Scenen aus dem dreyßigjährigen Kriege in und um Kitzingen

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Scenen aus dem dreyßigjährigen Kriege in und um Kitzingen
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 6, S. 513–548
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
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I.
Scenen aus dem dreyßigjährigen Kriege in und um Kitzingen.
Der dreyßigjährige Krieg, welcher dem System Teutschlands eine neue Gestalt vorbereitete, die es hernach durch den darauf erfolgten Westphälischen Frieden wirklich erhielt, ist für den Geschichtforscher eine Epoche, in welcher er unzählige Quellen findet, die seiner Neugierde neuen Stoff darbieten, und es müßte ein interessantes Gemählde geben, alle die einzelnen Scenen desselben in ein Ganzes gebracht zu sehen; allein dieß ist unmöglich, weil die Genoßen jenes unruh- und gefahrvollen Zeitraums nicht alle gleichen Trieb, auch nicht immer gleiche Geschicklichkeit oder gleichen Muth hatten, diejenigen Begebenheiten der Nachwelt aufzuzeichnen, die sie und etwan ihre Nachbarn betrafen. Und so gingen eine| Menge gewiß nicht unwichtiger Züge für ein solches Gemählde für uns auf immer verloren. Wer weiß aber auch, in welchem Winkel eines Handwerker- oder Bauernhauses sich noch Schriften vorfänden, die, so unnütze sie dem Besitzer selbst scheinen, so unleserlich und einfältig sie auch geschrieben seyn mögen, dennoch Dinge enthalten, die an diesem, oder jenem Orte, zwischen diesen oder jenen einzelnen Personen sich zugetragen haben, die folglich dem Publicum unbekannt blieben, die aber nichts desto weniger dem Geschichtschreiber wehrt und angenehm seyn würden. Es gereichte mir von jeher zum Vergnügen, solchen Urkunden des Alterthums nachzuspüren, und wo und in welchem Gewande ich sie auch auffand – sie erweckten mich immer zum Dank gegen ihren Urheber, der sich in meinen Augen dadurch vor seinen Mitgenoßen vortheilhaft auszeichnete, daß er auch die Pflichten kannte, und zu erfüllen strebte, die wir für die Nachwelt haben.
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 Ich liefere hier das Resultat einer solchen Nachforschung, als einen Beytrag zur Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs, nämlich die Erzählung derjenigen Begebenheiten, die sich damahls in und um das Fränkische| Städtchen Kitzingen zugetragen haben. Die Urschrift, aus welcher ich sie gezogen habe, ist schätzbar und glaubwürdig, sie floß aus der Feder eines Geistlichen, welcher zu jenen Zeiten in dortiger Gegend gelebt hatte. Ich würde meinen Lesern die eigene, gewiß kraftvolle Sprache des Originals, dessen Mittheilung ich der Güte eines würdigen Mannes verdanke, nicht vorenthalten haben, wenn solches nicht, gleich andern Chroniken, tagweise erzählte, und ich folglich gezwungen worden wäre, den sehr oft mit unwichtigen Kleinigkeiten vermischten Zusammenhang zu unterbrechen. Öfters werde ich jedoch den gutherzigen Erzähler, in seinem schmucklosen Styl, in seinen eigenen Urtheilen, und zwar besonders da auftreten lassen, wo der Leser hiedurch in den Stand gesetzt wird, die Denkungsart jener Zeiten kennen zu lernen. Zum Voraus also hier die Bemerkung, daß dasjenige, was etwann von portentis und Wunderzeichen in der Folge vorkommen möchte, aus eben angegebenen Grundsatze hergeleitet werden müsse.
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 Schon im Jahr 1610 hatte das Städtchen Kitzingen durch die Pest sehr gelitten, auch mußte solches wegen des damahls eröffneten Unionskriegs verschiedenemahle Soldaten| einnehmen, besonders aber eine Compagnie Reuter, welche daselbst die Winterquartiere hielten. Während dieses Kriegs, nämlich am 8 May 1612, sahe es auch den Kaiser Matthias in seinen Mauern, welcher daselbst übernachtete und bekanntlich am 24 Jun. des nämlichen Jahrs mit einer ganz vorzüglichen Pracht zu Frankfurt am Main gekrönt wurde. Das darauffolgende 1613te Jahr war für die Hexen sehr unglücklich: denn nur allein zu Gerolzhofen wurden in den beyden Monaten April und May funfzig solche elende Personen verbrannt. Wer doch hier die wohlthätigen Einflüße der Aufklärung unseres Jahrhunderts verkennen könnte! Besonders wenn man mit der Art jene Processe zu behandeln bekannt ist, wo öfters, ja man darf sagen meist, Umstände als Anzeigen für das Verbrechen angenommen wurden, welche bey gereinigterer Einsicht, bey genauerer Untersuchung gerade gegen dasselbe zeugten. Wehe dem alten Mütterchen, wehe dem unschuldigen Weibe, oder Mädchen, die es mit ihrer Nachbarin verdarb; sie schwebte in augenscheinlicher Gefahr, für eine Unholdin ausgegeben zu werden, und war sie dieß einmahl, dann war es um ihre irdische Wohlfahrt, um ihr Hab und Gut auf immer geschehen.| Traurige Opfer des Aberglaubens und Unverstandes, ihr blutetet als wahre Märtyrer eines fatalen Geschickes, das euch in jenen finstern Zeiten geboren werden ließ.

 Im Jahr 1618 wurde von Seiten Anspachs die letzte Kirchen-Visitation zu Kitzingen, so wie in allen Decanaten gehalten, eine Sache, die nachher bis 1662 unterblieb. Das darauf folgende Jahr nahm bereits Fürstbischoff von Wirzburg, Johann Gottfried von Aschhausen, ein strenger Katholike, daselbst die Huldigung ein, und das Städtchen erhielt im December desselben Jahrs eine Wirzburgische Besatzung von zwey Compagnien Reitern und drey Fahnen Fußvolks.

 Während des Jahrs 1621 hatte sich das schädliche Kippergeld in ganz Teutschland eingeschlichen, eine Betrügerey, die bekanntlich von den nachtheiligsten Folgen war. Bey dieser Gelegenheit ließen es sich die Juden beygehen, auch in dem Städtchen Kitzingen eine Münze anzulegen; ihr Vorhaben ward aber sehr bald vereitelt, und sie mußten wegen ihrer allzugroßen Betrügereyen der sie verfolgenden Strafe entlaufen.

 Eine im folgenden Jahr erschienene öffentliche Münzordnung setzte nun den Ducaten| auf 14 fl, den Goldgulden auf 10 fl, den Reichsthaler auf 8 fl, den Guldenthaler auf 7 fl. und den königlichen Thaler auf 9 fl, und diese Erhöhung stieg bald in der Maße, daß der Ducate 20 fl. der Reichsthaler aber 10 fl. galt. Dieser hohe Münzfuß fiel jedoch bald wieder, und eine neue Münzordnung setzte bereits im Christmonat desselbigen Jahrs den Ducaten wieder auf zwey Reichsthaler, den Reichsthaler auf 18 Batzen, und den königlichen Thaler auf 20 Batzen herab. Eine sogenannte Aurora borealis, welche am 24 und 25 Jänner des nämlichen Jahrs am Horizont erschien, setzte die dortige Gegend in ein nicht geringes Schrecken, und war, so wie der Komete, welcher 1618 gesehen worden war, für den damahligen Aberglauben ein gewisser Vorbote alles des Elendes, welches bald hierauf erfolgte. Minder bedauerlich für die damahlige bedrängte protestantische Kirche war der in eben dem Jahre auf dem Reichstag zu Regensburg plötzlich erfolgte Tod des zelotischen Bischoffs Gottfried von Wirzburg, dem Philipp Adolf von Ehrenberg in der Regierung folgte.
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 Aber auch dieser Herr verläugnete den Geist des damahligen intoleranten Zeitalters nicht, wovon wir in der Folge noch manche| Probe sehen werden. Er ließ im Jahr 1624 im Augustmonat allen seinen Unterthanen im Lande ihre Bibeln und protestantische Gebetbücher wegnehmen und nach Wirzburg führen.

 Die streifenden Partien der im Lande hin und wieder vertheilten Croaten machten damahls Straßen und Dörfer sehr unsicher und verübten manche grausame, manche die Menschheit entehrende That.

 Der am 25 Februar 1625 erfolgte Tod des Marggrafen Joachim Ernst zu Anspach war für dessen Lande überhaupt und besonders für das bedrängte Kitzingen ein wahrer Verlust. Er war der tapfere Gegner der zu Wirzburg errichteten Ligue, commandirte als General-Lieutenant unter dem Kurfürst Friedrich zu Pfalz, hatte seine Lande und die Lande seiner Bundsgenossen auf das beste vertheidigt, und ob zwar dieses Bündniß, so wie das der Katholiken bereits 1621 durch Vermittelung des Kurfürsten zu Mainz aufgehoben worden war; so sah doch das angstvolle evangelische Franken ihn als seinen Beschützer an, und hoffte im Nothfall bey ihm Rettung und Hülfe.

 Noch in eben diesem Jahre und zwar am 26 Julii mußte Kitzingen dem Bischoff Philipp| Adolf huldigen, und dieses Jahr war auch für die dasige Gegend in einer andern Rücksicht, nämlich wegen der zu Wirzburg und Marktbreit grassirenden Pest, ein gefahrvoller Zeitpunct.

 So angenehm und glücklich sich das 1626ger Frühjahr anließ, so reiche Ernde, sowohl an Getraid als Wein sich der Franke versprach,[1] so plötzlich verschwand diese Hoffnung, weil am 17 May eine schnell eingefallene Kälte ihre Verheerung über Berg und Thal verbreitete, und Wein und Getraide gänzlich erfror, wovon eine ziemliche Theurung die Folge war.

 Im Jahr 1627 war auf dem Lande große Unsicherheit wegen stets hin und her marschirender Kriegsvölker, besonders der Verdugischen Truppe, von welcher Sickershausen übel mitgenommen wurde. Dieß gereichte hauptsächlich der Fränkischen Ritterschaft zu großem Nachtheil, und der Ausschuß derselben sah sich genöthiget, sich dieser ungebetenen Gäste mit Gewalt zu entledigen. Wirzburg machte im December dieses Jahrs| Ansprüche auf das St. Gumprechtsstift zu Onolzbach, und die Verbitterung beyder Religionsparteyen ward auch in Franken je länger, je heftiger; der Wirzburgische Meßpriester zu Mönchsontheim wurde von dem Marggräflichen Ausschuß hinweggetrieben.

 Eben diese Gefahren und Unruhen wegen der hin und herziehenden Soldaten dauerten noch im Jahre 1628 fort, auch plagte der Fürst von Wirzburg mit seinem Ausschuß den evangelischen Theil der dortigen Gegend sehr heftig, vertrieb die evangelischen Pfarrer zu Neuses und Mönchsontheim und setzte, so wie zu Helmizheim und Markt Einersheim katholische Pfarrer an ihre Stelle. Im April desselben Jahrs muste man dem Taubenburgischen Cavallerie-Regiment 1440 fl. Contribution erlegen.

 Am 24sten November wurde zu Kitzingen auf dem Rathhause angefangen wegen dieser Stadt zwischen Brandenburg und Wirzburg Verhandlungen zu pflegen. Baiern und Teutschorden hatten hiezu den commissorialischen Auftrag höchsten Orts erhalten, „und war also“ – sagt die Chronik. – „der Wolf Richter zwischen dem Fuchsen und der Henne.“ Wirzburg war diese Zeit über emsig, sowohl Hexen als auch| der Zauberey beschuldigte Mönche und Stifts Haugische Kanoniker verbrennen.

 Der sechste Jänner des Jahrs 1629 war der Tag, an welchem das kaiserliche Urtheil eröffnet und die Stadt Kitzingen dem Hause Brandenburg ab- und dem Bischoff von Wirzburg mit allem Zugehörigen zugesprochen wurde.[2]

 Am 10ten Jenner dieses Jahrs nahm der Bischoff von Wirzburg die Huldigung daselbst ein, hielt Meß in dasiger Kirche und forderte die Schlüßel zu sämmtlichen Kirchen dem Rathe ab; auch Hoheim und Retzendorf huldigten seinen Räthen. Den 19ten darauf wanderte der evangelische Dechant und die Geistlichkeit von da aus. Ersterer, Namens Hodomann, wurde nach Mainbernheim versetzt.

 Gewaltsamer geschah von Seiten Wirzburgs in Brühl die Absetzung des evangelischen Geistlichen: denn am 22ten Hornung| fiel der Amtskeller von Markt Bibart mit funfzig Musketiers in die dasige Kirche, und der Büttel nöthigte mit aufgezogenem Hahn den damahligen Pfarrer Reiner von der Canzel herabzusteigen, und führte ihn, ohne daß man ihm Zeit gelassen hätte, sich des Kirchenrocks zu entledigen, mit gewaffneter Hand nach Mt. Bibart, woselbst er im Wirthshause an eine Kette geschlossen, und erst am 4ten März, auf gegebenen Revers sich des Predigtamts zu Brühl zu begeben, dann nach Erlegung einer Summe von 25 fl. wieder entlassen wurde. Die Orte Rötelsee, Repperndorf, Buchbrunn, Schernau, Altschwind und Mainstockheim, auch Alberhofen verloren gleichfalls ihre evangelischen Geistlichen.

 Kitzingen erhielt eine kleine Wirzburgische Besatzung von 50 Mann, und jedem Buchbinder allda wurde das Binden und der Verkauf evangelischer Bücher verboten, auch bekam jeder evangelische Geistliche, der dahin kam, militärische Begleitung.

 Ein blinder Lärm, als wollte Anspach und Bayreut das Frankfurter Meßgeleite mit etlichen tausend Mann wie vorhin durch Kitzingen führen, verursachte in der Woche nach Ostern desselben Jahrs einen allgemeinen| Ausmarsch der Wirzburgischen Truppen, funfzehenhundert kamen in der Nacht vom 9ten April nach Hochheim, und gegen sechstausend wurden in der dasigen Gegend verlegt, Schanzen wurden an den Heerstraßen aufgeworfen, und sich zum Schlagen bereit gemacht. Was aber am 10ten April erschien, war das friedsame Nürnberger Geleite von funfzehen Brandenburgischen Reitern geführt, welche es da empfingen, wo die Hochheimer und Mainbernheimer Markung sich scheidet.
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 In eben der Maße, als man sich evangelischer Seits der bedrängten Glaubensgenossen erbarmte, wurden sie katholischer Seits verfolgt. Brandenburg-Anspach, ließ jedem, der sich meldete, zu Uffenheim ein Simra Korn austheilen. Wirzburg befahl ihnen, besonders den Geistlichen, Haus und Hof zu verlassen, ohne daß man ihnen Zeit gelassen hätte, es gehörig und ohne Schaden zu verkaufen. So hatte z. B. der ehemahlige Pfarrer Dietwar sich aus der Pfarrwohnung mit Erlaubniß des Wirzburgischen Amtmanns von der Thann zu Kitzingen in seine eigene Wohnung daselbst begeben, wurde aber bald darauf, unter dem kahlen Vorwand, er pflege des neuen katholischen Geistlichen zu spotten,| von Haus und Hof vertrieben, mit dem Bedeuten, daß die Herrschaft seine Güter, da er sie nirgends anbringen könne, selbst übernehmen werde. Man ging noch weiter, man sandte Spionen in die benachbarten evangelischen Kirchspiele, um zu sehen, ob etwan ein oder der andere Kitzinger Einwohner daselbst dem Gottesdienst beywohne, das heilige Abendmahl genöße; ja es erschien endlich sogar ein bischöffliches Mandat, worin geboten wurde, daß jedermann am Advent zur päbstlichen Glaubenslehre übertreten solle. Dieß war wahrer Gewissenszwang, und um ihn abzuwenden, sahen sich die Kitzinger gezwungen um Aufschub zu bitten; allein die Antwort war hart, sie lautete: Keine Stunde!
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 Wer aus Erfahrung oder auch nur aus der Geschichte den Eifer kennt, womit gedrückte Religionsverwandten ihren Lehrsätzen anhängen, der wird leicht erachten können, welch ein Donnerschlag dieß für die Ohren und Herzen der armen bedrängten Kitzinger gewesen seyn müsse. Weg von hier! war nun die allgemeine Losung, die sie sich mit thränendem Auge einander zuriefen. Auch zog von Stund’ an eine beträchtliche Menge Einwohner, ob wohl nicht ohne gegenseitige Hindernisse, von Kitzingen hinweg; nur wenige| fielen ab. Die Austreibung, oder gewaltsame Bekehrung erstreckte sich aber auch auf die umliegenden Orte Hochheim, Repperndorf etc. man nahm den Einwohnern alle evangelische Bücher aus den Häusern weg, und verbrannte eine Menge derselben zu Kitzingen auf öffentlichem Markte. An Fasttagen fiel man in die Häuser, durchsuchte die Häfen und strafte jeden, bey dem man Fleisch fand. Wachen standen vor den Kirchthüren, und nöthigten jeden bey der Messe zu bleiben, und wer sich während des Gottesdienstes auf dem Markte blicken ließ, wurde mit Peitschen in die Kirchen getrieben.

 Am 13 Junii des Jahrs 1630 kam der Bischoff von Wirzburg nach Kitzingen, woselbst er mit großem Pomp eingehohlt, und ihm eine Ehrenpforte errichtet wurde, folgenden Tags wurde die dasige Kirche und der Gottesacker geweiht und die Leute empfingen die Firmung. Gleiches geschah auch am 16 d. M. zu Hochheim.

 Im November erschienen kaiserliche Commissarien in Franken, entsetzten die Edlen und Herren, welche bisher gegen den Kaiser gedient hatten, ihrer Güter und Herrschaften, und räumten selbige andern ein.

| Noch im Jahr 1630 währten die Bedrückungen der protestantischen Religionsverwandten fort, man setzte in die Orte Zeulizheim, Schwersheim, Euerbach, Thüngen, Burg Sinna, Nieder Werren, Mt. Daschendorf, Mönche, verhinderte die Protestanten mit Gewalt, ihre Prediger in den benachbarten Ortschaften zu besuchen, und führte sogar einige nach Iphofen gefänglich ein. Im Hornung dieses Jahrs erhielten die beyden Cavallerieregimenter Schönberg und Kronberg, welche bisher in Franken große Contributionen eingetrieben, und deren Leute sich sehr unordentlich betragen hatten, plötzlich Ordre zum Aufbruch, um sich dem, mit Heereskraft hereinbrechenden Sieger Gustav Adolf entgegen zu werfen. Wirzburgische Ausschußvölker nahmen um eben diese Zeit zu Abtswind einige Rüdenhäusische Unterthanen weg, weil sie sich nicht zur Religionsveränderung entschließen wollten.

 Eine ungeheure Menge Heuschrecken fand sich in diesem Jahre während der Sommermonate ein, und waren – nach damahliger Art zu reden und zu denken, – so wie die häufigen Nordscheine, die man den Winter zuvor am Firmament erblickt hatte, leidige Vorboten der nachmahligen Kriegsunfälle.

|  Am 16 Julii starb der Fürstbischoff Philipp Adolf von Wirzburg schnell, und ihm folgte Franz von Hazfeld, welcher am 17 September zu Kitzingen die Huldigung einnahm, woselbst er mit einer Ehrenpforte empfangen ward.

 Jetzt veränderte sich wider Vermuthen die Scene, Gustav Adolf der Edle hatte bey Leipzig am 7 Sept. den herrlichen Sieg über den Kaiserlichen und Baierischen Feldherrn Tylli erhalten, näherte sich nun mit Macht dem Fränkischen Kreise, und nahm bereits am 29 Sept. die Wirzburgische Vestung Königshofen im Grabfelde weg.

 Dieß war ein Donnerschlag für jeden Katholiken, besonders aber für die Geistlichkeit, und das Gerücht, welches den Haß der Schweden gegen die letztern, als hauptsächliche Urheber des Kriegs, vergrößerte, trieb ein panisches Schrecken unter sie, und bewog viele Mönche, verkleidet und bey Nacht und Nebel ihre kaum erhaltenen Posten zu verlassen.

 Im Herbst rückte also die schwedische Armee gegen Wirzburg selbst vor, nahm am 4ten Octob. die Stadt Wirzburg mit Accord, das Schloß aber am 7ten und 3ten mit Sturm ein; bey welcher Gelegenheit an| 400 Wirzburger, auch zwey Geistliche des Capucinerordens, ihr Leben verloren.

 Hier ruhte nun der König mit seinem Heer einige Tage aus, und gab vielen Gesandten und Abgeordneten, als z. B. den Englischen, Lüneburgischen, Bremischen, Niedersächsischen, Würtembergischen, Fränkischen, Darmstättischen, Koburgischen, Bayreutischen, Badischen, Nürnbergischen, Bambergischen, Fuldaischen, und andern Audienz. Aufgebracht gegen das bisherige Betragen der katholischen Religionspartey, gegen den schrecklichen Gewissenszwang, den die Protestanten auszustehen gehabt hatten, gebot nun Gustav den katholischen Predigern in Wirzburg zu schweigen; berief den Bayreutischen Generalsuperintendenten Schleupner aus Hof, um den evangelischen Gottesdienst daselbst zu besorgen, ließ viele evangelische Geistliche in der dasigen prachtvollen Domkirche ordiniren, und setzte solche in den umliegenden Dörfern, woraus die katholischen Geistlichen entwichen waren, ein.

 Die schnelle Flucht der Mönche war Ursache, daß besonders zu Kitzingen einige neugeborne Kinder mehrere Tage ungetauft liegen blieben; einige von den weggezogenen| evangelischen Bürgern wandten sich daher an den Schwedischen Feldprediger Fabricius und baten um einen evangelischen Prediger, welcher ihnen den Magister Polich aus Schweinfurt hiezu anordnete, der sich eben damahls, wegen seiner Güter, die ihm von den Päbstischgesinnten entzogen worden waren, bey der Armee befand. Dieser hielt auch am 30 Oct. als am 21 Sonntag nach Trin. die erste evangelische Predigt wieder in dasiger Klosterkirche; und empfing kurz darauf einen Caplan in der Person des gewesenen Pfarrer Scheuermanns zu Unterallertheim im Kastell-Remlingischen.
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 Zuvor schon, nämlich am 1 Oct. hatten gedachter M. Polich, und mehrere andere vertriebene Geistliche, dem König einen Fußfall thun wollen; er hatte es aber nicht zugegeben, sondern ihnen, nachdem er sie zuvor dreymahl hatte aufstehen heissen, folgende Antwort ertheilt: „Wir vernehmen so viel, daß ihr vertriebene Kirchendiener seyd, und euch eine Zeitlang allhier zu Schweinfurth dienstlos aufgehalten. Weil mich aber Gott zu diesem Werk, wie vor Augen, berufen; so soll ich das meine dabey thun, so viel mir möglich und menschlich. Und wollen die Herren neben mir fleißig und andächtig| zu Gott dem Allmächtigen rufen und seufzen, daß solch angefangene Werk glücklich verrichtet und hinausgeführet werden möge: Sie sollen alle wieder zu Dienst befördert werden.“

 Bey der, von Seiten Wirzburgs 1629 zu Kitzingen vorgewesenen Reformation, hatte selbiges über den Eingang an der Kirche des heil. Grabes folgende Inschrift mit goldenen Buchstaben setzen lassen:

 Iesu Redemtori passo, Mariae Dei parae compassae, coelitibus cunctis, Sacellum hoc ad sepulchrum Domini, infaniam haeresium prosanatum, ex Sacello in Macellum, antiquam fidem imitatus, haeresin execratus, communi aere restituit. S. P. Q. K. Anno MDCXXXI.

 Die in der Chronik befindliche Übersetzung ist folgende:

Ich ward geweiht zu eim Gotteshauß,
Luthers Lehr macht ein Fleischhauß drauß
Als Kitzing wider Catholisch wird,
hat michs Gott wider dedicirt.

 Diese Inschrift verbargen die Katholiken, als Gustav sich Kitzingens bemächtigte, setzten sie aber 1635 wieder an ihre Stelle; und sie soll nach dem Zeugniß eines gleichzeitigen| Geistlichen 1662 noch bestanden haben.

 Im Jänner des Jahrs 1632 rückte das Schwedische Volk stark gegen den Staigerwald in das Hochstift Bamberg, und nahm am 1 Februar die Stadt Bamberg in Besitz; weil der König gemerkt hatte, daß der Bischoff ihn nur mit angeblichen Vergleichsvorschlägen so lange hinhalten wollte, bis sich Tilly wieder sammeln und ihm zu Hülfe kommen könnte.

 Unterdessen kam General Banner mit seiner Armee gegen Grosenlankheim und Rödelsee heran, dessen Truppen in dasiger Gegend starke Plünderungen unternahmen. Auch Gustav hatte inzwischen mehrere Corps kaiserlicher Völker geschlagen, hatte Donauwörth und am 14 April Augsburg, Landshut und andere Orte in Bayern eingenommen, indeß Wallenstein Prag, und die Bayrische Armee Regenspurg eroberte.

 Jetzt ward Kitzingen und die dasige Gegend der Schauplatz beständiger Streifereyen und Scharmützel, die sich die leichten Truppen einander lieferten; Kastell und Rüdenhausen wurden von den Kaiserlichen geplündert; die Schwedischen Parteygänger fielen| öfters aus Kitzingen heraus, und brachten viele Gefangene ein.
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 Auch Herzog Bernhard von Weimar rückte mit seiner Armee und den Hessischen Völkern, einem Corps von 25000 Mann heran, schlug ein Lager zwischen Kitzingen und Mainstockheim, und es kam kurz darauf zwischen diesen und den Wallensteinischen Truppen bey Markt Einersheim zu einem blutigen Gefechte, in welchem die Kaiserlichen mit großem Verluste zurück geschlagen wurden und die Schweden viele Beute erhielten. Dieses Lager blieb daselbst bis zum 4ten August desselben Jahrs, an welchem Tage solches verändert und vor dem neuen Thor bey Etwashausen abgesteckt wurde; bey welcher Gelegenheit die ganze Armee des Herzogs durch die Stadt Kitzingen über die Brücke marschirte. Hoheim wurde hiebey rein ausgeplündert. Bald hierauf aber erhielten diese Völker Befehl aufzubrechen, und sich bey Bruck und Fürth mit dem Könige zu vereinigen; worauf am 11ten September die bekannte blutige Action erfolgte, bey welcher kein Theil einen vollkommenen Sieg erfochte, jeder aber über 3000 Mann verlor. Nach diesem Treffen zog sich das ganze Heer wieder gegen Kitzingen zurück,| Herzog Bernhard lagerte sich am 17ten September bey Kitzingen, die Schweden aber bey Mainstockheim, gegen Wirzburg, und nun hatte Kitzingen die Freude, den König nebst seiner Gemahlin am 19ten October im dasigen Kloster übernachten zu sehen.
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 Traurig und jammervoll war zu jener Zeit der Aufenthalt auf dem Lande; die kaiserlichen Völker sengten und brannten in allen Dörfern, wohin sie kamen, die Reichen wurden geplündert, die Armen mißhandelt, und unzählige Menschen wurden von den uncivilisirten Kroaten niedergemetzelt; besonders mußten dieses die unglücklichen Orte Prichsenstadt und Kleinlankheim erfahren. Kitzingen war gewissermassen der Sammelplatz aller geflüchteten Leute und Güter; und kein Wunder war es daher, wenn Brod und übrige Lebensmittel Anfangs zu sehr hohen Preisen stiegen, und endlich gar Mangel einriß. Allein dieß war nicht das einzige Übel, welches dieses gute Städtchen erfahren mußte, auch die Pest, die gewöhnliche Begleiterin des Kriegs, fand sich daselbst ein, und riß eine Menge Leute hinweg, so daß am 22ten August allein 14 Personen begraben wurden; eine Plage, welche die Kriegsvölker| aus den Lagern bey Nürnberg mitgebracht hatten.

 Hochheims abtrünnige Einwohner kehrten um diese Zeit aus eigenem Antrieb wieder zur evangelischen Lehre zurück.

 Der inzwischen erfolgte beklagenswürdige Tod Gustav Adolfs bey Lüzen verursachte auch im Frankenlande ein großes und allgemeines Wehklagen, auch verlor Teutschland, das damals äusserst bedrängte Teutschland, an ihm seinen vorzüglichsten Retter und Beschützer.

 Am 18ten Julii des darauf folgenden 1633 Jahre huldigte Wirzburg dem Herzog Bernhard zu Weimar, und am 6 Aug. geschah das nämliche vom Hochstift Bamberg.

 Am 20 Sept. übergab die Krone Schweden die Stadt Kitzingen dem Hause Brandenburg wieder. Dieser Handlung wohnte auch das Kirchenministerium bey und den Vortrag hielt Freyherr von Seckendorf zu Uhlstatt im Namen Schwedens, welchem D. Eiselin von Anspach als Vicekanzler im Namen Brandenburgs antwortete. Darauf huldigte die Bürgerschaft der marggräflichen Regierung, und es wurden auch noch an diesem| Tage die Schwedischen Beamten entlassen.

 Am 5ten August 1634 kam die verwittibte Marggräfin Sophia von Anspach, mit dem Marggrafen Friedrich und ihren Prinzessinnen und Hofstaat, aus Furcht vor dem Feinde nach Kitzingen, welcher sich damahls gegen Nördlingen heranzog. Das arme Städtchen wurde damahls mit Flüchtlingen und Soldaten ganz angefüllt; und Theurung und Pest nahmen dadurch so sehr überhand, daß der Metze Mehl bis zu einem Rthlr gestiegen war, und daß man die Toden nicht mehr alle mit Processionen begraben konnte, sondern sie häufig beytragen mußte; so wurden z. B. allein am 18ten Sept. 10 Personen mit der Procession begraben, und an eben diesem Tage 18 Tode in der Stille hinaus getragen: so waren vom 28 Sept. bis 5ten Oct. 68, und von 10ten Oct. bis 19ten Oct. 112 Processionleichen. Auch das Toben der Völker mit Feuer und Schwerd währte noch immer zu fort.

 Das unglückliche Treffen bey Nördlingen, welches am 27ten Aug. d. J. erfolgte, wobey Marggraf Friedrich von Anspach blieb und die Schwedische Armee unter Herzog| Bernhard von Weimar aufs Haupt geschlagen wurde, bewog die marggräfliche Witwe, sich mit ihrer Suite von Kitzingen hinweg und nach Frankfurt zu begeben, nachdem sie zuvor jedem Caplan einen Ducaten – zu damahliger Zeit ein wichtiges Geschenk! – verehrt hatte.
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 „Als nun – sagt unsre Chronik – die kayserlichen Reuter mit starken Partheyen gegen Kitzingen streiften, thäten sich etliche Burger und ledige Gesellen zusammen, rüsteten sich als Dragoner, und fielen aus, kamen aber damit übel an: massen derselben fünfe von den Crabaten nieder gemacht wurden, den eilfften September kam der Keyserliche General Piccolomini, mit etlichen Regimentern vor die Stadt Kitzingen und schickte einen Trompeter hinein, welcher mit verbundenen Augen auff das Rathhaus geführt wurde. Mit diesem ginge auch zugleich Hr. Dechant und Hr. Caplan Dietwar hinauff, damit auch die Geistlichen, beydes die Einheimischen und die Fremden eingeflöhnte, deren in die 40 waren, in den Accord mit eingeschlossen werden mögten. Dem Trompeter gab man zur Antwort, daß man folgenden Morgen die Stadt dem General überantworten| wolle, welches durch Herrn Doctor Eger geschahe. Ward also die Stadt Kitzingen am 12ten Sept. diß 1634 Jahrs von dem Keyserl. General Piccolomini eingenommen: und muste die Stadt 16000 Reichsthaler Ranzion, und sonst noch 4000 geben. Hingegen ward versprochen, daß die Evangel. Religion in der Pfarrkirchen ungehindert sollte geübt werden, die Catholischen aber sollten das Heilige Grab, oder die Klosterkirche haben. Dieß wurde im Namen des Keysers und Königs in Ungarn versprochen. Wie es aber gehalten worden, hat der Ausgang über ein halb Jahr bezeuget. Sonntags, am 15ten Sept. ward Herr Caplan Dietwar, als der damals Wöchner ware, von Kitzingen hinaus in des Piccolomini Läger, welches er vor Etwashaußen bey dem Petersthor geschlagen hatte, beruffen, und mit einem Feldwebel dahin begleitet: allda er einem Evangel. Hauptmann, dem seine Frau an der Pest gestorben ware, das Hochwürdige Abendmahl reichete, und dergleichen auch einem Capitän, der in dem Nördlinger Treffen war gefangen worden, mittheilte. Der erstere, nämlich der Keyserliche Hauptmann, verehrte ihm einen Ducaten, und| dem Ministerio insgesamt zwo Kuh, die sie sollten austheilen, wohin sie wollten, welches sie auch gethan.“[3]

 Am 17 Sept. brach Piccolomini mit seinem Heer auf, es kamen bey 60 Kornet Croaten durch Kitzingen, alles war wegen einer gewissen Plünderung in Furcht und Schrecken gerathen; allein diese Furcht scheint ohne Erfolg gewesen zu seyn, da unsere Chronik nichts weiter meldet, und vermuthlich war Piccolomini gewohnt, gute Mannszucht über seine Leute zu halten.

 Am 14ten Oct. nahmen die Kaiserlichen Wirzburg wieder weg, das Schloß aber hielt sich noch, und wurde während des Novembers von den kaiserlichen Truppen heftig beschossen und gestürmt; in diesem Monathe ließ endlich die Pest in dasiger Gegend wieder nach.

|  Von Seiten der inzwischen ernannten kaiserlichen Commission über das Fürstenthum Anspach, wurde dem Decanat Kitzingen eröffnet: daß die Übung der evangelischen Religion im ganzen Fürstenthum und also auch zu Kitzingen und in selbigem Decanat bleiben, und die erledigten Stellen in Kirchen und Schulen mit solchen Personen, die der Augsburgischen Confession zugethan seyen, wieder ersetzet werden sollten; „Dagegen sollten die evangelischen Geistlichen Herrn Decano Iuramentum fidelitatis leisten“ welches auch am 23 Oct. geschah.

 Der 27te Oct. war für das Städtchen Kitzingen abermahls ein angstvoller Tag: denn ein Corps von 8000 Mann kaiserlichen Völkern zog an ihm über die Brücke durch die Stadt gegen Wirzburg zu.

 Am ersten December wurde der Fränkische Adel wieder in kaiserliche Pflichten genommen, und am 13ten kam der Fürstbischoff, welcher bisher ausser Landes gewesen, wieder zu Wirzburg an, wo dann sogleich am 14ten und 15ten desselben Monats das evangelische Predigtamt zu Wirzburg, ingleichen auch zu Sommer- und Winterhausen wieder abgeschafft wurde.

|  „Bißher“ fährt unsre Urkunde fort, „hatten die Papisten zu Kitzingen und Wirzburg: Beamten, Stadt-Vogt und Verwalter, sich gar lämmern und friedlich gegen die Evangelischen Prediger gestellt, und sehr gute Worte gegeben. Sie sagten zu ihnen: ihre Leute hätten unrecht gethan, daß sie ihnen ihre Besoldung aus dem Closter nicht gegeben hätten: sie wollten es treulicher thun, und sie wollten gar wohl und friedlich neben einander leben. Aber da sie nun meinten, sie säßen wiederum fest genug, ließe sich der reißende Wolff genugsam merken. Denn sie fingen an, die evangel. Pfarrer allda zu bedrohen; allerley ihnen aufzudichten und viel böser Reden wider sie auszulassen. Auch wurde Herr Ott aus dem Closter gestoßen, und mußte die Pfarr-Wohnung räumen. Bald hernach geschahe mit Herrn Herold dergleichen, also daß man leichtlich abnehmen konnte, was sie im Sinne hatten.“
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 Noch immer hatten indeßen die tapfern Schweden das Schloß zu Wirzburg gegen jeden feindlichen Angriff muthig vertheidigt, und erst am 5ten Jänner 1635 übergaben sie selbiges mit Accord. Dieß war aber auch zugleich das Signal zu neuen Bedrängnissen| der Protestanten. Das laute Zusammengeläute aller Glocken im Kloster zu Kitzingen verkündete bereits am folgenden Tage diesen herrlichen Triumph. Unverzüglich wurde die evangelische Geistlichkeit bedroht, man wolle ihr Soldaten einlegen; und wirklich rückten auch bald darauf, nämlich am 14ten und 15ten März zwey Compagnien Dragoner als Garnison daselbst ein; inzwischen muß man der Wahrheit zur Steuer gestehen, daß der evangelischen Geistlichkeit von Seiten der damahligen Wirzburgischen Beamten noch immer sehr glimpflich und schön begegnet wurde, und ungerecht würde es seyn, Beleidigungen des Pöbels, woran es von beyden Theilen nicht fehlte, der ganzen Religionspartey zur Last legen zu wollen.
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 Desto trauriger aber war das Loos, das bald darauf den bedrängten Religionsverwandten daselbst wieder zu Theil wurde, denn als am 18ten März der Fürstbischoff von Wirzburg neuerdings die Huldigung dort einnahm; als ihm bey dieser Feyerlichkeit die evangelischen Geistlichen aufwarten und eine Bittschrift, „daß in der Religion nichts möchte geändert werden“ überreichen wollten; so suchte er ihnen nicht allein auszuweichen,| sondern er ließ ihnen auch durch seinen Großhofmeister von der Thann ungefähr folgendes eröffnen: „Sie wüsten sich wohl zu erinnern, welcher Gestalt sie Anno 1629 abgeschaft worden, daß sie sich aber wieder zu Kitzingen eingefunden, daran hätten Ihr fürstlich Gnaden ein großes Mißfallen, wollten derowegen ihnen hiermit ernstlich befohlen haben, daß sie hinfüro aller Kirchen-Actuum sich enthalten und die Stadt innerhalb 14 Tagen räumen sollten. Darauf antwortete der Dechant, und berief sich stark auf den Accord, da Ihro Kaiserlichen und Königlichen Majestät zu Ungarn der Stadt versprochen, sie bey ihrer Religion verbleiben zu lassen. Aber der von der Thann antwortete: Es würde Ihro fürstlichen Gnaden schon mit Ihro Majestät desfalls übereinkommen. Als auch der Dechant bat, daß sie doch die Charwochen bey der Gemeinde möchten gelassen werden, damit sie derselben die hochtröstliche Passionslehre vortragen möchten; antwortete der von der Thann: Es werden schon Leute seyn, welche die Paßion sowohl predigen werden, als etc.“ – So muste also die evangelische Geistlichkeit zum zweytenmahl aus Kitzingen weichen, an ihre Stelle trat die katholische und in dieser| Lage verblieb es auch bis nach geschlossenem Frieden.

 Während der Jahre 1636. 1637. 1638. 1639. 1640. 1641. 1642. dauerte der Druck der Protestanten, dauerten die Gefahren des Kriegs, die Durchmärsche, das Plündern, die Theurung und der Mangel fort, ohne daß sich jedoch etwas besonders merkwürdiges in dasiger Gegend ereignet hätte. Zu Anfang des Jahrs 1643 aber erschien die vereinigte Französisch- und Weimarische Armee im Stift Wirzburg, und marschirte von da nach Uffenheim zu, weswegen große Unsicherheit im Lande war, und, wegen des allgemeinen Ausreißens der Einwohner, der Gottesdienst oft gänzlich stille stand; oft auch die Pfarrer, mitten unter der Predigt aufzuhören, und mit der Gemeinde zu fliehen gezwungen waren.

 Am 28ten Aug. jenes Jahrs fiel Marktbreit an Schwarzenberg und huldigte dem damahligen Grafen feyerlich. Mit Anfang des Decembers rückte auch das kaiserlich Hazfeldische Corps in Franken ein, zog nach Böhmen und wurde am 24 Febr. 1645 vom Schwedischen General Torstenson bey Jankowiz aufs Haupt geschlagen, bey welcher Action die Kaiserlichen über 4000 Mann| Tode, eilf gefangene Staabsofficiere, worunter auch Hazfeld, Munition, Kanonen und Bagage in Stich lassen mußten. Daß dieser Sieg allgemeine Freude bey dem evangelischen Theil Frankens erweckte, läßt sich leicht denken. Unglücklicher war der 25 April: denn an ihm wurden die Französisch-Weimarischen Truppen bey Mergentheim geschlagen, weswegen sogleich am 26ten darauf vor Tags das Rußwurmische Regiment unterhalb Steft über den Main setzte, um sich vor den nachhauenden Kaiserlichen zu sichern.

 Auch der 6te Jul. und die folgenden Tage waren jammervoll für die dasige Gegend. Der Schwedische General Königsmark kam unversehens bey Ochsenfurt an, nahm Sommerhausen stark mit, und das Schloß zu Gnottstadt wurde von den Franzosen abgebrannt. Starke Contributionen mußte damals der Fürstbischoff zu Wirzburg an die Schweden bezahlen, und viele seiner Ortschaften, unter andern auch das kleine Städtchen Sulzfeld, bey Steft wurden geplündert.

 Züge und Gegenzüge dauerten auch im folgenden Jahre beständig fort. Im Hornung 1647 zog Königsmark mit 6000| Mann Cavallerie von Rothenburg nach Mergentheim, ihm nach zog der kaiserliche General de Werth, wagte aber nicht, ihn anzugreifen, und Königsmark drang also in Hessen ein, woselbst er Kirchheim wegnahm[.]

 Auch Schweinfurt, worin bisher ka[y]serliche Garnison unter dem Obristen Ladron gelegen hatte, ergab sich am 25 April dieses Jahrs an die Schweden.

 General Wrangel kam bey jener Gelegenheit nach Kitzingen, hatte eine Unterredung mit dem Fürstbischoff zu Wirzburg, und erhielt von ihm das Versprechen, daß den Protestanten die Kirche zu Etwashausen eingeräumt werden solle; allein dieß Versprechen blieb ohne Erfolg.

 Das darauf folgende 1648ste Jahr, als das letzte dieses verheerenden Kriegs, war für die dasige Gegend auch noch eines der mühseligsten und angstvollsten. Kaiserliche, Schwedische und Französische Völker durchkreuzten sich unaufhörlich, und Seegniz, das kleine unansehnliche Seegniz allein hatte vom 7 bis zum 17 Febr. 500 Mann Reiter, das Vorbuschische, Andersonische, und Steyermärkische Regiment im Quartier, welche nicht nur starke Zehrung machten, sondern auch vieles mit sich hinwegnahmen;| 16 Stück Kühe, welche die armen Einwohner auf den Kirchhof geflüchtet hatten, wurden gleichfalls ein Raub dieser Völker. Sie marschirten von da nach Windsheim, welches am 4ten März von den Schweden genommen wurde. Zu Ende des März kam auch die Französische Armee, die sich besonders durch Verheerungen furchtbar machte, in dortige Gegend, sie hatte ihr Hauptquartier zu Iphofen, und was sie zurückließ, war Raub und Brand, selbst der Forst wurde nicht geschont, sondern angezündet, und brannte drey ganzer Tage.

 Endlich erfolgte am 16 Julii der bekannte Überfall des General Königsmark zu Prag, welcher nicht wenig zur Beschleunigung des mit Schweden am 21 Julii geschlossenen Osnabrückischen Friedens beytrug; dem bald darauf der gänzliche Friede nachfolgte.

 Wir brechen hier die Geschichte Kitzingens und der dasigen Gegend ab, weil das, was unsere Chronik ferner erzählt, theils nicht mehr zu den Scenen des dreyßigjährigen Kriegs gehört, auf die wir uns für dießmahl beschränken wollten, theils aber auch, weil dasjenige, was solche von dem Friedensschluß| selbst erzählt, ohnehin aus der Geschichte bekannt ist.



  1. Die Ausdrücke der Chronik sind: „War vom 16 Januar biß auff d. XI. Hornung sehr lieblichs Frühlings-Wetter; also, daß um Lichtmeß sich die Vögel im Holz, wie im Frühlinge hören ließen.“
  2. Während der Commission soll bereits ein Wirzburgischer Doctor, Namens Leupold, dem Kitzingischen Rathsherrn Brunner gesagt haben, „Kitzingen ist unser, und wenn Brandenburg die Beweise mit Wägen herzu führte“ dieß erzählt unsre vorliegende Urkunde, ohne jedoch die Gründe anzugeben, die den Mann zu dieser Äusserung berechtigten.
  3. Wir behielten hier die treuherzige Sprache unserer Urkunde bey, und glauben besonders bey Ende der Erzählung unsere Leser auf die toleranten Gesinnungen des feindlichen Heerführers aufmerksam machen zu müssen, der seinen Untergebenen mitten im Religionskriege freye Religionsübungen erlaubte, indeß die Verkündiger des Friedens, die Geistlichen, diese nicht nur verboten, sondern auch mit Gewaltthaten dagegen wüteten.     d. H.