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Um aber zu einer sicheren Datierung des Beginns der Schwergeldmünzung zu gelangen ist es erforderlich sich den wirtschaftlichen Zustand Italiens in der demselben voraufgehenden Epoche, sowie die politischen Veränderungen zu vergegenwärtigen, welche für Rom und Mittelitalien den Übergang zum Gebrauche des Geldes zur Folge hatten.

Die ausserordentliche Entwickelung, die das Münzwesen der griechischen Kolonien des Westens aufweist, spielte sich abgesehen von Sizilien nur in einem schmalen Küstensaume des italischen Festlandes ab ausgehend von Tarent und die lukanisch-brettischen Küsten hinangehend bis nach Posidonia. Die einzige schon seit alter Zeit in Campanien münzende Stadt ist Cumae, die nördlichste der chalkidischen Kolonien. Noch weiter im Norden prägen zwar schon frühe einige westetruskische Orte Silber und Gold; da aber ihre Münzung für die spätere Entwickelung Mittelitaliens einflusslos blieb, so kommen sie für den vorliegenden Zweck nicht weiter in Betracht.

Alles sonst von dem Küstensaume der grossgriechischen Kolonien umschlossene Gebiet, d. h. das Innere Bruttiums und Lukaniens, ferner ganz Apulien, Samnium, Campanien ausser Cumae, das eigentliche Mittelitalien und die gesamte Ostküste waren münzloses Gebiet. Dieser Zustand änderte sich für Campanien erst mit dem Jahre 423 v. Chr. Es spielte sich damals für Cumae ein ähnlicher Vorgang ab wie er später die Mehrzahl der blühenden grossgriechischen Städte des Südens betraf, die um das Jahr 390 teils den Zerstörungen durch Dionys, teils aber den fortgesetzten Vorstössen der mit ihrem Volksüberschusse nach den Küsten vordringenden lukanischen und brettischen Schaaren unterlagen, oder doch ihren Bestand insoweit vernichtet sahen, dass in einer Anzahl dieser Städte die bisherige Silbermünzung auf die Prägung von Kleinkupfer beschränkt werden musste. Ein ähnliches Vordringen der Urbevölkerung des Binnenlandes fand schon zuvor von Samnium aus nach der campanischen Ebene statt, wo diesem Andrange die eingewanderten Etrusker erlagen, von dem aber insbesondere auch Cumae in einer Weise betroffen wurde, dass es seit dem erwähnten Jahre 423 aus der Zahl der italischen Münzstätten ausscheidet.

Aber das griechische Element war damit von der Küste Campaniens keineswegs verdrängt. Die Nachfolgerin Cumaes als Hauptstadt und Bollwerk des Hellenentums wird das nicht lange zuvor etwa um 440 v. Chr. gegründete Neapolis; seine Münzung beginnt um 420 v. Chr. Ihm schliessen[WS 1] sich bald an das etwas im Innern nordöstlich des Vesuv gelegene Hyria, die vermutliche Palaeopolis Nolas, ferner Phistelia und Allifae, zwei kleinere, wie es scheint, in der Nähe Cumaes gelegene Küstenorte. Von diesen vier Münzstätten haben die drei zuletzt genannten, von denen Phistelia schon um 400 zu münzen aufhört, Allifae

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: schiessen
Empfohlene Zitierweise:
Ernst Justus Haeberlin: Zum Corpus numorum aeris gravis. Verlag der „Berliner Münzblätter“, Berlin 1905, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Systematik_des_%C3%A4ltesten_R%C3%B6mischen_M%C3%BCnzwesen.djvu/14&oldid=- (Version vom 31.7.2018)