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Lächeln huschte über ihr kreidebleiches Gesicht, sie streckte ihre Hand in die Leere, als wollte sie irgendeinen Unsichtbaren begrüßen, und begann etwas halblaut zu flüstern.

Mr. Yoe horchte aufmerksam, doch vergebens bemühte er sich, etwas zu verstehen, – sie sprach in einer ganz fremden Sprache.

„Was sprichst du?“ sagte er nach einer Weile, seine Hand auf ihre Stirn legend.

„Sarwatassida!“

„Der Mahatma?“

„Der, welcher ist, welcher alles ausfüllt, welcher ist das ‚A‘, mein Geist …“

„Will er durch dich sprechen?“

„Quäle mich nicht …“

„Wird heute etwas geschehen? Die Brüder sind versammelt, sie warten in Angst, harren flehend auf ein Zeichen, ein Wunder …“

„Keiner der Leibbehafteten ist eines Wunders würdig! Keiner …!“ dröhnte eine starke, gewaltige, männliche Stimme, die so laut war, als käme sie aus einer ehernen Posaune.

Yoe wich entsetzt zurück, ließ seine Augen ringsumher schweifen, doch im Zimmer war niemand; Daisy lag starr da, ohne sich zu bewegen, die Lichter brannten hell, und die ganze Gruppe der Versammelten stand im andern Zimmer, ihm gegenüber.

„Er soll spielen, er!“ flüsterte sie und erhob sich und wies auf Zenon, doch fiel sie gleich wieder nach hinten zurück, ausgestreckt, steif, und so blieb sie liegen.

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Władysław Reymont: Der Vampir. Albert Langen, München 1914, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Reymont_-_Der_Vampir.djvu/012&oldid=- (Version vom 1.8.2018)