BLKÖ:Zellner, Leopold Alexander

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Zeller, Karl
Nächster>>>
Zellner, Christoph
Band: 59 (1890), ab Seite: 312. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Leopold Alexander Zellner in Wikidata
GND-Eintrag: 116978759, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Zellner, Leopold Alexander|59|312|}}

Zellner, Leopold Alexander (Compositeur, geb. zu Agram in Croatien am 23. September 1823). Sein Vater Zacharias war Domorganist zu Agram und starb daselbst am 6. Februar 1875. Den ersten Unterricht in der Musik erhielt Leopold von seinem Vater, erlernte früh das Cello-, Orgel- und Oboespiel und versuchte sich auch als Kind in der Composition. Mit 15 Jahren wurde er Organist in der Katharinenkirche, dann trat er bei dem k. k. Verpflegsamte ein und diente in demselben zehn Jahre. Nachdem er 1849 diese Stelle aufgegeben, ging er nach Wien, ertheilte Unterricht in der Musik und arbeitete als Musikreferent bei der von Kuranda redigirten „Ostdeutschen Post“. Im Jahre 1855 gründete er selbst die Blätter für Musik“, die er bis 1868 – mit kurzer Unterbrechung während der Zeit, als er 1858 zum Journal „Neu-Wien“ übergetreten, das aber nach wenigen Monaten zu erscheinen aufhörte – redigirte und damit ein Organ schuf, welches für die Musik- und auch Kunstgeschichte Wiens reiches Material darbietet. 1859 führte er auch die „historischen Concerte“ in Wien ein, welche großen Anklang fanden und bis 1866 fortgesetzt wurden. Am 1. October 1868 übernahm er nach dem 1867 erfolgten Tode Simon Sechter’s dessen Stelle als Harmonielehrer am Wiener Conservatorium und wurde im folgenden Jahre Generalsecretär der Gesellschaft der Musikfreunde, welchen Posten er zur Stunde noch bekleidet, überließ aber unter Einem die Redaction der „Blätter für Musik“ an Ludwig Oppenheimer, der seit 15 Jahren Hauptarbeiter derselben war. Ein virtuoser Harmoniumspieler, gab er als solcher öfter Concerte, wirkte auf seinem Instrumente in seinen historischen Concerten mit und hat nebstbei für dasselbe einzelne Verbesserungen erdacht. Als Componist schrieb er Messen, Oratorien, dann viele Clavierstücke, Cellosachen und mehrere Chorlieder, zahlreiche Arrangements für das Harmonium ungerechnet. Von seinen größeren Werken nennen wir: „Vortragsstudien für [313] das Harmonium. Eine Anzahl von Tonstücken berühmter Meister“ (Schubert, Beethoven, Rameau, Boieldieu, Mozart, Bach, Haydn, Rubinstein), 3 Hefte (Wien 1864, Spina); „Altfranzösischer Weihnachtsgesang, für Sopransolo, vierstimmigen Männerchor mit Harmonium“, Partitur und Stimmen (ebd. 1864); – „Zwölf Choräle für Harmonium“ (ebd. 1867, Haslinger); – „Die Kunst des Harmoniumspiels. Eine Reihe von Tonstücken fortschreitenden Schwierigkeitsgrades“, mehrere Hefte (Wien 1869, Spina); auch setzte Zellner die seinerzeit von Fischhof begonnenen „Classischen Studien“ für das Pianoforte, welche den Wiederabdruck hervorragender Compositionen von J. Ph. Allegro, J. S. Bach, Ciaccona, F. Couperin, Händel, Kirnberger, Pachelbel u. A. enthalten, fort. Durch seine Harmoniumschule mit einem theoretischen und praktischen Theile, wie durch die mit Herausgabe älterer musicalischer Classiker verbundene Einführung historischer Concerte, welche er eine ganze Jahreswoche hindurch (1859–1866) mit einer der Sache würdigen Hingebung geleitet, besitzt er unleugbare Verdienste um das musicalische Leben Wiens, das durch die der 1848er Bewegung folgende Stagnation seine einstige Glorie wenn noch nicht ganz verloren, doch beträchtlich eingebüßt hat.

Riemann (Hugo Dr.). Musik-Lexikon. Theorie und Geschichte der Musik, die Tonkünstler alter und neuer Zeit u. s. w. (Leipzig 1882, Bibliographisches Institut, br. 12°.) S. 1028. – Hanslick (Eduard). Geschichte des Concertwesens in Wien (Wien 1869, Braumüller, gr. 8°.) S. 419 und 432.