Geld im engeren Sinne war, in Rom und den angeschlossenen Gemeinden zweifellos ebenso bestand wie in den selbständigen Gemeinden, die sich neben einer massigen Menge eigenen Geldes in der Hauptsache des römisch-campanischen Schwergelds bedienten. Bei der Vereinzelung aber, in der sichtlich die römische Libralserie auf sich allein gestellt ist, erscheint die Annahme begründet, dass erst, als mit der grösseren Typenvariation der reducirten Reihe und nach Übernahme des Gusses der schweren Janus )( Merkurserie eine der capuanischen ähnelnde Mannigfaltigkeit in das hauptstädtische System

Empfohlene Zitierweise:
Ernst Justus Haeberlin: Zum Corpus numorum aeris gravis. Verlag der „Berliner Münzblätter“, Berlin 1905, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Systematik_des_%C3%A4ltesten_R%C3%B6mischen_M%C3%BCnzwesen.djvu/53&oldid=- (Version vom 31.7.2018)