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Plötzlich merkte der Oberst, daß der junge Mensch heftig zu zittern begann. Er griff nach dem Mantel und hielt sich ihn vors Gesicht, worauf er ihn mit einer Gebärde, die aus Ekel und Entsetzen gemischt war, von sich schleuderte.

„Na, was gibt’s denn schon wieder?“ rief etwas ärgerlich sein Vorgesetzter aus.

„Verzeihen Sie, Herr Oberst,“ murmelte er, „aber ich bitte Sie, selbst zu entscheiden: ist’s nur meine Einbildungskraft oder spüren Sie den Geruch?“

Der Oberst hielt nun seinerseits den Mantel vor sein Gesicht und schob ihn hierauf ebenso energisch von sich weg, als es Swoyschin gethan hatte. Etwas entsetzlich Unheimliches, ein mit dem Duft welkender Tuberosen vermischter Leichengeruch entströmte dem braunen Tuch.

„Schenken Sie den Mantel weg,“ sagte der Oberst kurz. Swoyschin schenkte ihn seiner Ordonnanz. Seltsamerweise konnte sich der gemeine Dragoner nicht damit abfinden und brachte ihn nach zwei Tagen an Zdenko zurück. Der Mantel sei verhext, behauptete er. Es gingen Gespenster bei ihm um, seitdem er bei ihm in der Stube hänge.

Swoyschin blieb nichts andres übrig, als den Mantel zu verbrennen.

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 2, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/176&oldid=- (Version vom 1.8.2018)