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Georg Christoph Lichtenberg unter Pseudonym Conrad Photorin: Timorus, das ist, Vertheidigung zweyer Israeliten, die durch die Kräftigkeit der Lavaterischen Beweisgründe und der Göttingischen Mettwürste bewogen den wahren Glauben angenommen haben

bekanntes Pulversystem[1] gekannt haben, welches zwischen das erste und zweyte der oben erwähnten fällt, so hätten sie allemal auf diese Entdeckung gerathen müssen. Man hat aber freylich den Grund dieser und mancher andern Oscitanz unserer Väter in der besondern Einfalt und dem guten Herzen derselben zu suchen, wovon ihnen der Himmel, zum äußersten Nachtheil ihres Verstandes und Witzes, doppelte Portion zugemessen hatte. Mit der Entdeckung ist es ohngefehr so zugegangen. Die Aerzte hatten nemlich schon lange bemerkt, daß man, um gewisse Krankheiten zu heilen, die Arzeneyen auf die den kranken Gliedern gerade entgegengesetzte Theile den Leibes appliciren müsse. Wenn jemand z. E. ein Brausen in den Ohren verspürte, so steckte man ihm die Füsse in laulichtes Regenwasser; hatte der Schlag jemanden auf der rechten Seite gelähmet, so öfneten sie eine Ader auf der linken; hatte jemand die Krätze auswendig auf der Haut, so schmierten sie den Patienten nicht auswendig,


  1. Hiervon wird unten geredet werden.
Empfohlene Zitierweise:
Georg Christoph Lichtenberg unter Pseudonym Conrad Photorin: Timorus, das ist, Vertheidigung zweyer Israeliten, die durch die Kräftigkeit der Lavaterischen Beweisgründe und der Göttingischen Mettwürste bewogen den wahren Glauben angenommen haben. , Berlin 1773, Seite 50. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Timorus-Lichtenberg-1773.djvu/50&oldid=- (Version vom 1.8.2018)