Topographia Sueviae: Zabelstein

Topographia Germaniae
Zabelstein (heute: Bad Teinach-Zavelstein)
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Zeil
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 223–224.
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Zabelstein / oder Zavelstein /

Im Schwartzwald / an einem sehr hohen Vorgebürg gelegen / ein gar kleines Stättlein / von vngefähr 14. oder 22. Häuser / einer Kirchen / vnd einem Schloß / so eines sehr alten Ansehens ist. Ist nicht weit von Calw / vnd dem Kloster Hirschaw / dem Hertzog von Würtenberg gehörig. Von diesem Stättlein kommt man sehr hoch herunter zum Flecken / oder Dorff Tainach / oder Dainach / so mit Bergen vmbgeben / vnd in einem tieffen engen Thal / gleichsamb / als eine Vorstatt / deß gemelten Zavelsteins / gelegen ist. Daselbst nahend der berühmbte Dainacher Sawerbrunn / ein Meil Wegs von gemelter Statt Calw / zwischen dem besagten [224] Stättlein Zabelstein / vnnd der alten Berg-Statt Bulach / gelegen / darbey das Wässerlein Dainach fliesset / so vnterhalb auff eine Stund in die Nagolt kompt. Es hat dieser Sawerbrunn seine Krafft / vnd Eygenschaft von dem Kupffer / Vitriol / Silberkiß / vnd Lasurstein / auß welcher Mineralien geistlicher verborgener Vermischungen / dieser Brunnen seine angenehme liebliche Säwre / vnd ressen Geschmack / (doch etwas schwächer / als der Grießbacher / Göppinger / Ebenhäuser / vnnd Schwalbacher) sampt seinen Virtutibus, vnd kräfftigen Würckungen / zu eröffnen / zu treiben / zu wärmen / zuverzehren / zu trucknen / zusammen zu ziehen / zu reinigen / vnnd zu heylen / empfangen hat. Vnd weiln / wie jhr viel darfür halten / dergleichen Mineral (so er von dem nächstgelegenen Bergwerck Bulach participirt / vnd von etlichen fürnehmen Leuten / für eine Art eines Lasur- oder Armeniersteins / von etlichen pro flore Lunae gehalten wirdt / ) kein Sawerbrunn im gantzen Teutschlandt hat / dieser vmb so viel andern vorzuziehen ist. Er eröffnet alle Verstopffungen der Leber / deß Miltzes / der Nieren / Lenden / vnd Blasen / reiniget sie; mehret / vnnd erhält den natürlichen Samen; dienet der verschleimbten erkalten Mutter / stärcket den Magen / löschet den Durst / treibet den Harn / Sand / vnnd Grieß / hilfft der Geelsucht / vnnd vertreibet die alten Melancholische Fieber / vnnd das Quartan. Jst sehr dienlich den Melancholischen / vnnd denen / so mit der windigen Melancholey (Melancholiá Hypochondriacâ, seu flatuosâ) behafft seyn: Jtem / den Tauben / vnd Hirnschwindenden Menschen / vnd denen / so mit dem bösen Geist besässen gewesen seyn: Dann er löset ab alle verbrandte Melancholische Feuchte / vnnd führet sie auß / in welcher Feuchte der böse Geist seine Tücke / vnd arglistige Possen / mit den armen Menschen / so es jhme Gott der Herr verhenckt / fein machen kan / die Vernunfft zuverduncklen / vnd die Sinne zu betriegen. Eusserlich dienet dieser Brunn vor Räude / allerhand Krätze / vnd Grind. Er heylet die vbelgeheylte Wunden / alte Schäden / faule Geschwär / so von der Melancholischen Feuchte verursachet seind / als da seyn Fistel / Krebs / vnd dergleichen. Vertreibet den vbelen Gestanck deß Leibs / vnnd den vnnatürlichen Schweiß. Heylet die Mundfäule: Den Scharbock / Fäulung der Biller / vnd Zahnfleisches / vnnd alle Geschwär deß Mundes. Vid. Joh. Guintherius Andernacus de balneis, et aquis medicatis, pag. 128. Jac. Theodorus Tabernaemontanus in seinem newen Wasserschatz / cap. 80. et Joh. Leporinus, in Beschreibung deß Dainacher Sawerbrunnens / vnd wie solcher mit Trincken vnd Baden soll gebraucht werden.