Topographia Sueviae: Kirchheim vnter Teck

Topographia Germaniae
Kirchheim vnter Teck (heute: Kirchheim unter Teck)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 109–110.
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Kirchheim vnter Teck / ins gemein / Kirchen.

Diese Würtenbergische Statt / vnter dem alten Schloß Teck / der Hertzogen von Teck weyland Stammenhauß / vnd 1. Stund vom Stättlein Ow: Item / ein Stund vom Stättlein Weilheim / gelegen / sol vmbs Jahr 1270. oder 1284. von Hertzog Conraden zu Teck mit einer Mawer vmbgeben / vnd zwey Jahr hernach von Hertzog Friederichen von Teck / vnnd seiner Gemahlin / das Frawen-Kloster ausser dieser Statt / in welchem vier Hertzogen / vnnd so viel Hertzogin von Teck begraben ligen / (darinn gleichwol jetzt keine Nonnen / sondern es durch deß Hertzogen Leut verwaltet wird) erbawet worden seyn. Anno 1376. hat Hertzog Friderich von Teck / vnnd sein Sohn Conradus / dem Graf Eberharden von Würtenberg / den halben Theil an Kirchheim / vnnd das halbe Schloß Teck / vmb 17500. Gülden / zu kauffen geben; das ander hat Würtenberg von denen von Hoffwart / Mansperg / vnd Reichartsweiler bekommen. Es seyn vnter disem Kirchheimer Ampt drey Stättlein / Weilheim / Ow / vnd Wendlingen. Sonsten ligen in der Nähe herumb der Fleck Bissingen / das Lenningerthal / das Spättisch Schloß Sultzburg / der Fleck Beuren / vnd andere Orth / in der Mitten der hohe felsichte Berg / vnnd das oberwehnte (im Bawrenkrieg verstöret / vnnd verbrandte) Schloß Teck / vnnd vnten gleich die jetztgedachte Statt Ow / am Berg / an einem lustigen Ort ligt. Dieser Berg ist oben eben vnd weit / darauff Jährlichen deß Hertzogs von Würtenberg Vieh / bey Sechstzig Stück / geweydet worden / wie es dann auch daselbst ein Viehhauß / vnd einen herrlichen Brunnen hat / so für Vieh vnd Menschen genug Wasser gibt. Das besagte Schloß Teck / ligt auff einem Hügel / vnd ist von dem vbrigen Berg / vnd der Ebne / durch einen tieffen / vnnd mit Steinen außgesetzten Graben / abgesondert. Die Mawren deß Schlosses seyn noch guten Theils da; allein verfallen sie von Jahr zu Jahren.

Vnd dieses schreibet Martinus Crusius in der Schwäbischen Chronick / von seiner Zeit / vmb das Jahr 1595. deme in dem Schloß / der gedachten Statt Kirchheim / An. 1588. der Würtenbergische Hauptmann desselben / Georgius Keiffer / ein alter Mann von 78. Jahren / so ein vnd fünfftzig Jahr mit einem Weib / so damaln 75. Jahr alt gewesen / im Ehestandt gelebt hat / den Wilkom / oder Bonaventuram, nämlich / ein silbern lang / vnd hohes Schiff / so bey die drey Quart / oder Würtenbergische Seidel / oder Schoppen / Weins / gehalten / gereycht hat. Vnd war damals vnten in selbigem StattSchloß auch ein gar schönes / vnd wol außstaffirtes Zeughauß. Dann man dise Statt vor der Zeit für einen vesten wolerbawten Orth / wegen deß Schlosses / der Pasteyen / vnd tieffen Wassergräben / gehalten; da es auch einen stattlichen Marstall / ein gute Roßmühl / vnd andere Notturfft / auch zwo feine Vorstätt / vnd in der Statt ein schöne Pfarrkirch / Schul / vnd bestellten Medicum, vnd Apothecken / gehabt / vnd zum Theil noch hat. Dann in diesem Krieg dieser Orth nicht wenig erlitten / ist auch durch Fewer zimlicher Schaden geschehen. Es ligt Statt / vnd Schloß gar eben / vnd nahend bey der Lanter. Hat / sampt dem Schloßthor / so auch eine Brücken herauß / fünff Thor / deren aber jetzt nur zwey / das Ober / vnd Vnter / wo die beyde Vorstätt seyn / gebraucht werden. Hat ausser der Statt auch ein Kirchlein. Acta publica, & Relationes.

Crusius schreibet part. 2. Annal. Suevicor. lib. 5. c. 3. Man sage / daß das JungfrawenCloster allhie An. 986. gestifftet worden: In demselben seyen Anno 1214. bey 86. Nonnen ohngefähr gewesen / nach welcher Zeit / sie eine gewisse Regel zu leben bekommen hätten / es ist in solchem / so ausserhalb der Statt / deß ersten Hertzogs zu Würtenberg / [110] Eberhardi Barbati, Wittib / Barbara Matuana, begraben worden. Ist nach der Brunst / jetzt wider schön erbawet / vnnd hält der Hertzog von Würtemberg darinn einen Hofmeister / so dasselbe verwaltet. Bauhinus sagt / daß / vnderhalb Kirchheim / die Flüsse Lindach / vnd Lauter / zusammen kommen. Die StattKirch ist schön gemahlet. Das Siechenhauß ist von einem Siechen Grafen von Aichelberg / so darinn gewohnt / wol erbawet / vnd mit Einkommen reichlich begabet worden. Aber das Spital in der Statt solle geringen Vermögens seyn. Hat zwo Schulen / ein Lateinisch / vnd Teutsche / vnd bey jeder zween Praeceptores, wiewol die Nidere nur Provisores genadt werden. Das Fürstliche Schloß in der Statt hat gar viel Zimmer / vnd darunter in einem ein Thür / so an zweyen Orthen / oder auff beyden Seiten / auffgeschlossen werden kan. Das Rathhause ist nicht sonders ansehenlich erbawt / gleichwol ein Wahrzeichen daran in acht zu nehmen. Gegen vber ist das Burgerhauß / vnd darvor ein feiner Röhrkasten. Die Vogtey / vnnd das Adeliche Freyhhauß / seyn von aussen fein anzusehen; vnd soll der jetzige Obervogt / H. Obrist Widerholt / von / vnd zu Neidlingen / vorhin gewester Commendant auff Hohendwiel / ein gar schöne Rüstkammer haben. In den Vorstätten / so wol bewohnt seyn / gibt es auch andere feine Häuser / da auch die vornembste Gastherbergen seyn sollen. Was das Kirchheimer Ampt anbelangt / so seyn vnter demselben / neben andern Orten / auch nachfolgende Flecken: 1. Aichelberg / so vngefähr 3. Viertel Stunde vom Bollerbade / vnnd ein halbe Stund vom Stättlein Weilheim / in einer lustigen Gegne / an einem Berge / auff welchem man die Aecker / wie Bauhinus bezeuget / von wegen der jähen Höhe / nit pflügen kan / sondern sie mit Hacken vmbhacken muß / gelegen. Ober dem Dorff oder viel mehr Dörfflein / auf einem nicht gar hohen Berge / ist vor Zeiten / ein Schloß gestanden / auch Aichelberg genandt / so weyland der alten Grafen von Aichelberg Sitz gewesen / vnd davon man noch altes Gemäwer sihet. 2. Bissingen / eine Stundt von Weilheim / so / vor dem nächsten Krieg / ein grosser Fleck gewesen / vnd Anno 1336. durch Kauff / ans Hauß Würtemberg kommen ist. 3. Brucken. 4. Dettingen / ein schöner grosser Fleck / zwischen Kirchheim / vnnd Awen / fast auff halbem Weg / gelegen / vnd also ein anders Dettingen / als das vnder Aurach / so deßgleichen Würtembergisch ist; In diesem Kirchheimer Dettingen ist ein schöne Kirch / vnd gibt es da lustige Obsgärten; laufft auch die Lauter durch den Flecken. 5. Ettlingen. 6. Gutenberg / so Bauhinus ein Schloß / vnd Dorff / drey Stunden von Boll gelegen / nennet / dardurch auch die Lauter laufft. 7. Jesingen an der Lauter / ohngefehr anderhalb Stund vom BollerBad / vnd anderhalb Stundt von Kirchheim gelegen. Ist vor dem nächsten Krieg ein grosser Fleck gewesen / der Anno 1293. durch Kauff an Würtemberg kommen. 8. Lenningen / ober / vnd vnder / zween vornehme Flecken / davon ein gantzes sehr fruchtbares / vnd mit Nußbäumen wolbesetztes Thal / nahend de Stättlein Awen / oder Owen gelegen / den Namen hat. 9. Notzingen / ein halbe Stundt ohngefehr von Kirchheim gelegen / so / mit Wellingen / dem Dorff / von Johann Reussen / vnd Kunigund von Westerstetten / Anno 1368. an Würtemberg kommen. 10. Obden / ein / vor dem nächsten Krieg / sehr herrlich lustiger Fleck / zwischen dem Bollerbad / vnnd Kirchheim / fast auff halbem Weg / sampt einer Pfarrkirche / vnd Wirtshause / gelegen / 11. Zell / ein Dorff / vnd Pfarrkirch / ein halbe Stund vom Bollerbad. Es ligt ferners in diser Gegend / vnnd nahend Kirchheim / das Schloß Podeltzhofen / ins gemein Poltzhofen / wie berichtet wird. Item / Kingen / ein Dorff / vnd Schloß / den Herren Thumen von Newburg gehörig / so ein Stund von Kirchheim gelegen.

Es seyn noch mehr Kirchheim in Schwaben / als Kirchheim am Necker / davon oben / in Beschreibung der Statt Brackenheim.