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Reinhold Steig: Literarische Umbildung des Märchens vom Fischer und siner Fru. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litteraturen

Sabina spinnt beim Feuer des Herdes; ein Mädchen, das dem Pfalzgrafen ähnlich sieht, sitzt, ebenso gekleidet, ihr gegenüber; Sabina erzählt ein Märchen:

Hör’, Kind, laß die Lampe stehn und sei geschickt,
Ich will dir erzählen, wie es einem Fischer geglückt,
Der Fischer war alt und hatte eine junge Frau,
Die war nicht fleißig und war auch nicht schlau,
So war der arme Fischer um alles gekommen,
Mit Müh’ hatt’ er ein Hüttchen am Flusse bekommen,
Das Hüttchen war alt wie der Fischer und schwach,
Er flickte umsonst das zerlöcherte Dach,
Immer klagte die Frau, sie liege so kalt,
Wie mußte er erst frieren, da er so alt.
Doch kam ihm kein Unmut, er saß so geduldig
Mit seiner Angel, als wär’ er nichts schuldig,
Und durft’ doch sich nirgends mehr sehen lassen,
Sonst wollten ihn seine Schuldner erfassen.
So saß er an einem Sonntagmorgen
Und dankte zu Gott, daß die Leute ihm borgen,
Und zog in Gedanken die Angel heraus,
O Freude, da zappelt ein Fisch eben zum Schmaus,
Ein Fischchen, als war es von Silber und Gold,
Das hat er aus dem klaren Wasser geholt,
Der Fisch heißt Reinera, er kennt ihn noch nicht,
Er weiß es nicht, daß der Fisch auch spricht,
Daß er die Schiffe im Laufe kann halten
Und im Meere übet Teufelsgewalten,
Aber zu Lande verloren ist,
Denn da regiert unser Herr Jesu Christ.

Mit schauderndem Gefühle, schaltet hier Arnim ein, hört Johannes das Märchen vom Wasserstar in anderer Gestalt. Die Erzählerin fährt fort:

Der Fisch tut den Fischer nun freundlich bitten:
„Laß mich leben, ich wär nicht gern zerschnitten.“
„Ei,“ sagt der Fischer, „einen Fisch, der kann sprechen,
Möcht’ ich nimmermehr zerschneiden und zerstechen,
Und hab’ ich auch nichts zu essen im Haus,
Ich scheue mich doch, dich zu essen beim Schmaus.“
Er machte den Fisch von der Angel los
Und warf ihn zurück, ob er gleich schön groß.
Nun sah der Fisch zum Wasser heraus
Und sprach: „Bedank’ mich, jetzt bitt dir was aus,

Empfohlene Zitierweise:
Reinhold Steig: Literarische Umbildung des Märchens vom Fischer und siner Fru. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litteraturen. Georg Westermann, Braunschweig 1903, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Steig_Umbildung_Fischer_und_siner_Fru.djvu/11&oldid=- (Version vom 1.8.2018)