Therese Malten (Die Gartenlaube 1898/14)

Textdaten
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Titel: Therese Malten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 452
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[452] Therese Malten. (Mit Bildnis.) Am 15. Juni feierte Therese Malten, eine der hervorragendsten dramatischen Sängerinnen der Gegenwart, ihr 25jähriges Bühnenjubiläum, das vor allem an der Königlichen Hofoper in Dresden festlich begangen wurde. Therese Malten ist in Insterburg in Ostpreußen als Tochter eines preußischen Militärbeamten am 21. Juni 1855 geboren. Schon früh zeigte sich ihre musikalische Begabung: sie sang schon im vierten Jahre ihrer Mutter Arien und Lieder nach und machte im Klavierspiel, das sie bald darauf erlernte, so glänzende Fortschritte, daß man geneigt war, sie zu den Wunderkindern zu zählen.

Therese Malten als Isolde.
Nach einer Aufnahme von Hofphotograph W. Höffert in Dresden.

Ihre Eltern waren nach Berlin übergesiedelt; ein tüchtiger Opernsänger, Anton Woworsky, erkannte das vielversprechende Talent des Mädchens und riet, sie zur Sängerin ausbilden zu lassen. Professor Gustav Engel erteilte ihr Gesangsunterricht und der Hofschauspieler Kahle, ein Jünger Heinrich Laubes, war ihr Lehrmeister in der dramatischen Kunst. In ihrem achtzehnten Lebensjahre trat sie zuerst am Dresdener Hoftheater als Pamina in der „Zauberflöte“ auf; nach ebenso erfolgreichen Leistungen als Elsa in „Lohengrin“ und Agathe im „Freischütz“ wurde sie an dies hervorragende Kunstinstitut, dem sie noch heute angehört, fest engagiert. 1880 ward sie zur Kammersängerin ernannt; 188l sang sie an der Deutschen Oper in London den Fidelio und einige Wagnersche Rollen. Sonst ist sie nicht übers Meer gegangen, wie sie sich überhaupt von dem geschäftsmäßigen Herumgastieren fern gehalten hat. Nur eine zweite künstlerische Heimat hat sie gefunden: Bayreuth. Richard Wagner hatte sie im Jahre 1881 in Dresden singen hören und sogleich erkannt, daß sie eine künstlerische Kraft ersten Ranges für die großen Aufgaben siner Musikdramen sei. Er forderte sie sofort auf, im nächsten Sommer in Bayreuth die Kundry im „Parsifal“ zu siugen; sie kam dieser Einladung nach und schuf in dieser Kundry eine von genialer Inspiration zeugende dämonische Gestalt, welche den Dichterkomponisten selbst wie alle Hörer zur Begeisterung hinriß. Seitdem hat Richard Wagner in ihr die berufenste Trägerin seiner weiblichen Heldengestalten gesehen. Von gleich mächtiger Wirkung wie als Kundry ist sie als Brünhilde sowie als Isolde, in welch letzterer Rolle sie das obenstehende Bildnis darstellt. Aber auch die jugendlich dramatischen Partien der Wagnerschen Opern, eine Senta, Elisabeth, Eva, gehören zu ihren Musterleistungen. Mit dem Dichterkomponisten selbst blieb sie, solange er lebte, in brieflichem Verkehr, und er machte kein Hehl aus seiner Bewunderung für ihre Kunst. Außerdem zählen zu ihren Hauptrollen Fidelio, Rezia, Margarethe, Armida und Viviana in Goldmarks „Merlin“. Ihre Stimme ist gleich mächtig in der Höhe und Tiefe, ausgeglichen in allen Registern; vor allem aber sind Spiel und Gesang bei ihr zu künstlerischer Einheit verbunden und so entspricht sie dem Ideal der Wagnerschen Kunstanschauung. †