Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Jagd in Amerika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 11–12
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Jagd auf einen Puma
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[11] Jagd in Amerika. Keines der wilden Thiere in Amerika springt rascher und keine wilde Bestie greift so kühn und verwegen den Menschen an wie der Panther, wenn er gedrängt wird, und er ist nicht minder kühn und entschlossen gegen andere Thiere, wenn er auf Beute ausgeht; aber es geht ihm eine Eigenthümlichkeit oder Untugend ab, wodurch sowohl der Puma-Löwe als auch der Löwe von Afrika sich auszeichnet – das heißt, er schleicht nie den Fußstapfen des Menschen nach. Wenn er plötzlich einem Menschen begegnet, so wird er sich gewöhnlich, wenn die Begegnung nicht eine ganz nahe ist, in den Wald zurückziehen; sobald er aber sieht, daß ihm der Rückzug abgeschnitten ist oder daß er von einem Hunde verfolgt wird, dann macht er durch mehre furchtbare Sprünge einen entschlossenen wüthenden Angriff. Der „Rastro“ oder die Spur, welche der Panther zurückläßt, ist fast ganz wie die des Puma-Löwen; aber es giebt einen kleinen Unterschied, an welchem das Auge des geübten Jägers – aber auch nur eines solchen – erkennt, welches Thier diesen Pfad gegangen ist. Der Panther – und hier muß ich einfügen, daß ich mir erlaube, die Wörter Panther und Tiger als gleichbedeutend zu brauchen – setzt seinen Fuß flach auf den Boden und hebt ihn so gleichmäßig wieder empor, daß auf nassem Boden oder im Sande ein vollständiger Abdruck zurückbleibt; aber der Puma, der im Verhältniß zu seiner Größe eine größere Pfote hat, wirft mit dem Ballen des Fußes, indem er ihn erhebt, hinten etwas Sand oder Erde aus, und so unbedeutend der Unterschied dem Anscheine nach auch sein mag, so ist er doch für den verfolgenden Jäger von großer Wichtigkeit, da sich die beiden Thiere auch in ihren Gewohnheiten sehr von einander unterscheiden.

Der Panther richtet unter Rindern und Pferden, welche im Walde herum streifen, unberechenbaren Schaden an, vorzüglich aber unter den jungen Thieren; alte Stiere und selbst Kühe gewinnen ihm jedoch zuweilen den Sieg ab.

Ein Stier, der einem meiner Bekannten gehörte, hatte so viele Kühe durchbohrt, daß man ihn endlich mit dem Lasso einfing und seine Hörner abstumpfte, damit er fernerhin kein Unheil anstiften könnte. Einige Wochen später wurde auf der Savanna eine Kuh von einem Panther getödtet und der zertretene Boden sowie der entsetzlich zerrissene Kopf und Hals desselben Stieres bewiesen deutlich, daß er für jene Kuh den Kampf gewagt hatte. Man fing ihn ein, versah seine Wunden mit den nöthigen Pflastern und gab seinen Hörnern eine sehr scharfe Spitze; hierauf entließ man ihn wieder in die Savanna, wo noch immer die todte Kuh lag, von welcher man während des Tages die wilden Hunde und Geier verscheucht hatte. „Wohlan, Don Jorge,“ sprach mein Bekannter und zog eine altmodische Uhr heraus, die ungefähr fünfzehn Schillinge werth war – „ich wette diese kostbare Uhr gegen tausend Dollars“ – offenbar schätzte er seine Uhr auf tausend Dollars – „daß es heute Nacht einen Kampf giebt.“ Natürlich ging ich auf die Wette nicht ein, aber der Panther kehrte allerdings, wie man erwartet hatte, bei Anbruch der Nacht zu seinem Schmause zurück und es mußte ein wüthender Kampf zwischen ihm und dem Stiere stattgefunden haben, denn man fand am nächsten Morgen neben der todten Kuh einen sehr großen todten Tiger, der vielfach durchbohrt war. Ein großer Theil dieser Wunden mußte ihm nach seiner Tödtung beigebracht worden sein, denn die Wuth des Stieres hatte sich bei Tagesanbruch noch keineswegs vermindert. Der Sieger kehrte von Zeit zu Zeit immer wieder zu dem gefallenen Feinde zurück und durchbohrte und stieß ihn in verzweifelter Wuth aufs Neue mit seinen Hörnern. Aber auch der Stier war mit neuen Wunden bedeckt; man durfte es jedoch nicht wagen, sich ihm zu nähern, und erst als er nach dem Flusse ging, um sich zu erfrischen, was ihm sehr nöthig war, konnte man ihm den Lasso überwerfen und seine Wunden schließen, was größtentheils durch Zunähen geschehen mußte. Der Stier behielt jedoch eine so große Vorliebe für den Gebrauch seiner Hörner, daß sie ihm leider bald wieder abgestumpft werden mußten.

Die Pantherjäger jagen gewöhnlich paarweise und einer von ihnen ist mit zwei aus hartem Holze gefertigten Speeren bewaffnet, die scharf gespitzt, zuweilen auch mit eisernen Spitzen versehen sind. Einer dieser Speere ist ungefähr zehn Fuß lang, der andere ungefähr drei Fuß kürzer; doch werden beide dicht zusammengehalten, damit der kürzere den längeren ersetze, im Fall dieser abgebrochen wird. Der andere Jäger führt entweder Bogen und Pfeil oder irgend eine Feuerwaffe, da aber Schießgewehre überhaupt selten sind, so bedient man sich auf dieser Jagd meistentheils nur der Bogen und der Pfeile. Wenn der Panther sich auf einen Baum geflüchtet, oder in die Enge getrieben, Halt gemacht hat, nähert sich der Mann mit den Speeren und läßt sich auf ein Knie nieder, indem er die beiden Speere fest anlegt, und ihre Spitzen gerade auf die Brust des zum Sprunge bereiten Thieres richtet. Der Mann mit dem Bogen oder der Flinte steht unmittelbar hinter ihm und schießt auf den Panther, sobald dieser den letzten Sprung thut. Zuweilen genügt der Schuß, das Thier zu Boden zu strecken, besonders wenn es in der Mitte des Kopfes oder am Halse getroffen wird; ist dies nicht der Fall, so stößt der Panther ein furchtbares Gebrüll aus und macht, einen wüthenden Sprung gegen seine Feinde. Hiermit beginnt der gefährlichere Theil des Kampfes. Springt der Panther, wie es gewöhnlich geschieht, mit weit ausgebreiteten Vorderbeinen, dann ist die Gefahr nicht sehr bedeutend, weil er sich dann an den großen und zuweilen auch zugleich an den kürzeren Speer spießt, so daß der Jäger ohne Furcht in seiner Nähe bleiben kann; springt er aber, was zuweilen selten vorkommt, mit enggeschlossenen oder gekreuzten Beinen, so zerbricht oder beseitigt er durch einen einzigen Schlag seiner Pfote die stärkste Lanze und in einem solchen Falle ist der Jäger allerdings einer bedeutenden Gefahr ausgesetzt. Das einzige Hülfsmittel bleibt nun der Kampf mit dem Messer oder irgend einer andern Waffe. Ein kurzer Bericht von einer dieser Jagden, die sich von den ostindischen Tigerjagden wesentlich unterscheiden, giebt vielleicht ein besseres Bild als jede allgemeine Bemerkung.

Man hatte ein Joch zahmer Ochsen mit einem aus Thierhaut gedrehten Stricke an den Hörnern zusammen gebunden und ihnen Raum genug zum Weiden gegeben. Früh am nächsten Morgen kam ein Indianer herein, um zu melden, daß die Ochsen verschwunden seien, daß an der Stelle, wo er die Spur gefunden, viel Blut liege und daß der „Rastro“ oder die Fährte so breit sei, wie der nahe Fluß.

Mein alter Freund, der Tigrero war zufällig in der Nähe. Er wurde herbeigerufen und um acht Uhr Morgens begann er, mit seinen Speeren bewaffnet und von zwei anderen Männern begleitet, von welchen der eine eine Doppelflinte, der andere ein einfaches Gewehr trug, die Verfolgung der Fährte, auf welcher einige kleine Hunde vorangingen. Die großen Hunde waren sämmtlich eingesperrt worden, da sie von keinem Nutzen sein konnten und jedenfalls getödtet worden wären.

Die Fährte war vier oder fünf Ellen breit und zeigte, einen steilen Abhang hinanführend, die Spuren eines heftigen Kampfes und auf dem Gipfel des Hügels, über welchem viele Geier sich drehten, fand man die beiden Ochsen, von welchen der eine todt, zerfleischt und zum Theil schon aufgezehrt, der andere aber noch unverletzt war, und das lebendige Thier war es wahrscheinlich gewesen, welches die Geier bis jetzt verhindert hatte, seinen todten Gefährten vollends zu verzehren. Von der Stelle, wo der Ochse getödtet worden war, bis zu dem Gipfel des Hügels mußte wenigstens eine Entfernung von einer Viertelstunde sein und dennoch war nur die Spur eines einzigen Panthers zu entdecken – große schwerfällige Fußstapfen; auf dem Gipfel des Berges zeigten sich noch zwei andere Spuren, die jedenfalls von dem Weibchen und dem Jungen oder „Cachorro“ wie man es nennt, herrührten. Welche erstaunliche Kraft mußte das Männchen angewendet haben, um den Ochsen, welchen es getödtet, und mit diesem zugleich dessen lebendigen Gefährten, welcher sich, wie die Spur zeigte, dem wilden Führer widersetzt hatte, einen so steilen Abhang hinanzuziehen.

Die kleinen Hunde wurden dann auf die Fährte gewiesen, die sie flink [12] und munter verfolgten; sie war zwar auf dem Sacate-Grase ziemlich deutlich sichtbar, würde sich aber ohne Hunde nicht so leicht haben verfolgen lassen. Nach einem halbstündigen Laufe erreichte man endlich den Fuß einer sandigen Höhe, wo die frische Spur nicht mehr zweifeln ließ, daß die vierfüßigen Räuber ganz in der Nähe waren. Die kleinen Hunde wurden in das Dickicht zurückgetrieben und zur Ruhe verwiesen, und die Jäger erstiegen hierauf so schnell wie möglich die Höhe. Auf dem Gipfel angelangt, sahen sie in einer Entfernung von ungefähr dreißig Schritten einen großen männlichen Panther, ein Weibchen und ein starkes Cachorro, die sich auf dem Sande herumwälzten und von ihrem blutigen Schmause reinigten.

Das Weibchen und das Junge flüchteten sich augenblicklich nach dem jenseitigen Dickicht, jeder der beiden mit Flinten bewaffneten Jäger feuerte auf das Weibchen, aber es verschwand in dem Gebüsche. Der männliche Panther benahm sich anders; er bot den Verfolgern die Stirne und ging ihnen wüthend brummend aber ruhig und entschlossen entgegen, bis ihm, als er ungefähr noch zehn Schritte von ihnen entfernt war, die Ladung des dritten Laufes in den Hals gefeuert wurde; aber der Schuß traf den Hals etwas zu nahe an der Brust, als daß er hätte eine augenblickliche Wirkung haben können, und der Panther, noch keineswegs entmuthigt, duckte sich plötzlich nieder und machte mit einem doppelten Gebrüll, das sich nicht recht beschreiben läßt, aber viel Ähnlichkeit mit zwei kurzen Donnerschlägen hat, einen furchtbaren Sprung. Er sprang, wie unter zehn seines Gleichen neun zu springen pflegen, mit weit geöffneten Vorderbeinen als hätte er etwas umfassen wollen, und fast in demselben Augenblicke drang die Lanze des Tigrero wenigstens vier Fuß tief in seinen Körper. Die Spitze hatte sich gerade in die Mitte der Brust gebohrt und den Panther vollkommen aufgespießt, aber mit einem einzigen Schlage seiner mächtigen Vorderpfote zerbrach er die Lanze dicht an seinem Körper so leicht, als wäre sie ein Strohhalm gewesen; da man ihn aber in seinem Sprunge aufgehalten hatte und die Jäger auf die Seite gesprungen waren, so konnten sie ihn jetzt mit ziemlicher Sicherheit beobachten, da er nicht im Stande war, sich umzuwenden und ihnen zu folgen. Er war keine zehn Ellen von den Jägern entfernt, welche die Gelegenheit benutzten, aufs Neue zu laden; aber seine Kraft war gebrochen und langsam und mit Mühe sich fortschleppend, suchte er den Schutz eines in der Mitte des Gipfels befindlichen Busches zu gewinnen, wo er sich sehr langsam und bedächtig niederlegte, denn jede Bewegung mußte ihm sehr großen Schmerz verursachen. Nachdem er sich jedoch vollständig unter dem Busche verborgen hatte, stieß er von Zeit zu Zeit ein eigenthümliches Geschrei aus, welches mit seinem gewöhnlichen Gebrüll keine Aehnlichkeit hatte, sondern, wie der alte Indianer sagte, ein Hülferuf war, durch welchen er sein Weibchen herbeirufen wollte; aber es kam nicht und aus gutem Grunde, denn hätte es seinen Hülferuf gehört, so würde es ohne Zweifel herbeigeeilt sein. Das Blut floß aus Maul und Nüstern des Panthers; sein Geschrei wurde schwächer und schwächer; er versuchte es, sich zu erheben, aber es gelang ihm nicht, seine Kraft war dahin, wenn auch das Leben noch einige Augenblicke ausdauerte, und endlich legte er seinen Kopf zwischen die Vorderpfoten, stieß noch einige halberstickte Seufzer aus und hatte geendet. Sein erstarrender Körper hätte in dieser Lage ein schönes Modell für einen Bildhauer abgeben können.

Nachdem man dem gefallenen Panther einen zweiten Speer durch den Leib gestoßen hatte, wurden die kleinen Hunde herbeigerufen und auf die Fährte der Pantherin und des Jungen gewiesen; als man jedoch an den Eingang des Dickichts kam, sah man sie todt in dem Gebüsche liegen, sie war von einem der beiden Schüsse, die man auf sie abgefeuert hatte, tödtlich getroffen worden, wie eine dicht am Kopfe befindliche Halswunde zeigte, und hatte daher dem Hülferufe ihres Männchens allerdings nicht folgen können; wäre sie am Leben gewesen oder hätte sie nur eine schwere Wunde gehabt, so würde sie ihn nicht haben vergebens rufen lassen. Das Cachorro wurde bis zum Anbruch der Nacht gesucht, aber weder Hunde noch Jäger konnten seine Spur entdecken. Wahrscheinlich hatte es sich in einen hohlen Baum geflüchtet.