BLKÖ:Prohaska von Guelphenburg, Franz Adolph Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 326. (Quelle)
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Prohaska von Guelphenburg, Franz Adolph Freiherr (k. k. General der Cavallerie und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Pisek in Böhmen 19. Mai 1768, gest. zu Wien 20. August 1862). Mit 21 Jahren, am 21. Jänner 1789, betrat P. die militärische Laufbahn, indem er sich anfänglich dem Auditoriate widmete. Im Jahre 1792 wurde er im Ottočaner Grenz-Regimente als Cantons-Auditor angestellt und erhielt schon zwei Jahre später in Folge seiner ausgezeichneten Verwendbarkeit den Hauptmanns-Charakter. 1795 zu dem am Rhein stationirten Grenz-Huszaren-Regimente übersetzt, ließ er sich schon damals freiwillig auch zum Dienste vor dem Feinde verwenden, bis er sich 1799, ungeachtet des Verlustes an Rang und Gage, getrieben von einem unüberwindlichen Thatendurste, als Oberlieutenant in den activen Dienststand des Regiments [327] einreihen ließ. Nachdem P. schon im Februar 1800 außer der Tour zum Rittmeister befördert worden, machte er den Feldzug vom J. 1805 als Escadronscommandant bei Erdödy-Huszaren mit, wurde nach Beendigung desselben von Sr. kais. Hoheit dem Erzherzog Karl bei der Ausarbeitung des neuen Militär-Reglements und während des Krieges von 1809 bereits als Major in der Suite des Erzherzogs verwendet. Während des Friedens, der dem Jahre 1809 folgte, wurde P. als Oberstlieutenant zu Radetzky-Huszaren übersetzt. Die neuerdings ausgebrochenen Kriege und besonders die Jahre 1813 und 1814 boten auch ihm, wie so vielen Anderen, Gelegenheit, sich rühmlich hervorzuthun. So focht er im Jahre 1813 gegen den Vice-König von Italien an den Ufern der Save und Feistritz mit großer Bravour und Umsicht, und nahm am 8. September bei dem Angriffe auf Tschernitz an der Gefangennahme der Brigade Belluti mit ihrem Commandanten, Geschütz und Trophäen thätigen Antheil. Acht Tage später trug P. Bedeutendes zur Behauptung der wichtigsten Position der österreichischen Truppen bei Kreuz bei, welche von einer bedeutend überlegenen feindlichen Macht angegriffen wurde. Während des feindlichen Sturmes attaquirte er mit 150 Mann Huszaren das fast viermal so starke feindliche Dragoner-Regiment De la Regina, warf es in Unordnung, drang auf die stürmende Infanterie ein, fiel dieser, ungeachtet des mörderischen Geschützfeuers, welches die feindliche Artillerie entwickelte, in die rechte Flanke und verschaffte dadurch den österreichischen Truppen die Möglichkeit, den Feind vollends aus seiner Position zu verdrängen, was für den linken Flügel der Hauptarmee von großer Wichtigkeit war. Im October desselben Jahres zum Obersten befördert, commandirte P. die Vorhut des vom Feldmarschall-Lieutenant Radivojevich befehligten Armeecorps. Nachdem er dann unter fortwährenden Gefechten, bei denen er dem Feinde vielen Schaden zugefügt, den Isonzo und Tagliamento, die Piave und Etsch überschritten, kam es am 8. December zur Schlacht bei Rovigo, welche ihm neuerdings Gelegenheit bot, seine Umsicht und seinen militärischen Scharfblick zu bewähren. Während General Graf Starhemberg den feindlichen Divisions-General Marcognet bei Conca di Rame zurückschlug, drängte eine andere, bedeutend stärkere Colonne unter Couchi von Rovigo her in den Rücken der Oesterreicher, welcher es gelang, die ihr entgegenstehenden Truppen in Unordnung zurückzuwerfen, fast bis an den Etschdamm vorzudringen, worauf sie bald Herrin der einzigen vorhandenen Brücke bei Voara geworden wäre, hätte nicht P. in diesem Augenblicke die drohende Gefahr erkannt, die weichenden Truppen zu neuem Muthe entflammt und ungeachtet des mörderischen Kartätschenfeuers dem Feinde entgegengeführt. Allein alle seine Versuche scheiterten an der Zähigkeit seines Gegners; da griff P. zum letzten Mittel, er stellte sich selbst an die Spitze seiner braven Huszaren und hieb nun in die feindliche Infanterie mit solchem Erfolge ein, daß er sie nach einem verzweifelten Widerstande in einen Verhau warf und endlich auch aus diesem heraus und in die Flucht schlug, was die Occupation bis an den Po über Pollisella und die Verbindung mit den Engländern und mit der Abtheilung des Feldmarschall-Lieutenants Nugent zur Folge hatte. Am 16. Februar 1814 erhielt P. den Auftrag, mit 500 Mann und 3 Geschützen den viermal stärkeren [328] Feind bei Fiorenzuola anzugreifen. Er that es und warf den Feind. Als ihn jedoch der feindliche General Severolli mit der Hauptmacht bei Cadeo erwartete und die kleine Truppe sah, deren Verwegenheit er doch bewundern mußte, ging er zur Offensive über. P. befand sich nun in einer höchst kritischen Lage; Unterstützung war keine zu hoffen, da das Hauptcorps zu spät von Parma aufgebrochen und es von höchst nachtheiligen Folgen sein konnte, wenn er das Gefecht verlor. Da griff denn P. zu dem alten Mittel, das sich ihm schon so oft und stets mit glänzendem Erfolge bewährt hatte. Er stellte sich an die Spitze seiner Huszaren und stürzte mit Todesverachtung auf den Feind, welcher diesen Angriff nicht aushalten konnte und die Flucht ergriff, nachdem das Gefecht acht Stunden gedauert hatte. Die neueingeleiteten Operationen versetzten P. bald darauf nach Rubiera, wo er im Vormarsche nach Castel Guelfo (Guelphenburg) eine höchst schwierige Aufgabe löste. Der Feind hatte am 7. März bei Reggio, 6000 Mann stark, hinter einem tiefen Wassergraben, welcher weder durchwatet, noch umgangen werden konnte, Posto gefaßt. Alle Angriffe der österreichischen Truppen waren vier Stunden hindurch vergeblich. Da erbot sich P., dem Gefechte eine andere Wendung zu geben, indem er die auf der Hauptstraße befindliche, aber mit einem Verhaue geschützte und sehr stark armirte Brücke mit dem Bajonnet nehmen wolle. Er führte diesen Entschluß mit einer Division Benjowsky-Infanterie und einer Abtheilung Cavallerie, trotz des mörderischen Feuers, welches ihm seine Ordonnanz und sowohl ihm, als seinem Adjutanten die Pferde unter dem Leibe tödtete, aus, stürmte die Brücke, nahm den schwer verwundeten General Severolli und viele Officiere gefangen und zwang den Feind, Reggio zu räumen und sich hinter den Taro zurückzuziehen. Am 13. April desselben Jahres ging P. mit der Avantgarde im Angesichte des Feindes über den Taro, stürmte die nach Castel Guelfo führende verschanzte Position und erzwang die Vereinigung mit der rechten Flügelcolonne, wurde aber bei dieser Gelegenheit schwer verwundet. Für diese ausgezeichneten Dienste, besonders für seine tapfere Waffenthat bei Rovigo, wurde P. mit Allerh. Handschreiben ddo. Paris 1. Juni 1814 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens verliehen. Am 25. März 1814 wurde P. mit seinem Regimente die Ehre zu Theil, Papst Pius VII. aus der französischen Gefangenschaft zu übernehmen und durch eine Division des Regimentes über Parma nach Rom geleiten zu lassen. Der Papst schmückte ihn dafür mit dem Christus-Orden und schenkte dem Regimente eine kostbare Standarte, die sich im Arsenale zu Wien befindet. Im Feldzuge 1815 wurde P. als mobiler Platzcommandant im Hauptquartier des Fürstens Schwarzenberg und später als dirigirender General-Adjutant bei dem Erzherzog Karl in Verwendung gezogen. Im Jahre 1816 wurde P. mit Allerh. Handschreiben vom 2. Juli in den österreichischen Freiherrnstand mit dem Prädicate Guelphenburg zur Erinnerung an seine bei Castel Guelfo bewiesene Tapferkeit erhoben. Jedoch nicht bloß im Kriege, auch im Frieden leistete P. durch seine hervorragenden Fähigkeiten seinem Monarchen und seinem Vaterlande wichtige Dienste. Der October des Jahres 1824 brachte ihm den Generalsrang und zugleich den Posten eines staatsräthlichen Referenten bei der Justiz-Normalien-Commission des Hofkriegsrathes. 1832 [329] wurde er in dieser Stellung zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Im Juni 1835 erfolgte P.’s Ernennung zum geheimen Rathe, zum zweiten Vice-Präsidenten des Hofkriegsrathes und zum Inhaber des 7. Linien-Infanterie-Regimentes. 1840 wurde er Chef der Militärsection im Staatsrathe, welches einflußreiche Amt er bis 1848, wo die Auflösung desselben erfolgte, bekleidete. Im Jahre 1849 trat P. nach 60 ruhmvollen Dienstjahren, während welcher er 11 Feldzüge mitgemacht und dreimal bedeutend verwundet worden, in den wohlverdienten Ruhestand. Er starb in seinem 93. Lebensjahre. Vor seinem Ableben, als er seine Kräfte immer mehr und mehr schwinden fühlte, ließ er noch folgenden Gruß an sein tapferes Regiment nach Klagenfurt telegraphiren: „An das 7. Linien-Infanterie-Regimentscommando zu Klagenfurt. Meinem vielgeliebten braven Regiments, welches meinen Namen mit so vielen Siegesblättern schmückte, übersende ich, nun am Schlusse meiner Lebensepoche stehend, meinen innigsten Dank und letzten herzlichen Gruß“. Wien, 20. August 1862.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 2. Juli 1816. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1270 u. 1749 [gibt Prag und das Jahr 1773 als Geburtsort und Jahr an]. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, kl. 8°.) XIV. Jahrg. (1863), S. 207. – Militär-Zeitung, redig. von Hirtenfeld (Wien, 4°.) Jahrg. 1862, S. 542 u. 550. – Oesterreichische militärische Zeitschrift, herausg. von Schels (Wien. 8°.) Jahrg. 1824, 2. Heft, 4. Aufsatz. – Wiener Zeitung 1862, Nr. 184, und ebenda 1862, im Tagesberichte in Nr. 194 und 198. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien. 4°.) 1862, Nr. 233. – Vaterland (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1862, Nr. 195. – Tagespost (Gratzer polit. Blatt) 1862, Beilage zu Nr. 194. – Cours-Blatt (Beilage der Gratzer Zeitung) 1862, Nr. 195. – Brünner Zeitung 1862, Nr. 196. – Didaskalia, 1862, Nr. 235 u. 236, in diesem und den vorgenannten Blättern verschiedene „Nekrologe“. – Biographie des hommes vivants ou histoire par ordre alphabétique de la vie publique de tous les hommes qui se sont foit remarquer par leurs actions ou leurs écrits (Paris 1819, L. G. Michaud, 8°.) Tome V, p. 114. – Da der General der Cavallerie Franz Adolph Freiherr Prohaska von Guelphenburg unverehelicht blieb, so ist mit Allerh. unterzeichnetem Diplom Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. ddo. Wien 14. Juli 1862 der Freiherrntitel nebst Prädicat und Wappen auf seinen Adoptivsohn Adolph Stadler-Prohaska übergegangen, der damals im Regimente seines Adoptivvaters als Hauptmann diente. Freiherr Adolph Stadler-Prohaska von Guelphenburg (geb. 31. August 1817 zu Brünn) ist (seit 17. April 1853) vermält mit Hubertine Josepha Wagner (geb. 8. April 1830, gest. 27. November 1861), Tochter des k. k. Rathes und Stabsarztes Dr. Peter Wagner aus seiner Ehe mit Therese, gebornen Prohaska. Freiherr Adolph hat aus seiner Ehe die Kinder Adolph Franz (geb. 12. Jänner 1854) und Maria Aloisia (geb. 17., gest 22. Mai 1857). – Wappen. Schild, der Länge nach getheilt; rechts in Gold am rechten Schildrande ein Wald, aus welchem ein Eber hervorbricht in natürlicher Gestalt und Farbe; links in Silber ein blaues Schildeshaupt, in welchem ein goldener und. silberner Schlüssel in Form eines Andreaskreuzes liegt und in dem unteren Theile des Feldes zeigt sich auf einem schroffen Felsen eine gezinnte Burg mit einem Thurme und mit geschlossenem Thore. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm erhebt. Aus der Krone des Helmes wächst ein aufgerichteter, blaugekleideter Arm, welcher einen zum Wurfe gerichteten Pfeil hält, hervor. Helmdecken. Rechts schwarz mit Gold, links blau mit Silber belegt.