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Titel: Sparsamkeit auf Thronen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 23, S. 388
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[388] Sparsamkeit auf Thronen. Es ist bekannt, wie haushälterisch am Hofe des großen Friedrich gewirthschaftet werden mußte; aber sein Vater, König Friedrich Wilhelm I. übertraf ihn noch bei weitem. In seinem Tabakskollegium gab es für seine Gäste außer Tabak von sehr mittelmäßiger Qualität nur Bier und Käse, höchstens noch Häringe, aber selten, um den Durst der alten Haudegen nicht künstlich zu vergrößern. Und doch konnte dieser sparsame, fast geizige Monarch zum Verschwender werden, wenn es sich um die Anwerbung irgend eines „langen Kerls“ für seine berühmten Grenadiere handelte, und kein Opfer war ihm zu groß, wenn, es galt, eines solchen Riesen mit List oder Gewalt habhaft zu werden. Friedrich II. ähnelte in dieser Beziehung seinem Vater; denn sein blauer Uniformfrack war nicht selten so fadenscheinig, der Hut so abgetragen, daß ihm eines Tages sein Kammerdiener erklärte, kein Mann in der ganzen preußischen Armee würde eine solche schäbige Uniform anziehen. Lachend erklärte der König, daß er sich dann doch wohl zu einem Wechsel bequemen müsse, und der Lakai brachte andere Garderobestücke. Galt es aber, Künste und Wissenschaften zu unterstützen oder dem öffentlichen Wohle Opfer zu bringen, so gab er mit vollen Händen.

Unter den durch Geiz und Habsucht berüchtigten Fürsten des Alterthums ist der römische Kaiser Vespasian, welcher im Jahre 79 n. Chr. starb, der erwähnenswertheste. Der Wunsch, die leeren Kassen wieder zu füllen, veranlaßte ihn, seinen Haushalt bis zur Aermlichkeit einzuschränken und Dinge zu besteuern, denen kaum eine Spur von Werth innewohnte. Aber auch bei diesem Charakter berührten sich die Extreme; denn bei großartigen Prachtbauten, die Vespasian errichten ließ, wie dem Friedenstempel mit einer ausgesuchten Bibliothek und dem Kolosseum, einer Arena, welche 90 000 Menschen faßte, scheute er keine Ausgaben.

Als einst Philipp II. von Spanien durch die Straßen Madrids fuhr, sprach ihn ein Bettler an, der die Füße trotz der rauhen Jahreszeit nur mit alten, dürftigen Lappen umhüllt trug. Der König zog seine eigenen Schuhe aus und reichte sie ihm; aber der Bettler wies sie zurück, weil sie so defekt waren, daß er sie nicht tragen mochte.

Auch Frankreich besaß seinen Geizhals auf dem Throne; es war Ludwig XI., der sich so dürftig kleidete, daß ihm einst ein Beamter der spanischen Gesandtschaft, welcher eben erst in Paris eingetroffen war und den König daher nicht kannte, beim Begegnen auf der Straße ein Almosen reichte. Er verkehrte viel mit den ärmeren Volksklassen und ging häufig des Abends in die Häuser der Bürger, um an ihren Mahlzeiten theilzunehmen. Dabei kümmerte er sich um die kleinlichsten Familienverhältnisse und konnte sehr scharfe Worte äußern, wenn er eine nach seiner Meinung unnütze Ausgabe gewahrte. An seinem Hofe fand aus Sparsamkeitsrücksichten nie eine Festlichkeit statt; jeder Prunk, jede Schaustellung war aus seiner Nähe verbannt; er war vielleicht der sparsamste König, den die Geschichte kennt.