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Da dem Obersten übrigens gar nichts gelegener kommen konnte, als die Bitte des Doktors, so versicherte er ihn aufs wärmste, daß er sich sofort für ihn verwenden wolle, und daß es ihm auch sicherlich gelingen werde, seine Versetzung zu bewirken.

Sobald der Arzt gegangen war, teilte der Oberst diese neue Wendung der Dinge seinem jungen Freunde mit, der seinerseits aufrichtige Befriedigung darüber empfand.

* * *

Bis dahin hatte er sich noch immer nicht beruhigen können; immer wieder hatten ihn die Bilder aus der Existenz der jungen Frau verfolgt, – ihre Existenz, in der alles klein war, außer der Sehnsucht, herauszukommen, einer Sehnsucht, die nicht befriedigt werden konnte. Er sah ihr kleines Wohnzimmer, die mühseligen Handarbeiten, die sorgfältig eingerahmten Vedutenphotographieen, die paar Blumen, alle ihre rührenden und kläglichen Versuche, sich aus der Kümmerlichkeit heraus den Weg zu irgend einem Ideal zu bahnen.

Es war besser, daß sie ging, leiden würde sie überall, aber vielleicht doch weniger, als sie hier litt.

Nach vielfacher Schreiberei erreichte der Oberst richtig die gewünschte Versetzung für den Regimentsarzt. Im Frühjahr sollte dieser die Garnison wechseln.

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 1, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/073&oldid=- (Version vom 1.8.2018)