Benutzer:A. Wagner/Kupferstich-Kabinett (Dresden) Galeriewerk Woermann Mappe 3

Mappe 2 Handzeichnungen alter Meister im Königlichen Kupferstichkabinet zu Dresden (1896–98)
von Karl Woermann
Mappe 4


HANDZEICHNUNGEN
ALTER MEISTER


IM


KÖNIGLICHEN KUPFERSTICHKABINET
ZU DRESDEN[1]


HERAUSGEGEBEN UND BESPROCHEN
VON


DR. KARL WOERMANN


DIREKTOR DER KÖNIGLICHEN GEMÄLDE-GALERIE ZU DRESDEN


DRITTE MAPPE


MÜNCHEN


FRANZ HANFSTAENGL


1896
DEUTSCHE MEISTER DES XVI. UND XVII. JAHRHUNDERTS


TAFEL IBearbeiten

HANS BURGKMAIR Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1473; gestorben daselbst 1531. Schüler seines Vaters Thoman Burgkmair in seiner Vaterstadt. Weitergebildet unter Martin Schongauer in Colmar, unter dem Einflüsse Albrecht Dürers in Nürnberg, und wohl der Venezianer. Hans Burgkmair d. ä. (wie er im Gegensatz zu seinem wenig bedeutenden gleichnamigen Sohn manchmal genannt wird) ist neben Hans Holbein d. ä. der Hauptmeister der schwäbischen Schule vor Hans Holbein d. j.

75. BILDNIS DES THOMAN BURGKMAIRBearbeiten

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Kohlenzeichnung. Höhe 308, Breite 202 mm. Erworben vor 1765.
Brustbild ohne Hände, nach links gewandt. Der bartlose, runzlige, leidende alte Meister ist ohne Kopfbedeckung, im Hemde und Pelze dargestellt. Bezeichnet links oben mit Tinte an Stelle einer älteren, durchschimmernden Kohleschrift, gleichwohl aber echt, vom Künstler selbst: 22. NOUEMBER. Thoman Burgkmair maler krank 1520.

Dieses schöne, wichtige Blatt wurde in Dresden bisher merkwürdiger Weise für ein Bildnis des Hans Burgkmair von der Hand Lukas Cranachs d. j. ausgegeben (Ludw. Gruners Verzeichnis von 1862, S. 45). Zur Inschrift Thoman (Thomas gelesen) wurde dementsprechend ein Fragezeichen gesetzt. Dass Hans Burgkmairs Vater Thoman geheissen, war gleichwohl längst bekannt; ebenso, dass der jüngere Cranach 1515 geboren war, also diese Zeichnung von 1520 nicht gemacht haben konnte.

Dass das Blatt von dem grossen Hans Burgkmair herrührt und dessen kranken alten Vater Thoman darstellt, beweist zunächst die Inschrift, deren Handschrift mit derjenigen der Namenszeichnung Burgkmairs in dem bekannten Dresdner Manuskript (veröffentlicht durch den Verfasser in der Zeitschrift für bildende Kunst N. F. I. 1890. S. 42) übereinstimmt, beweist aber auch der Charakter der Zeichnung, besonders wenn man sie mit dem früher Dürer zugeschriebenen Selbstbildnis Burgkmairs von 1511 in der Hamburger Kunsthalle vergleicht. Publiziert ist dieses Selbstbildnis in W. von Seidlitz’ Allgemeinem Porträtwerk VIII–IX (1888) N. 17. – Übrigens ist es schon an sich am wahrscheinlichsten, dass der eigene Sohn den alten kranken Thoman Burgkmair gezeichnet habe.

TAFEL IIBearbeiten

HANS BURGKMAIR ? Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1473; gestorben daselbst 1531. Näheres zu Tafel I.

76. EIN HEILIGER BISCHOFBearbeiten

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Getuschte Federzeichnung. Höhe 372, Breite 280 mm. Erworben vor 1765.
Mit der Rechten auf seinen Krummstab gestützt, in der Linken ein Täschchen haltend, steht der Bischof, halb nach links gewandt, vor einer reichen Burg- und Berg-Landschaft da. Sein mit der Mitra geschmücktes Haupt umgibt ein (von späterer Hand nachgezogener) Heiligenschein.

Die meisten Kenner sind noch heute geneigt, dieses Blatt Hans Burgkmair zuzuschreiben. Einem leisen Zweifel an der Urheberschaft dieses Meisters aber gab Scheibler schon 1883 Ausdruck.

TAFEL IIIBearbeiten

HANS BURGKMAIR ? Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1473; gestorben daselbst 1531. Näheres zu Tafel I.

77. EIN FACKELHALTENDER KÖNIGBearbeiten

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Getuschte Federzeichnung. Höhe 322, Breite 194 mm. Erworben 1851 auf der „Auktion vom 8. Dezember“ wohl zu Dresden.
Der vollbärtige Herrscher steht im Harnisch und Mantel von vorn gesehen da. Sein lockiges Haupt trägt eine Krone. Sein Schwert hängt an seiner Linken. In der Rechten hält er eine brennende Fackel, die Linke stützt er auf einen mit Lilien geschmückten Schild, über dem eine Krone angebracht ist.

Früher wurde dieses Blatt unbestritten dem älteren Hans Burgkmair zugeschrieben. Auch Scheibler bezeichnet dies noch 1883 als „wohl richtig“. Die leisen Zweifel, die in dieser Ausdrucksweise liegen, sind inzwischen durch erneuerte Vergleiche mit anderen Zeichnungen Burgkmairs verstärkt worden. W. von Seidlitz warf die Frage auf, ob nicht der jüngere Burgkmair das Blatt gezeichnet haben könne. Jedenfalls scheint es mit Recht der schwäbischen Schule zugewiesen worden zu sein.

TAFEL IVBearbeiten

HANS HOLBEIN D. J. Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1497; gestorben zu London 1543. Schüler seines Vaters Hans Holbein d. ä. in Augsburg. Seit 1515 lebte Hans Holbein d. j. in Basel. In die Jahre 1526 bis 1528 fällt sein erster Besuch Londons. Von 1528 bis 1531 wohnte er wieder in Basel, nach dieser Zeit hauptsächlich in London. Er ist der Hauptmeister der schwäbischen Schule, neben Dürer der grösste Künstler, den Deutschland hervorgebracht hat.

78. BILDNIS DES MORETTEBearbeiten

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Kreidezeichnung mit leichten Farbenandeutungen. Höhe 325, Breite 245 mm. Erworben 1860 auf der Versteigerung des Nachlasses des Kunsthändlers S. Woodburn in London.
Brustbild ohne Hände, von vorn gesehen. Der Herr mit ergrauendem Vollbart trägt ein schwarzes Barett und eine Pelzschaube.

Es ist Holbeins Originalzeichnung zu dem berühmten Bildnisse des Morette in der Dresdner Gemäldegalerie. Die dargestellte Persönlichkeit galt für Ludovico Sforza il Moro von Mailand, so lange das Bild irrtümlich Leonardo da Vinci zugeschrieben wurde. Gerade durch Wenzel Hollars Stich von 1647 nach unserem Blatte wurde erwiesen, dass, wie unsere Zeichnung, so auch das Bild, von Holbein herrühre und einen gewissen Morett darstelle. Diesen hielt man für den englischen Goldschmied Hub. Morett, bis S. Larpent nachwies, dass es wahrscheinlicher den französischen Sieur de Morette am Hofe Heinrichs VIII. in London darstelle. Näheres in des Verfassers grossem Katalog der Dresdner Galerie, dritte Auflage, 1896, S. 614.

Nach Maassgabe der Besitzerstempel unten rechts, gehörte die Zeichnung den Sammlungen Richard Houlditch (gest. 1736), Jonathan Richardson jr. (gest. 1774) und William Esdaile (gest. 1837), ehe Sam. Woodburn sie erwarb. Ihre Echtheit ist allgemein anerkannt. Man vergleiche Woltmanns „Holbein“, zweite Auflage I., S. 428 f. und II., S. 124; und Osk. Berggruens Aufsatz in den „Graphischen Künsten“, VI., Wien 1884, S. 81–88.

In Dresden wurde die Zeichnung, um den Vergleich mit dem Bilde zu erleichtern, nicht der Handzeichnungen-Sammlung des Kupferstich-Kabinets, sondern der Gemäldegalerie einverleibt.

TAFEL V (ZWEI BLATT)Bearbeiten

HANS HOLBEIN D. J. Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1497; gestorben zu London 1543. Näheres zu Tafel IV.

79. EIN STEHENDES NACKTES KINDBearbeiten

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Federzeichnung in verblasster Tinte. Höhe 93, Breite 52 mm. Erworben vor 1765.
Das nackte Kind ist in der Rückansicht dargestellt. Die Hände der Mutter, die es unter den Armen halten, sind mit zu sehen. Es ist eine Studie nach dem Leben.

Die Echtheit dieses Blattes ist bislang nicht bestritten worden. Auch Alfr. Woltmann hat sie in seinem Werke „Holbein und seine Zeit“ (2. Aufl. II., Leipzig 1876, S. 124, N. 147) anerkannt. Ebenso hat Scheibler sich ausgesprochen. Dagegen wurden neuerdings beachtenswerte Stimmen laut, die das hübsche Blättchen eher dem älteren Holbein zuschreiben zu müssen meinen. Nach Maassgabe der übrigen Zeichnungen desselben wäre dies nicht unmöglich. Woltmann bezeichnete irrtümlich „Silberstift und Kreide“ als die Technik des Blattes.

80. EINE JUNGE FRAU IM KOPFTUCHBearbeiten

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Mit leichten Farben ausgeführte Federzeichnung. Höhe 129, Breite 87 mm. Erworben 1890 auf der Versteigerung der Sammlung des Londoner Kunsthändlers W. Mitchell in Frankfurt a. M.
Brustbild ohne Hände im Profil nach rechts. Der Kopf und das Antlitz sind leicht mit Farben ausgeführt. Das Kleid ist nur weisslich gegründet; doch sind die Stoff- und Farbenangaben hineingeschrieben: Links Damast, in der Mitte Golitge (?), rechts lipfarb (Fleischfarbe). Die Bezeichnung Holbein unten rechts ist schwerlich gleichzeitig. Die Echtheit des Blattes ist bisher nicht öffentlich bestritten worden. Wir glauben an ihr festhalten zu dürfen.

TAFEL VIBearbeiten

CHRISTOPH AMBERGER Schwäbische Schule.Bearbeiten

Geboren um 1500, vielleicht zu Augsburg; gestorben daselbst zwischen Oktober 1561 und Oktober 1562. Vielleicht war er Schüler Hans Burgkmair’s in Augsburg, wo er 1530 in die Zunft aufgenommen wurde. Doch weisen die Weichheit und Farbigkeit seiner Darstellungsweise darauf hin, dass er schon früh venezianischen Einflüssen zugänglich gewesen.

81. DIE GESCHICHTE VOM UNGERECHTEN RICHTERBearbeiten

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Schwarz getuschte Federzeichnung. Höhe 351, Breite 211 mm. Erworben am 1. Oktober 1860 auf der Auktion von Quandt in Dresden.
Unter der aufgespannten Haut und dem Skalp seines wegen Bestechlichkeit hingerichteten Vaters sitzt der mit einem Talare bekleidete junge Richter in einer Renaissancenische. Vor dem Richter steht rechts der König mit seinem Gefolge, sitzt links ein Schreiber zwischen Kriegern und Gerichtsbeamten. Vorn links als Publikum zwei Knaben, rechts zwei Negerzwerge. Im Hintergrunde links ist die Bestechung, rechts die Schindung des ungerechten Richters durch den Henker dargestellt. Über die Geschichte vergl. man Herodot V, 25.

Dieses Blatt wurde früher Hans Holbein zugeschrieben, aber schon von Woltmann als Zeichnung dieses Meisters nicht anerkannt und im Verzeichnis der Werke Holbeins gar nicht erwähnt. Scheibler sagte: „Holbeins Art, doch etwas später“. Dazu stimmt die zuerst von W. von Seidlitz angeregte jetzige Bestimmung des Blattes als Amberger. Zu ihrer Rechtfertigung vergleiche man besonders die Zeichnungen Ambergers, welche im „Jahrbuch der K. K. Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses“ (XI, Wien 1890, S. 197, 198, 199) abgebildet sind.

TAFEL VII (ZWEI BLATT)Bearbeiten

CHRISTOPH AMBERGER Schwäbische SchuleBearbeiten

Geboren um 1500, vielleicht zu Augsburg; gestorben daselbst 1561–1562. Näheres zu Tafel VI.

82. HALBWEIBLICHE ORNAMENTFIGURBearbeiten

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Schwarzgetuschte Federzeichnung. Höhe 158, Breite 111 mm. Erworben vor 1765.
Der weibliche Oberkörper der Figur, der mit Blattflossen statt der Arme versehen ist, läuft in einen pflanzenhaft stilisierten Fischleib aus. – Die moderne Inschrift der Vorderseite entspricht der noch dem 16. Jahrhundert angehörigen in roter Kreide geschriebenen Inschrift der Rückseite: Das hat der aldtmaister Christoff Amberger mit seiner aigen Handt gemacht, ain gewaldiger maller. J. K. Die Aussage dieser offenbar zu Ambergers Lebzeiten verfassten Inschrift zu bezweifeln, liegt kein Grund vor.

OBERDEUTSCHER MEISTER Um 1520. Schwäbische SchuleBearbeiten

83. EIN ZUG GEHARNISCHTER REITERBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 108, Breite 177 mm. Erworben vor 1765.
Der Zug bewegt sich, nach rechts gewandt, durch eine waldige Gegend. Vorn links läuft ein Knappe mit dem Speer in der gesenkten Linken, sein Barett in der erhobenen Rechten schwingend, neben dem Reiter her, der vorn in der Mitte als Hauptgestalt aus der Schar hervortritt. Hinter Letzterem bäumt sich das Ross seines Hintermannes.

Das gute Blatt war bis 1889 als „anonym“ ausgestellt. So im Verzeichnis von 1862, XXIII, 6. Später wurde es eine Zeitlang frageweise auf den Augsburger Meister Leonhard Beck bezogen, der nach S. Laschitzer (Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, VIII, 1888, S. 81–89) eine grosse Anzahl von Zeichnungen zu den Holzschnitten des „Theuerdank“ ausgeführt hat. Gerade der Vergleich unserer Zeichnung mit den Beck zugeteilten Blättern aber lässt uns vollständig von diesem Einfall zurückkommen. Der Zeichner unseres Blattes zeigt eine geistvollere und beweglichere Hand als jener.

TAFEL VIII (ZWEI BLATT)Bearbeiten

NIKOLAUS MANUEL DEUTSCH Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Bern 1484; gestorben daselbst im April 1530. Selbständig durch Nachzeichnen Dürer’scher Stiche gebildet, später unter dem Einfluss des Hans Fries weiterentwickelt. Er war Baumeister, Maler, Dichter und Ratsherr: alles in allem die bedeutendste schweizerische Künstlergestalt des 16. Jahrhunderts.

84. BRUSTBILD EINES JUNGEN WEIBESBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 161, Breite 109 mm. Erworben 1851 auf der Dresdner Versteigerung.
Die junge Frau, die einen Blumenkranz im aufgelösten Haar und eine Salbenbüchse in der linken Hand trägt, steht nach links gewandt an einem Tische, auf dem links ein offenes Kästchen steht, rechts eine Frucht (oder eine Schmink-Quaste?) liegt. An ihrem Gürtel die Buchstaben W. F. D. K. An ihrer Salbenbüchse die Buchstaben N. K. N. K. Sind das entweder nur Zierbuchstaben oder Namensinitialen, so enthält das Spruchband über ihrem Haupte die Inschrift:
ICH HAN BEGERT
DES BIN ICN (für H) GWERT
VND HOF DAS ES BESER WIRD
Bezeichnet links auf dem Täfelchen: N. M.

Allgemein als echt anerkanntes Blatt. So auch von Berth. Haendcke in seiner Schrift „Nikolaus Manuel Deutsch“ (Frauenfeld 1889, S. 62, Anm. und S. 115, N. 147). Haendcke setzt die Zeichnung etwa in’s Jahr 1519 und bezeichnet den Gegenstand frageweise als „Allegorie der Zeit und Liebe“. Vielleicht würde er noch einfacher als „Moderne Magdalena“ bezeichnet.

85. WAPPENHALTENDE FRAUBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 324, Breite 134 mm. Erworben 1890 auf der Versteigerung der Sammlung W. Mitchell aus London in Frankfurt a. M.
Im Schleppkleide und im Federhut steht sie mit lang herabwallendem Haar nach links gewandt da. Mit der Linken hält sie ein leeres Wappenschild, mit der Rechten dessen Tragriemen. Links unten der Stempel der Sammlung Böhm (Verkauf, Wien 1865), rechts unten der Mitchell’sche Stempel.

Gutes Blatt des Meisters.

TAFEL IX (ZWEI BLATT)Bearbeiten

NIKOLAUS MANUEL DEUTSCH Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Bern 1484; gestorben daselbst im April 1530. Näheres zu Tafel VIII.

86. EIN KRIEGER, VON VORN GESEHENBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 198, Breite 106 mm. Erworben auf einer Versteigerung in Dresden im Dezember 1851.
Ganze Gestalt, von vorn gesehen. Langer Rock, weite Ärmel, gestreifte Beinlinge, breite Schuhe. Das mit Federn geschmückte Barett bedeckt die Augen des etwas nach links gewandten Kopfes. Die Rechte fasst den Griff, die Linke den Tragriemen des mächtigen Schwertes. Bezeichnet unten links mit dem Dolch, der allerdings oft als Künstlerzeichen des Nikolaus Manuel Deutsch, manchmal als Landsknechtszeichen, aber auch bei anderen Schweizer Künstlern vorkommt; doch gilt der Dolch mit der Schnur als unseres Künstlers Besonderheit.

Als echtes Blatt des Meisters genannt von Haendcke a. a. O. S. 54 und 115.

URS GRAF Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Solothurn gegen 1490; gestorben zu Basel um 1529. Hauptsächlich als Zeichner für den Holzschnitt bekannt.

87. EIN LANDSKNECHT, VON HINTEN GESEHEN (Etwas verkleinert)Bearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 205, Breite 120 mm. Erworben vor 1765.
Auf seine Hellebarde gestützt, steht er in etwas vorgebeugter Haltung da. Er trägt zweifarbige Beinlinge, ein kurzes, geschlitztes Wams und ein Federbarett. Bezeichnet unten links mit des Meisters Monogramm (von dem ganz links ein Stück abgeschnitten ist) und der Jahreszahl 1513.

Charakteristisches Blatt des Meisters.

TAFEL XBearbeiten

TOBIAS STIMMER Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Schaffhausen 1539; gestorben daselbst 1582. Entwicklungsgang unbekannt. Fassadenmaler, Bildnismaler und Zeichner für den Holzschnitt. Er arbeitete in Frankfurt a. M., Strassburg und Schaffhausen.

88. CHRISTUS MIT DER SAMARITERIN AM BRUNNENBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 410, Breite 320 mm. Erworben vor 1765.
Ein reiches Renaissanceportal, dessen Pilaster zur Linken unvollendet geblieben, umrahmt die Darstellung. In den oberen Zwickeln links: Noah von seinen Söhnen beschimpft; rechts: Noah am Weinberge. In der mit reicher Landschaft ausgestatteten Hauptdarstellung lehnt sich der Heiland links halbsitzend an die Mauer, steht die Samariterin, die mit beiden Händen den Strick des im Brunnen befindlichen Eimers hält, ihm in der Mitte lauschend gegenüber. Rechts im Hintergrunde sind die Jünger am Waldrand bemerkbar. Oben in der Mitte die Inschrift Johannis am 4. Capittel; unten in der Mitte ein Wappenschild mit einem Hammer und einem gleichschenkligen Kreuze.

Unbestrittenes Werk des Meisters.

TAFEL XIBearbeiten

TOBIAS STIMMER Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Schaffhausen 1539; gestorben ebendaselbst 1582. Näheres zu Tafel X.

89. MÄNNLICHES BILDNISBearbeiten

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Getuschte Federzeichnung. Höhe 166, Breite 203 mm. Erworben vor 1765.
Sitzende, nach links gewandte Halbfigur eines vollbärtigen Mannes in Wams und Barett. Die linke Hand ruht an der Brüstung, hinter der er sitzt.

Unbestrittene Zeichnung Stimmers.

TAFEL XIIBearbeiten

CHRISTOPH MURER Schweizer SchuleBearbeiten

Geboren zu Zürich 1558; gestorben zu Winterthur 1614. Schüler seines Vaters, des Glasmalers Josias Murer in Zürich und des Tobias Stimmer in Strassburg. Fassadenmaler, Glasmaler und Zeichner für den Holzschnitt.

90. DIE PREDIGT JOHANNES DES TÄUFERSBearbeiten

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Schwarz und braun getuschte Federzeichnung. Höhe 313, Breite 208 mm. Erworben vor 1765.
Rechts im Walde steht Johannes, predigend, hinter einer aus wagrecht gelegtem Baumstamme bestehenden Schranke. Die Hauptmasse der Hörer ist links gruppiert. In der Mitte sitzt einer von ihnen im Baum. Vorn links sitzt eine Frau in breiter Kopfbedeckung, ihr Kleid auf den Knieen haltend, am Boden. Links im Hintergrunde Hochgebirge. – In der architektonischen Umrahmung oben links die Enthauptung Johannes des Täufers, oben rechts Salome, wie sie ihren Eltern das Haupt des Johannes bringt, unten in der Mitte ein Wappen in ovalem Kranz, unten links und rechts je ein Flügelknäbchen, das mit einem Hündchen spielt. – Im Zierschild oben in der Mitte die Inschrift: MATH 3 CAP. – Bezeichnet links unten im Sockel mit dem Monogramm des Künstlers, rechts mit der Jahreszahl 1608.

Charakteristische Zeichnung des Meisters. Wahrscheinlich Entwurf für ein Glasfenster.

TAFEL XIIIBearbeiten

ANGEBLICH HANS SPRINGINKLEEBearbeiten

Hans Springinklee, geboren um 1540, gehört der Schule Dürers in Nürnberg an. Er ist hauptsächlich als Zeichner für den Holzschnitt und Formschneider bekannt. Vgl. die Bemerkung unter der Beschreibung.

91. ENTWURF ZU EINEM VOTIVBILDEBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 285, Breite 179 mm. Erworben am 3. Mai 1879 zu Frankfurt a. M. von der Prestel’schen Versteigerung der Sammlung Barthel Suermondt (Aachen).
Das Ganze stellt die Losbetung der Seelen aus dem Fegefeuer dar. Die betende Stifterfamilie ist im Sockel dargestellt. Betend der in der Mitte brennenden Kerze zugewandt, knieen links sieben männliche, rechts neun weibliche Familienglieder vor ihren in den Ecken angebrachten Wappen. Im Hauptbild ist die Erlösung einiger Seelen (die als diejenigen von verstorbenen Angehörigen der unten betenden Familie zu denken sind) aus dem Fegefeuer abgebildet. Maria mit dem Christkind schwebt als Himmelskönigin, von Engeln umgeben, in den Wolken. Lang bekleidete Engel halten ihren Mantel über dem Flammenpfuhle ausgebreitet, in dem die nackten Seelen sich drängen. Einige flüchten sich unter den Mantel der Jungfrau, andere werden von Engeln emporgezogen.
Links oben im Fries die Inschrift: Anna (sic für Anno) D. 1520. – Rechts unten der Stempel der Suermondt’schen Sammlung.

Dieses Blatt galt vormals in der Sammlung Guichardot nur als „Schule Dürers“, in der Sammlung Suermondt zu Aachen und bisher in Dresden wurde es Springinklee zugeschrieben. Doch ist diese Bestimmung, obgleich auch Scheibler (Dresdner Notizen) sie als „sehr wohl möglich“ bezeichnet, schwer zuzugeben. Wir vermögen nicht einmal die Schule Dürers, ja überhaupt nicht die fränkische, sondern eher die schwäbische Schule in ihr zu erkennen. Der alte Untersatzbogen trug die N. 164 und die Bemerkung: „Die Gruppe der Donatoren so schön wie Holbein“.

TAFEL XIV (VIER BLATT)Bearbeiten

FRÄNKISCHE SCHULE 1535Bearbeiten

92. DIE LANDSCHAFT MIT DEM BAUME DER ERKENNTNISBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 182, Breite 159 mm. Erworben vor 1765.
Links ragt aus dem Waldrand ein Zweig mit den verbotenen Früchten hervor, denen die Schlange der Versuchung von dem Aste eines Nachbarbaumes sich entgegenwindet. Sinnend, wie Herkules am Scheidewege, sitzt ein Jüngling mit unbedecktem Haupte unter den Früchten. Rechts im Mittelgrunde führt eine Brücke über einen Fluss zur Stadt der Verführung, einer befestigten, vielgetürmten Stadt am Fusse eines Burgberges, über dem die strahlende Sonne steht. Bezeichnet oben in der Mitte 1535.

Bisher wurde dieses hübsche Blatt dem Hans Sebald Lautensack zugeschrieben; doch ist es seiner deutlichen Jahreszahl nach zu alt dazu, da Lautensack erst 1524 geboren sein soll.

VIRGILIUS SOLIS Fränkische SchuleBearbeiten

Geboren zu Nürnberg 1534, gestorben daselbst 1562. Den deutschen „Kleinmeistern“ parallel entwickelt. Hauptsächlich Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt.

93. EIN GEKRÖNTER KNABEBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 82, Breite 65 mm. Erworben vor 1765.
Der mit niedrigem Krönchen geschmückte Knabe im kurzen Röckchen stützt sich mit der erhobenen Linken auf eine mit einem Banner versehene Lanze, mit der gesenkten Rechten auf einen neben ihm liegenden mächtigen Helm. Bezeichnet oben in der Mitte 1537.

94. HERKULES, DEN LÖWEN WÜRGENDBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 121, Breite 93 mm. Erworben wahrscheinlich 1723 vom Buchhändler Weidemann in Leipzig.
Der nur mit einem Tierfell über der Schulter bekleidete Herkules hat, nach rechts gewandt, den Löwen vor sich auf den Rücken geworfen und sperrt ihm mit beiden Händen den Rachen. Vergebens packt der Löwe mit den Vordertatzen des Helden linken Arm, mit einer Hintertatze dessen linke Wade. Bezeichnet oben links mit dem Monogramm des Meisters.

95. ALLEGORISCHE WEIBLICHE GESTALTBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 84, Breite 63 mm. Erworben vor 1765.
Fast nackt steht die weibliche Gestalt nach links gewandt da. Nur um ihre rechte Schulter flattert ein schmales Tuch. Ihr Haupthaar wallt lose im Winde. Die gesenkte Rechte stützt sie auf eine Sonnenuhr; in der Linken hält sie einen Zirkel. Wohl eine Geometria oder Astronomia.

Von diesen drei Blättern des Virgilius Solis ist nur das mittlere beglaubigt. Die anderen beiden scheinen ihm aber mit Recht bisher zugeschrieben worden zu sein.

TAFEL XV (ZWEI BLATT)Bearbeiten

HANS SEBALD LAUTENSACK Fränkische SchuleBearbeiten

Geboren zu Bamberg 1524; gestorben zu Wien 1566. Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt. Er gehört in der Nürnberger Schule der Nachfolge Dürers an.

96. DIE LANDSCHAFT MIT DER BOGENBRÜCKEBearbeiten

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Etwas getuschte Federzeichnung. Höhe 120, Breite 180 mm. Erworben vor 1765.
In der Mitte des Mittelgrundes liegt ein Gehöft unter Bäumen am Fusse eines steilen, mit einer Burgruine gekrönten Berges. Links vorn ein hoher Baum, rechts ein Wasser, über das im Mittelgrunde vor weiter Berglandschaft eine Bogenbrücke führt.

97. DIE LANDSCHAFT VON 1564.Bearbeiten

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Getuschte Federzeichnung. Höhe 150, Breite 205 mm. Erworben vor 1765.
Links vorn hohe Bäume vor weiter Berglandschaft. Rechts ärmliche Hütten am Fusse des Burgberges, von dem eine Brücke nach rechts zu der Nachbarhöhe hinüberführt. Bezeichnet oben in der Mitte 1564.

Beide Zeichnungen sind nach Maassgabe der bekannten Landschaftsradierungen Lautensacks diesem Meister bisher mit Recht zugeschrieben worden.

TAFEL XVIBearbeiten

MELCHIOR LORCH Deutsche SchuleBearbeiten

Geboren 1527 zu Flensburg; gestorben (wahrscheinlich zu Kopenhagen) nach 1590. Auf Reisen selbständig entwickelt. Hauptsächlich Bildnismaler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt. 1582 Dänischer Hofmaler.

98. EIN BESESSENERBearbeiten

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Federzeichnung. Höhe 306, Breite 203 mm. 1849 auf einer Dresdner Versteigerung erworben.
Brustbild ohne Hände, von vorn. Der bartlose, langhalsige Jüngling mit geöffnetem, lippenlosen Munde und wirrkrausem Haare hat ein furchtbar verzerrtes Gesicht. Hinter seinen mit mantelartigem Gewande bedeckten Schultern blickt ein Drachenteufel als Sinnbild der Besessenheit hervor. Oben links die Inschrift: „Und seinn Suenn“. Bezeichnet rechts in der Mitte mit des Meisters Monogramm und der Jahreszahl 1550.

Charakteristisches Blatt des ziemlich seltenen Meisters.

TAFEL XVIIBearbeiten

JOBST HARRIG Fränkische SchuleBearbeiten

Der Meister wird als Schüler eines M. Beham (?) und als Copist Dürer’scher Gemälde genannt. Er lebte in Nürnberg, wo er 1617 gestorben sein soll.

99. EIN HEIL. BISCHOF MIT REHKÜHENBearbeiten

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Schwarz getuschte Federzeichnung. Höhe 236, Breite 322 mm. Erworben vor 1765.
In weiter, vorn in der Mitte durch mächtige Bäume geteilter Landschaft, steht rechts ein Bischof, an dem, hülfesuchend, ein von einem Pfeil durchbohrtes Rehkalb emporspringt. Links vorn steht die Rehkuh, links im Hintergründe läuft ein Rehbock. Rechts im Hintergrunde eine Kapelle. Bezeichnet auf der Rückseite.

Die Inschrift braucht nicht vom Maler selbst herzurühren, gehört aber jedenfalls seiner Zeit an und ist daher glaubwürdig. Als Wasserzeichen trägt das Blatt das Nürnberger Wappen.

TAFEL XVIIIBearbeiten

HEINRICH GÖDING Sächsische SchuleBearbeiten

Geboren zu Braunschweig 1531; gestorben zu Dresden 1606. Im weiteren Sinne der Cranach’schen Schule angehörig, war er nahezu ein halbes Jahrhundert als Hofmaler in Dresden ansässig.

100. DER DRACHEN-SCHLITTENBearbeiten

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Mit Gold gehöhte Deckfarben auf weissem Papier. Höhe 302, Breite 468 mm. Erworben vor 1765.
Der von einem springenden braunen Pferde gezogene Schlitten ist im Profil nach rechts gewandt. Hinten sitzt rittlings ein Herr im hohen Hut, der die Zügel führt, vor ihm als Fahrgast eine ähnlich gekleidete Dame. Den vorderen Teil des Schlittens bildet ein mächtiger Drache mit weit geöffnetem Rachen, über dessen Haupt der heil. Georg schwebt. Drei andere Drachen schmücken das Geschirr des Pferdes. Bezeichnet unten links mit dem Monogramm des Meisters und der Jahreszahl 1583.

Vgl. Dr. K. Beding in seinem Aufsatze über Göding: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde, VIII (1887) S. 331. Der leise Zweifel, der hier noch an Gödings Urheberschaft ausgesprochen wird, erscheint uns dem Monogramm und der Jahreszahl gegenüber ausgeschlossen.

TAFEL XIX (ZWEI BLATT)Bearbeiten

CRISTOPH SCHWARZ Bayrische SchuleBearbeiten

Geboren bei Ingolstadt 1550; gestorben zu München 1597. Ursprünglich unter Hans Bocksberger zum Fassadenmaler gebildet, entwickelte er sich später in Venedig unter Paolo Veroneses Einfluss auch zu einem Staffeleimaler von Bedeutung.

101. DIE KREUZTRAGUNG CHRISTIBearbeiten

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Leicht getuschte Federzeichnung. Höhe 152, Breite 222 mm. Erworben wahrscheinlich 1728 mit der Wagner’schen Sammlung in Leipzig.
Unter der Last des Kreuzes gebeugt, das drei Soldaten ihm auf die Schulter legen, schwankt der Heiland, nach rechts gewandt, daher. Zwei andere Söldner halten ihn an Stricken, die an seinem Gürtel befestigt sind. Im Hintergrunde allerlei Volk; rechts ein Thorbogen. Bezeichnet auf der Rückseite (wohl von der Hand des Künstlers): Ao. 1597 . aprilis . Monachi. Darunter (von anderer, späterer Hand, doch wohl in Ergänzung der oben beschnittenen Inschrift): Christoph Schwarz, fecit Monachy. Ao. 1597 Mens. April.

Spätes Blatt des Meisters. Nahm man bisher an, dass er 1596 oder 1597 gestorben, so beweist dieses Blatt, dass er im April 1597 noch am Leben gewesen.

JOSEPH HEINTZ Deutsche SchuleBearbeiten

Geboren zu Basel 1564; gestorben zu Prag 1609. Schüler Hans von Aachens. Er wurde noch vor seinem Lehrer, der ihn überlebte, Kammermaler Kaiser Rudolfs II.

102. ALLEGORIEBearbeiten

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Braun, rot und grün getuschte Federzeichnung. Höhe 201, Breite 162 mm. Erworben 1728 mit der Wagner’schen Sammlung aus Leipzig.
Eine rot bekleidete Gestalt mit einem Lorbeerkranze auf dem Haupte sitzt vorn in der Mitte einer Rundbogenhalle, zu der man links auf einen Berggipfel hinausblickt. Zwei weibliche Gestalten halten ihr eine Gemäldetafel vor, die sie anblickt, während sie die Linke sinnend an ihre Stirn legt und mit der Rechten auf einen grossen Bogen mit der Feder etwas niederschreibt oder abzeichnet. Links die Inschrift: Simplicita et Gusto con Sincerita a buon fine conducero (d. h. Einfachheit und Geschmack führten es mit Wahrheitsliebe zu einem gutem Ende). Isepo Heintz Helveticas, f.

Durch die Inschrift zu erklärendes, in seiner Manieriertheit charakteristisches Blatt des Meisters.

TAFEL XXBearbeiten

JOHANN ROTTENHAMER Bayrische SchuleBearbeiten

Geboren zu München 1564; gestorben zu Augsburg 1623. Schüler seines Vaters und des Hofmalers Donauer in München, weitergebildet in Venedig, seit 1607 wieder in Deutschland, besonders in Augsburg.

103. PALLAS UNTER DEN MUSENBearbeiten

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Schwarz getuschte, weiss gehöhte Federzeichnung. Höhe 453, Breite 344 mm. Erworben vor 1765.
Die Musen lagern mit ihren verschiedenen Attributen teils im Vordergrunde auf Steinen, teils links unter einer hohen Baumgruppe, neben der in der Mitte ein Springbrunnen mit grosser Schale emporragt. Rechts steht Pallas Athene, auf ihre Lanze gestützt. In der Luft schwebt die Göttin des Ruhmes. Die Bezeichnungen auf der Vorderseite und auf der Rückseite rühren nicht vom Künstler selbst her.

Charakteristisches Blatt des Meisters.

TAFEL XXIBearbeiten

HANS WEINER Bayrische SchuleBearbeiten

Geboren zu Weilheim. Thätig zu München um 1590–1617. Unter dem Einflusse des Christoph Schwarz entwickelt. Als Zeichner und Radierer bekannt. Als Radierer auch der „Meister mit der Weintraube“ genannt.

104. DIE ANBETUNG DER KÖNIGEBearbeiten

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Schwarz getuschte Federzeichnung. Höhe 306, Breite 208 mm. Erworben vor 1765.
Wohl Entwurf zu einem Glasfenster. In der Umrahmung oben links und rechts zu beiden Seiten des leeren Mittelzierschildes je eine Scene aus dem Bethlehemitischen Kindermord; unten links und rechts zu beiden Seiten des leeren Mittelzierschildes je ein oval umkränztes Wappenfeld. Hauptdarstellung: Rechts sitzt Maria mit dem Kinde unter der Säulenumrahmung. Joseph steht hinter ihr. Links die Gruppe der drei Könige. Der älteste hat seinen Turban abgelegt und überreicht dem Kinde knieend ein Schmuckkästchen. Unten in der Mitte auf der Strasse orientalisch gekleidetes Volk. Der Stern blickt über Bergwipfeln herein. Bezeichnet rechts unten H. W. 1612.

Ausser diesem Blatte besitzt das Dresdner Kupferstich-Kabinet noch ein Dutzend ähnlicher dekorativer Entwürfe von derselben Hand, wenn auch zum Teil mit anders gestaltetem Monogramm. Bisher wurden nur einige dieser Blätter auf Hans Weiner oder Weinher zurückgeführt, andere wurden einem gewissen Hans Wolf zugeschrieben, noch andere ohne Namen aufbewahrt. Da sie aber alle die gleiche Hand zeigen, müssen sie nach Maassgabe der Artikel von G. K. Nagler im allgemeinen Kunstlexikon XXI, S. 232 und in den „Monogrammisten“ III zu N. 1687 und N. 1723 alle von Weiner herrühren.

TAFEL XXIIBearbeiten

HANS VON AACHENBearbeiten

Geboren zu Köln 1552; gestorben zu Prag 1615. Schüler des Meisters Jerrigh in Köln. Er wurde einer der einflussreichsten deutschen Meister der italisierenden Richtung der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts. Als Kammermaler Kaiser Rudolfs II. wurde er 1594 geadelt.

105. JUDITHBearbeiten

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Weiss gehöhte, getuschte Federzeichnung auf gelblichem Papier. Höhe 293, Breite 195 mm. Erworben 1728 mit der Wagner’schen Sammlung aus Leipzig.
Kniestück. Fast von vorn gesehen steht Judith da. Das krumme Schwert hält sie in der gesenkten Rechten, das Haupt des Holofernes erhebt sie in der Linken, um es in den Sack zu thun, den die hinter ihr stehende alte Dienerin ihr hinhält. Im Hintergrunde das Zelt. Bezeichnet unten rechts mit dem aus H. V. und A zusammengesetzten Monogramm.

Charakteristisches Blatt des Meisters.

TAFEL XXIII (ZWEI BLATT)Bearbeiten

LUKAS KILIAN Augsburger SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg 1579; gestorben daselbst 1637. Schüler seines Stiefvaters D. Custos. In Venedig weiterentwickelt. Neben E. Sadeler einer der bedeutendsten Bildnisstecher der damaligen Zeit.

106. MÄNNLICHES BILDNISBearbeiten

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Leichte, schwarz und rot getuschte Pinselzeichnung. Höhe 142, Breite 127 mm. Erworben vor 1765.
Brustbild ohne Hände, oval umrahmt. Der Dargestellte hat eine hohe Stirne mit spärlichem Haupthaar und einen rötlichen Schnurr- und Kinnbart. Er trägt einen Rock mit Achselklappen und einen breiten, umgeklappten weissen Spitzenkragen. Darunter die Inschrift: Lucas Kilian fecit. 4. Oct. 1629.

Die Echtheit der Inschrift zu bezweifeln, liegt kein Grund vor, obgleich sie mit breiter Feder und Tinte unter die feine Tuschzeichnung gesetzt ist.

ADAM ELSHEIMER Deutsche Schule.Bearbeiten

Geboren zu Frankfurt a. M. 1578; gest. zu Rom 1620. Schüler des Ph. Uffenbach in Frankfurt, des Johann Rottenhamer in Venedig. Selbständig zu einem Erneuerer der nordischen Kunst weiterentwickelt.

107. NEPTUN UND TRITONBearbeiten

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Braun getuschte Federzeichnung. Höhe 104, Breite 153 mm. Erworben 1728 mit der Wagner’schen Sammlung aus Leipzig.
Links reitet Neptun, der den Dreizack in der Linken hält, fast von vorn gesehen auf einem Delphin, den er anhält, um dem fischschwänzigen Triton zu lauschen, der sich rechts aus den Wellen erhebt und kräftig das Muschelhorn bläst. Bezeichnet unten links: Adam Elsheim, in Roma. 1600.

Auch W. Bode erklärt dieses Blatt in seinen „Studien“ S. 306 für ächt, schön und wegen der Inschrift besonders interessant.

TAFEL XXIV (ZWEI BLATT)Bearbeiten

AUGUSTIN BRAUN Kölnische Schule.Bearbeiten

Geboren zu Köln um 1570; gestorben daselbst nach 1639. Vielleicht Sohn und Schüler des jüngeren Barthel Brun (Bruyn) der bald nach 1607 starb. So auch Merlo, die Meister der altkölnischen Malerschule, Köln, 1852, S. 164. Er war seiner Zeit ein angesehener Maler und Kupferstecher in Köln.

108. JUDITHBearbeiten

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Braun getuschte Federzeichnung. Höhe 192, Breite 150 mm. Erworben 1728 mit der Wagner’schen Sammlung in Leipzig.
Zu den Israeliten zurückgekehrt, zeigt Judith, die rechts vor einer Säulenhalle steht, dem Volke beim Scheine der Fackel, die ein links stehender Diener hält, das abgeschlagene Haupt des Holofernes, das ihre Magd dem Sack entrollen lässt. Bezeichnet unten in der Mitte: Augustinus Braun. F. In Cöllen. 1616.

Gutes Blatt des nicht eben häufig vorkommenden Meisters. Vgl. des Verfassers Ausführungen im grossen Katalog der Dresdner Galerie, 3. Aufl., 1896, S. 617.

NIKOLAUS KNÜPFERBearbeiten

Geboren zu Leipzig 1603; gestorben 1660 vielleicht zu Utrecht. Er war nach Cornelis de Biè um 1630 Schüler des Abraham Bloemaert zu Utrecht, wo er 1637 als Passant in die Gilde aufgenommen wurde. Seiner Kunstweise nach erscheint er den niederländischen Nachfolgern Elsheimers parallel entwickelt; aber auch nicht unbeeinflusst durch Rembrandt.

109. MERKUR ENTFÜHRT DAS GLÜCKBearbeiten

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Braun getuschte Pinselzeichnung. Höhe 197, Breite 153 mm. Erworben vor 1765.
Auf Geheiss der Götter entführt Merkur, oben in der Mitte von hinten gesehen, das Glück, das in Frauengestalt (Fortuna) in der Mitte der Darstellung bereits dem Erdboden entschwebt. An ihrem herabgleitenden Gewände zerren entsetzte Menschen, die sich, am Boden liegend und stehend, vergebens bemühen, das Glück zurückzuhalten. Bezeichnet unten rechts mit dem Namenszuge des Meisters.

Es ist eine Studie zu dem bekannten Bilde des Meisters „Die Jagd nach dem Glücke“ im Schweriner Museum. Vgl. F. Schlie: Über Nikolaus Knüpfer und einige seiner Gemälde, Schwerin 1896.

TAFEL XXV (ZWEI BLATT)Bearbeiten

GEORG PHILIPP RUGENDAS Augsburger SchuleBearbeiten

Geboren zu Augsburg den 27. November 1666; gestorben daselbst den 10. Mai 1742. In Augsburg gebildet, in Wien und Venedig weiterentwickelt. Seit 1695 in Augsburg ansässig

110. EINE TÜRKENSCHLACHTBearbeiten

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Weiss gehöhte, schwarz getuschte Federzeichnung. Höhe 184, Breite 233 mm (mit der Umrahmung). Erworben 1829 vom Inspector Frenzel.
Von links anstürmend, kämpft deutsches Fussvolk gegen die von rechts heranjagende türkische Reiterei. Vorn in der Mitte wird ein beturbanter Türke, der auf seinem gestürzten Pferde liegt, von einer deutschen Lanze durchbohrt. Bezeichnet links unten: G. P. Rugendas pinx et delin. Ao. 1696 li 17 Novembre in Augusta.

111. REITERÜBUNGENBearbeiten

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Weiss gehöhte, schwarz getuschte Federzeichnung, Höhe 184, Breite 243 mm (mit der Umrahmung). Erworben 1829 vom Inspector Frenzel.
In der Mitte eine Reitergruppe mit einem Trompeter und einem Paukenschläger. Rechts vorn sitzt ein Krieger vor seinem unter einem Baume weidenden Rosse am Boden. Links ein Hund neben einem Pferdegerippe. Im Hintergründe Reitergewühl. In der Landschaft links eine mächtige Ruine. Bezeichnet links unten: G. P. Rugendas pinx et delin. Ao. 1696 li 14 Novembre in Augusta.

Zwei charakteristische Blätter des Meisters.