Topographia Austriacarum: Görtz

Topographia Germaniae
Görtz (heute: Gorizia)
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Gottschee
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 68.
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Görtz.

Diß ist die Hauptstatt der Gefürsten Grafschafft / so von ihr den Nahmen führet / und in Friaul gelegen ist. Es disputiren die Gelehrten viel / an welchem Ort die weyland berühmte Statt Noricia, oder Noreia, Nöreinburg / gestanden seye / nach welcher man die Tauriscos forthin Noricos genant. Theils vermeinen / es seye eben dieses Görtz / weilen der Nahm Goritia mit Noritia wol zutreffe; wie man dann auch bey andern Orten solche Versetzung der Buchstaben findet. Und unterstehet sich sonderlich Lazius dieses lib. 12. Reipubl. Roman. sect. 6. cap. 2. zu erweisen / und sagt / daß unter dem Anfang deß Römischen Käiserthums / vielleicht wegen der Inwohner Rauberey / Noreia geschleifft worden; in deren zerstörten Gemäuer etliche Grafen / so bey Alten diesen gewohnt / das Closter Andechs gestifftet / und weit hieher auß Bayern geräiset seyen / ein Stättlein / und Schloß erbauet / und hernach ihr Gebiet biß in Kärndten erstreckt / und den Titul der Fürsten deß Reichs bekommen haben; und von Noricia, die Noreia auch vor Zeiten geheissen / die Noriciani Comites, und grob Goricenses, und Pfaltzgrafen in Kärndten genant worden; von welchen die Hertzogen zu Meranien / und die Grafen zu Tyrol / herkommen seyen. Andere aber halten Rechberg in Kärndten für der Noreia. Die dritten sagen / daß selbige Statt / dabey vor Zeiten ein groß Goldbergwerck gewesen / drey Teutsche Meil Wegs von Görtz / gegen Wippach / an dem Birbaumer Wald hinan / und fünff Teutsche Meilen von Aglarn / oder Aquileia, nemlich an dem Ort / da dieser Zeit das Dorff / und Kirchen zu S. Geörgen / gelegen gewesen / allda noch viel Anzeygung der Heydnischen Statt / wie die Inwohner deß Orts solche nennen / gefunden werden. Und dann endlich / so will Cluverius lib. 1. antiquae Italiae cap. 20. daß Noreia um die Statt Venzone gewest seye; der auch daselbst von dem Fluß Sontio oder L’Isonzo, (so nahend bey Görtz fleust / und diese Fürstliche Grafschafft von Friaul absondert) zu lesen / in welches Wasser / an dem Ort / den man vor Zeiten ad pontem Sontii geheissen / der Fluß Frigidus, oder Wippach / so die Welschen Vipao nennen / kommet. Es sihet gleichwol auch Görtz einer gar alten Statt gleich / dabey der Gothen König / Dieterich von Bern / Odoacrum der Herulen und Turcilinger König / wie Theils wollen / das erstemal solle geschlagen haben. Sie ist in die Ober- und Untere getheilet. Die untere Statt ist groß / aber nicht versperret / in welcher ein Jesuiter Collegium, Item / ein Franciscaner / und Capuciner Closter / und zu Ende das Teutsche Hauß; auch schöne Häuser seyn; allda die Herren / und der Adel / mehrertheils / so wol auch der Landshauptmann / wohnen / und der Stände Landshauß / so zwar nicht groß / aber wol erbauet / ist. Die Obere Statt wird die Vestung genant / allda starcke Wacht gehalten wird. Es endet sich nunmehr allhie die Slavonisch- oder Windische Sprach / und redet man fürbaß ein üble Romanische / so sich fast mehr zur Frantzösischen / als Italianischen / lencket; so die Italianer selbsten nicht recht verstehen können. Vor Gericht aber wird zu Görtz Teutsch gehandelt / auch die Landsfürstliche Oesterreichische Befelch in selbiger Sprach angeschlagen; wiewol / ausser deß Adels / und vornehmer Leute / wenig allda seynd / die solche recht verstehen. Dann die Windische / neben ihrer Mutter-Sprach / nemlich der Romanisch- oder Forlanischen / bey ihnen gemeiner ist. Die Appellationes gehen von hinnen gar nach Grätz ins Land Steyer / an die inner-Oesterreichische Regierung. Das Land um die Statt ist schön und gut / und hat einen herrlichen Weinwachs; wiewol man biß zur Statt / von Laybach her zu räisen / noch einen steinichten Weg hat. In dem Venedischen Krieg / so sich An. 1507. angefangen / ist deß Jahrs 1508. die alte- oder obere Statt / sampt dem Schloß / von den Venedigern eingenommen / und fortificirt; aber vom Käiser Maximiliano I. hernach An. 1509. wieder erobert worden. In dem nächsten Friaulischen Krieg / sonderlich An. 1616. ist zwar von den Venedigern starck nach Görtz geschossen / aber nichts sonderliches damit außgerichtet worden. Besiehe den ersten Theil deß Teutschen Räißbuchs am 335. Blat. Es liegt bey einer halben Meil von Görtz / und fünffviertel Meil von Gradisca / nemlich zwischen diesen beeden Stättlein / das grosse Dorff Lutzeney / oder Lucinium, allda die Venediger in gedachtem 16. Jahr grossen Schaden gethan / auch das Schloß angezündet haben.

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