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Stunde um Stunde, ihre heiße, vor Fieber zitternde Hand in der seinen. Und wenn er nach Hause kam, warf er sich auf sein Bett hin und vergrub das Gesicht in die Polster. Manchmal verging die Nacht, ohne daß er daran dachte, sich auszukleiden. Die geballten Fäuste rechts und links vor seinem Kopf, lag er da und rührte sich nicht. Er aß so gut wie nichts und ernährte sich fast ausschließlich durch den Genuß starker Spirituosen, er, dessen Mäßigkeit im ganzen Regiment sprichwörtlich gewesen war. Dabei war er matt wie eine Fliege, zeigte sich abwechselnd stumpf und krankhaft reizbar und versah den Dienst nicht mehr mit der alten Pünktlichkeit.

Eine merkwürdige Beobachtung machten seine Kameraden, die nämlich, daß seine Pferde, die ihm sonst wie alle Tiere eine ungewöhnliche Zuneigung bewiesen, jetzt vor ihm zurückschauderten, sobald er sich ihnen näherte, so zwar, daß er Mühe hatte, sich hinaufzuschwingen, und wenn er einmal im Sattel saß, so zitterten und schnaubten sie, wie Pferde, wenn sie an einer Menschenleiche vorübergehen sollen.

Der Arzt hatte gesagt, über einen Monat hinaus kann sie nicht leben, das ist der äußerste Termin. Aber Ärzte irren sich. Der Juli war vorüber, und sie lebte noch immer. Ja, es ging sogar ganz merkwürdig besser mit ihrer Gesundheit. Sie konnte das Bett verlassen, sie erschien bei den Mahlzeiten im

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 2, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/209&oldid=- (Version vom 1.8.2018)