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schlüpfrigen Wand auf, die Töne verloren sich in Stille; er begann fieberhaft tastend die Tür zu suchen, als sich wieder der Boden unter ihm senkte … Er fühlte, daß er hinuntersank, daß er mit blitzartiger Schnelligkeit in einen Abgrund fiel … Der Schreck und jenes entsetzende Gefühl des Versinkens ohne eine Möglichkeit der Rettung raubten ihm die Kraft.

Als er wieder zu sich kam, saß er auf einer steinernen Bank; er ließ vorsichtig seine Hände über die Wände gleiten: sie waren kalt und glatt wie aus Porphyr; das Zimmer war klein, quadratisch und sehr hoch, denn er konnte, wenn er sich auf die Bank stellte, die Decke nicht erreichen; nur eine der Wände schien ihm kälter zu sein, wie aus Glas, und voll von merkwürdig erhabenen, harten Stellen und verschlungenen Linien, doch nirgends eine Spur von Türen oder Fenstern …

Er fiel hin, fürchterlich ermattet und wie tot von dieser unergründlichen und schrecklichen Stille; steinerne Nacht, die Stille einer absoluten Leere und das unbeschreibbare Grauen eines toten Schweigens lasten auf ihm.

Er saß erstarrt da, ohne sich zu bewegen und ohne zu denken, wie auf dem tiefsten Grunde einer seit Millionen von Jahren gestorbenen Welt, in den ewigen Abgründen des Schweigens; er hatte das unklare Gefühl, als träume er einen steinernen Traum, die ewige Leblosigkeit, aus der man nie erwacht, als wäre er ein lebendiges Atom, das plötzlich in die tiefsten Tiefen ewigen Schweigens und ewiger Nacht hinuntergerissen wurde. Und so stossen ihm in dieser

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Władysław Reymont: Der Vampir. Albert Langen, München 1914, Seite 158. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Reymont_-_Der_Vampir.djvu/158&oldid=- (Version vom 1.8.2018)