Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Von einer Affenschule
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aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1915, Zwölfter Band, Seite 227–228
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Erscheinungsdatum: 1915
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart, Berlin, Leipzig
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[227] Von einer Affenschule, die er unweit einer malaiischen Niederlassung in einem einsam gelegenen Gehöft auf Sumatra antraf, berichtet ein Reisender folgendes: „Ich war nicht wenig erstaunt, als ich vor dem geräumigen Bambushause auf großen Gestellen angebunden einige Dutzend Vertreter jener Affenart vorfand, die sämtlich zu der Familie der Makaken gehörten. Diese werden von den Malaien Baru genannt, sind aber in europäischen Tiergärten als ‚Schweineschwanzaffen‘ bekannter, da ihr kurzer Ringelschwanz sehr große Ähnlichkeit mit dem unserer einheimischen vierbeinigen Specklieferanten hat. Die Baru sind äußerst kräftige Tiere, werden bis zu 65 Zentimeter lang und besitzen bei sonst dunkelolivenbraunem Körper ein fleischfarbiges Gesicht, ebenso gefärbte Hände, Ohren und sehr große Gesäßschwielen, eine Farbenzusammenstellung, die im Verein mit der vorspringenden Schnauze und den mächtigen Backentaschen die Baru nicht gerade als Schönheiten erscheinen lässt.

Mein malaiischer Begleiter mochte wohl an meinem verwunderten Gesicht sehen, wie sehr mich diese Affenherde in Staunen setzte, und sagte daher kurz: ‚Eine Affenschule, Herr!‘ Der Besitzer des Hauses, ein alter Malaie, gab mir dann die nötige Aufklärung. Er zeigte mir, wie er mit bewunderungswürdiger Geduld und unter stetiger Austeilung von Leckerbissen seine vierhändigen Zöglinge dazu abrichtete, die reifen Nüsse von den Kokospalmen zu pflücken. Eine ganze Anzahl von den Baru hatten es in der edlen Kunst schon recht weit gebracht, zwei oder drei andere aber würden wohl nie sich und ihre Angehörigen ernähren können, da sie zu wenig gelehrig seien. Unter diesen ‚Angehörigen‘ verstand der braune Dresseur die Familie des Malaien, der ihm diese weniger gescheiten Affen zur Ausbildung übergeben hatte.

Sehr ergötzlich ist es anzusehen, wie der Affe, angebunden [228] an eine feste, bei ihrer Länge nicht gerade leichte Leine, die Palmen erklettert und nun, oben angelangt, an den Nüssen, die ihm reif erscheinen, zu drehen beginnt. Die halbreifen und deshalb noch fester sitzenden erkennt er sehr bald und läßt dann von ihnen ab, an den gereiften dreht er aber so lange, bis sie herabfallen. Ist die Palme abgeerntet, dann begibt sich der Affe, immer sehr behutsam, an ihre Säuberung, indem er die losen Blattwedel entfernt. Wenn die Arbeit geschehen ist, empfängt er sofort zur Belohnung einige wohlschmeckende Bananen oder eine Handvoll gekochten Reis.

‚Herr,‘ sagte mir später einmal ein alter Malaie, dem ich für einen großen und im Nüssepflücken äußerst geschickten Baru zwanzig blanke Reichstaler, eine in den Augen des Mannes sehr große Summe, bot, ‚wie sollte ich das wohl tun!‘ Und auf den Affen zeigend, fügte er hinzu: ‚Jedes Körnchen Reis, das ich, meine Frau und meine Kinder essen, verdanken wir dem Verkauf der vom Baru gepflückten Nüsse, und ich kann mit ihm reden wie mit einem Menschen!‘“

W. K.