Textdaten
<<< >>>
Autor: Ernst Deecke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Till Eulenspiegel
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 122–123
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Lübeck
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[122]
66. Till Eulenspiegel.

1350. In diesem Jahr ist der wunderbare und seltsame Mensch, der in der ganzen Welt bekannte Till Eulenspiegel, gestorben, eines Bauern Sohn aus dem Dorf Knöttlingen im Lande Braunschweig. Der hat sein ganzes Leben mit vieler Schalkheit und Listigkeit geführt: wie denn ein ganzes Buch, von ihm geschrieben, ausweist. Der letzte Athem ist ihm ausgegangen in dem zu Lübeck gehörigen Städtlein Mölln; da lehnet er begraben, an der linken Seite wenn man in die Kirchthür gehen will. Daselbst ist ein hölzern Staket und darin ein langer Leichstein, worauf er abgebildet und ausgehauen: auf dem Kopf hat er einen Hut mit Federn, und in der Hand einen Spiegel nebst einem Korb voll Eulen. Auch ist auf dem Rathhause sein großer und kleiner Panzer, und sein hölzern Trinkmaß zu sehen. Wie er nun seine ganze Lebenszeit närrisch zugebracht, ist es auch bei seiner Einsenkung ins Grab wunderlich zugegangen, indem das [123] Tau zerrissen, und der Sarg in lehnender Positur in die Erde gekommen. Davon heißt es auf seinem Leichstein:

Anno 1350 is disse Stên upgehâven;
Till Ülenspêgel ligt hier uprecht begrâven.

Das Staket ist schon mehrmals neu gemacht, weil das Holz von dem alten zu Vertreibung des Zahnwehs gebraucht ist.

Anno 1500 etwan kam des Papstes Verordneter, ein Cardinal, durch Mölln und blieb eine geraume Zeit. Bei dem hielten die Möllnischen fleißig an, daß „de oll’ Herr“ kanonisiert und in den Kalender gesetzet würde; und hätten wohl etwas dran gewandt. Er hat aber nicht gemöcht, und ist ungesegnet von dannen gezogen.

Bemerkungen

[391] (Nach Dreyer; auch mündlich. Der Name „oll’ Herr“ ist noch üblich.)